Darum gehts
- Podcasterinnen reisen 8000 km nach Äthiopien, thematisieren weibliche Genitalverstümmelung
- Sara Aduse kämpft mit Stiftung gegen Mythen und soziale Ausgrenzung
- Über 200 Millionen Frauen weltweit betroffen laut WHO
Dara Masi (33) und Karin Bearpark (27) setzen sich in ihrer neuesten Folge des Podcasts «Die Thronfolge» mit der Thematik der sogenannten weiblichen Beschneidung, der Genitalverstümmelung, auseinander. Dafür reisen sie 8000 Kilometer nach Äthiopien und sprechen mit Betroffenen. Was sie dabei erfahren, ist zum Teil schockierend und nur schwer zu verarbeiten.
Die beiden Schweizerinnen treffen im äthiopischen Harar auf Sara Aduse (33), die selbst äthiopische Wurzeln hat und als Teenager in die Schweiz zog. Mit sieben Jahren wurde Aduse von ihrer eigenen Grossmutter verstümmelt. Heute leitet sie die von ihr gegründete Sara Aduse Foundation im Kampf gegen Genitalverstümmelung. Für ihre Mission kehrte Aduse zurück in ihre alte Heimat Äthiopien.
Der Kampf gegen die Genitalverstümmelung
Als Sara Aduse vom Moment erzählt, als ihr ein Teil der Klitoris entfernt wurde, zucken Dara Masi und Karin Bearpark sichtlich zusammen. Dass ein siebenjähriges Mädchen einen solchen Schmerz durchleben muss – «durch den Schmerz wurde ich ohnmächtig» –, ist für die Podcasterinnen nur schwer zu verdauen.
Die Genitalverstümmelung hat laut Aduse mehrere Gründe. «Die einen rechtfertigen es mit Religion, die anderen haben Mythen, dass die Klitoris überdimensional wachse oder ein Mädchen wilder und sexuell aktiver wird, wenn sie nicht beschnitten ist», erklärt Sara Aduse. Auch die Verstossung aus dem sozialen Umfeld spielt dabei eine Rolle, erklärt die Aktivistin. Dabei gebe es durchaus Frauen, die behaupten, ihre Tochter aus Liebe zu beschneiden, da sie sonst in der Schule gemobbt und als «Nutte» bezeichnet würde.
Es gibt drei Arten der weiblichen Genitalverstümmelung:
Typ 1:
Ein Teil oder die ganze Klitoris wird mit einer Rasierklinge abgeschnitten.
Typ 2:
Die Klitoris sowie die inneren Schamlippen werden teilweise oder vollständig abgeschnitten und somit verstümmelt.
Typ 3:
Die Klitoris und inneren Schamlippen werden vollständig weggeschnitten, und die Frau wird bis auf eine Zündholz-grosse Öffnung zusammengenäht beziehungsweise zusammengeklebt, damit gerade einmal das urinieren und menstruieren noch möglich ist. Heiratet eine Frau, wird die Öffnung ein wenig aufgeschnitten, um Geschlechtsverkehr zu ermöglichen.
Die jungen Mädchen werden meist im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren beschnitten. Rund 230 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit von der Genitalverstümmelung betroffen. Gut 240'000 Frauen in der Schweiz leben mit den Folgen einer Genitalverstümmelung.
Es gibt drei Arten der weiblichen Genitalverstümmelung:
Typ 1:
Ein Teil oder die ganze Klitoris wird mit einer Rasierklinge abgeschnitten.
Typ 2:
Die Klitoris sowie die inneren Schamlippen werden teilweise oder vollständig abgeschnitten und somit verstümmelt.
Typ 3:
Die Klitoris und inneren Schamlippen werden vollständig weggeschnitten, und die Frau wird bis auf eine Zündholz-grosse Öffnung zusammengenäht beziehungsweise zusammengeklebt, damit gerade einmal das urinieren und menstruieren noch möglich ist. Heiratet eine Frau, wird die Öffnung ein wenig aufgeschnitten, um Geschlechtsverkehr zu ermöglichen.
