Darum gehts
Absagen, Schulden, Kündigungen. Die Situation beim Schweizer Tourneetheater «Das Zelt» spitzt sich weiter zu. Die geplante Wiederaufnahme der Tour im September wird auf November verschoben. Direktor Adrian Steiner (59) informierte am 3. August die Mitwirkenden der Das-Zelt-Vorstellungsreihe «Comedy Club» in einem Mail, das Blick vorliegt, über die aktuelle Lage. Darin schreibt Steiner: «Die Das Zelt AG befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen Phase, das Büro ist nur noch sporadisch besetzt, weshalb die Kommunikation gegenüber Künstlern unbefriedigend ist.»
Es ist der nächste Tiefpunkt in einer Krise, die sich seit Monaten verschärft. Was einst als Erfolgsgeschichte der Schweizer Veranstaltungsbranche galt, steht vor einer existenziellen Bewährungsprobe. Das mobile Eventtheater, das seit 2002 Comedy, Musik, Variété und Unterhaltung in die ganze Schweiz bringt, kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten und einer ungewissen Zukunft.
Offene Forderungen in Millionenhöhe
Bereits im März wurde öffentlich, dass «Das Zelt» mit offenen Forderungen von über 2,5 Millionen Franken konfrontiert ist. Die Summe ging aus einem Betreibungsregisterauszug der Das Zelt AG hervor, in dem offene Rechnungen aufgeführt waren. Adrian Steiner erklärte damals gegenüber Blick, dass ein Teil der Forderungen bestritten werde. Zudem sei in der Summe ein Darlehen von 1,5 Millionen Franken enthalten. Weitere rund 300'000 Franken würden nicht anerkannt.
Die finanzielle Schieflage führte schliesslich dazu, dass der Spielbetrieb gestoppt werden musste. Steiner betonte stets, dass an einer Rettung gearbeitet werde. Ist nun sein Rettungsversuch geglückt? In seinem Mail an den «Comedy Club» bestätigt Steiner: «Es ist korrekt, dass mehrere Investoren bei Das Zelt einsteigen wollen. Bis aber die neue Lösung definitiv ist, kann ich euch keine weiteren Informationen geben. Das ist auch der explizite Wunsch der neuen Investoren», erklärt der Direktor.
Blick hat mit Betroffenen gesprochen, die nicht namentlich erwähnt werden möchten. Sie sagen übereinstimmend, Adrian Steiner menschlich sehr zu schätzen. Er habe das Herz auf dem rechten Fleck, er gebe Kulturschaffenden seit Jahrzehnten eine Bühne. Aber: Dass einige nicht bezahlt würden, gehe gar nicht. Egal ob er etwas dafür könne oder nicht.
Kritik an fehlender Kommunikation
Die Vertragsverhandlungen hätten länger gedauert als geplant. Daher würden sie den Spielbetrieb aller Voraussicht nach erst im November wieder aufnehmen können. Die Daten für die Standorte Basel, Aarau und Altstätten SG seien deshalb freigegeben worden. Die Folgen der Krise spüren auch jene, die auf der Bühne stehen. Einer von ihnen ist Comedian Fabio Landert (37). Er wartet auf eine ausstehende Gage im vierstelligen Bereich für zwei Auftritte bei «Das Zelt». Mittlerweile habe er die Betreibung eingeleitet, sagt er zu Blick.
Der Direktor bittet um Geduld
Wer wann bezahlt wird und wie es konkret weitergeht, bleibt für viele offen. Für ein mobiles Eventtheater sind finanzielle Engpässe besonders schwerwiegend. Die Produktionskosten sind hoch: Zelt, Technik, Personal, Logistik und Vorbereitungen müssen finanziert werden, lange bevor die Ticketverkäufe die Einnahmen bringen. Trotz der Krise hält Steiner an einer Zukunft von «Das Zelt» fest. Bis diese Lösung definitiv sei, bittet er die Beteiligten um Geduld. «Bis die Tinte unter dem neuen Deal trocken ist, kann ich euch keine neuen Informationen zu den aktuellen Verhandlungen geben», schreibt Steiner.
Ob die Investorengespräche erfolgreich abgeschlossen werden und ob der Spielbetrieb im November tatsächlich wieder aufgenommen werden kann, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Gegenüber Blick möchte sich Adrian Steiner nicht weiter zur aktuellen finanziellen Situation und zu den 14 gekündigten Mitarbeitern äussern, deren Anzahl er in einem Telefongespräch bestätigt. Fest steht: «Das Zelt», das über Jahre als feste Grösse der Schweizer Kulturlandschaft galt, erlebt seine schwierigste Phase. Für Steiner geht es nun nicht nur um eine verschobene Tournee – sondern um die Zukunft seines Lebenswerks.