Die jungen Mädchen werden meist im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren beschnitten. Rund 230 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit von der Genitalverstümmelung betroffen. Gut 240'000 Frauen in der Schweiz leben mit den Folgen einer Genitalverstümmelung.
Die Schicksale der Betroffenen lassen die Hosts nicht kalt
Vor ihrer Reise dachte Dara Masi oft: «Wie kann eine Mutter das ihrer Tochter antun?», wie sie gegenüber Blick verrät. Während ihres Aufenthalts in Äthiopien und ihren Gesprächen mit Betroffenen bekam sie dann aber einen Einblick in die Denkweise dieser Frauen. «Natürlich hat man den Gedanken vorher gehabt. Und dann erklären sie es einem und sagen, sie hätten das auch erlebt und man hätte ihnen gesagt, das sei richtig so und es müsse passieren», sagt Dara Masi. Man merke, dass die Menschen in Äthiopien zum Teil anders ticken würden, wenn es beispielsweise um kritisches oder moralisches Denken gehe. «Dann fragt man sich immer weniger, wie eine Mutter das ihrer Tochter antun kann, und fängt ein wenig an, zu verstehen, wie das passieren kann», erklärt sie.
Die junge Mutter Samia erzählt Dara Masi und Karin Bearpark von ihrer eigenen Beschneidung. Sie entschied sich dazu, ihre Tochter ebenfalls zu beschneiden – obwohl dies illegal ist. Als ein Lehrer im Dorf sie konfrontierte, war ihre Antwort: «Es ist meine Tochter, ich kann mit ihr machen, was ich will.» Es sei ihr gutes Recht, ihre Tochter zu beschneiden. Die Folge: Samia landet im Gefängnis. Am Anfang interessierte es Samia nicht, dass die Genitalverstümmelung illegal in Äthiopien ist. Inzwischen hat sie aber gelernt, wie gefährlich das sein kann, und möchte nicht, dass weitere Mädchen dieses Schicksal erleiden müssen.
Positivität und Lebensfreude trotz traumatischer Erfahrungen
Trotz ihrer tragischen Geschichten wirken einige Betroffene überraschend positiv. «Dass diese Frauen trotz ihres Schicksals in der Lage sind, zu lachen, zu scherzen und zu strahlen, und man mit ihnen inmitten dieses schlimmen Themas auch über Banalitäten reden kann, das hat mich sehr überrascht», gibt Masi zu. Ihre Eindrücke zu verarbeiten, fiel den Podcasterinnen nicht leicht, so Masi. Plötzlich bekam sie ein völlig neues Bewusstsein und eine völlig neue Wertschätzung für ihre Kultur und ihren Körper. «Ich hätte nie gedacht, dass ich es einmal so zu schätzen wissen würde, keine Schmerzen beim Urinieren zu haben», verrät Dara Masi. Sie empfinde eine Mischung aus «Hoffnungslosigkeit, Dankbarkeit und schlechtem Gewissen», wenn sie darüber nachdenkt, dass sie selbst eine solche Genitalverstümmelung nicht erleben musste und «selber davongekommen ist», während unzählige Frauen auf der ganzen Welt mit diesem Schicksal leben müssen.
Nach ihrer Reise nach Äthiopien ist Dara Masi und Karin Bearpark bewusst geworden, wie viel Schaden durch fehlende Bildung angerichtet wird, wenn es um Genitalverstümmelung geht. Frauen würden mit dem Glauben aufwachsen, ihre Klitoris würde ohne Beschneidung unkontrolliert wuchern, sodass sie keine Kinder gebären könnten, oder sie würden einen unbändigen Sexualtrieb entwickeln. Es ist daher noch ein weiter Weg für Sara Aduse und ihre Stiftung, doch die Aktivistin ist davon überzeugt, dass sie den Kampf gegen Genitalverstümmelung gewinnen wird.