Darum gehts
- Dara Masi (32) liebt ihren früheren Freund, der seit 4 Jahren inhaftiert ist
- Wiedervereinigung durch Strassenumfrage; seither tiefe Gespräche, aber keine Intimität
- Alle 2 Wochen 3 Stunden Besuchszeit; kein rechtskräftiges Urteil des Partners
Dara Masi (32) ist frisch verliebt. In einen Mann, den sie seit über 20 Jahren kennt. «Er war mein erster Freund mit 12. Und mein erster Kuss. Im Schnee.» Die Sache hat aber einen Haken: Ihr Liebster sitzt im Gefängnis. Und das bereits seit über vier Jahren.
Nachdem die Beziehung mit 12 nach einem halben Jahr zerbrach, brach auch der Kontakt ab. Über die Jahre habe sie über «sieben Ecken» immer wieder mal mitbekommen, was er so macht. «Irgendwann habe ich dann erfahren, dass er im Gefängnis sitzt», erinnert sich die Moderatorin und Podcasterin. Als sie das erste Mal davon hörte, habe sie nicht weiter drüber nachgedacht, erzählt Masi im Podcast «Elephant in the Room» mit Mirja Gabathuler (36) und Charlotte Theile (38).
«Hoffe, sie behandeln dich im Knast gut»
Den Kontakt zueinander fanden sie wieder durch eine zufällige Strassenumfrage. Dara Masi wurde gefragt, was sie ihrem Ex gerne sagen würde. Sie antwortete daraufhin: «Ich hoffe, sie behandeln dich im Knast gut.»
«Das Video hat uns eigentlich wieder zusammengebracht.» Er bekam im Gefängnis Wind davon, «ich glaube, Beamte haben ihn darauf angesprochen», und dann schrieb ihr eine Kollegin einige Monate später, dass er gerne Dara Masis Nummer hätte, um sie anzurufen. Über vier Jahre sitzt er bereits im Gefängnis und habe sich gedacht, dass es noch schön sei, «nicht in Vergessenheit geraten» zu sein. Wichtig ist Masi, zu erwähnen, dass ihr Partner nicht wegen eines Sexual- oder Gewaltdeliktes im Knast sitzt. Mehr dürfe sie aber nicht sagen.
Der erste Kuss rief Erinnerungen hoch
Am Anfang sei sie sehr vorsichtig gewesen, weil sie nicht wusste, ob er Hintergedanken hatte. «Flirty» sei es nicht gewesen. Dann habe sie ihn eines Tages im Gefängnis besucht und irgendwann gemerkt, dass sie mit niemandem so «tiefgründige Gespräche» führe wie mit ihm.
Vor etwa einem Jahr hätten die beiden sich dann das erste Mal geküsst. Oder besser gesagt erneut geküsst – nach 20 Jahren. «Ich konnte mich eigentlich nicht mehr an den Kuss von damals erinnern. Aber als wir uns dann vor einem Jahr erstmals geküsst haben, ist es mir durch Mark und Bein gegangen, denn unsere Schneidezähne schlugen aneinander. Und da kam mir in den Sinn, dass das damals auch passiert ist. Das ist mir bei niemand anderem mehr passiert!»
Sex? Leider nein!
Das Thema Intimität beschäftigt sie und die Gastgeberinnen des Podcasts natürlich sehr. Denn wie kann man mit jemandem intim sein, der hinter Gittern sitzt? «Man wird kreativ», gibt Masi zu. Ausserdem helfe Telefonsex. Ins Detail möchte sie aus Rücksicht auf ihren Freund aber nicht gehen. Dadurch, dass ihr Partner noch kein rechtskräftiges Urteil erhalten hat, sind Privatbesuche tabu. «Es gibt keine Treffen, an denen man allein ist. Man ist immer von Kameras überwacht, von Menschen und Beamten umgeben», sagt Masi.
Dadurch, dass das Paar nie die Möglichkeit hatte, intim zu werden und Dinge dabei potenziell zu überstürzen, konnten sie sich ganz langsam kennenlernen. Das tat Dara Masi gut. Früher sei sie oft schnell intim geworden und habe dadurch schon eine emotionale Bindung aufgebaut, wodurch Kommunikation für sie schwierig wurde.
Diesmal stand das gar nicht zur Debatte. «Man redet einfach und man redet über alles. Was potenzielle Probleme in der Zukunft darstellen könnte und wie man sich was vorstellt», erklärt die Moderatorin. «Diese Art von Nähe habe ich noch nie mit einem Menschen gehabt, ohne intim zu werden.»
Drei Stunden alle zwei Wochen
Alle zwei Wochen dürfe sie ihn dann für drei Stunden besuchen. «Man sitzt an einem Tisch, und die Insassen kommen dann an den Tisch, wo ihr Besuch ist. Und dann sitzt man da drei Stunden. Seit kurzem hat es jetzt auch so einen Fotoautomaten mit Green Screen, wo man Fotos machen kann und es dann so aussieht, als sei man irgendwo am Strand oder am See. Das kostet aber. In den drei Stunden kannst du dich voll aufeinander konzentrieren, und das ist eigentlich total schön. Man darf sich auch berühren, weil wir es ja nicht übertreiben.»
Obwohl Dara Masi den Reiz darin sehe, dass Sachen «mit ein bisschen Drama verbunden sind», hofft sie natürlich, dass ihr Partner lieber früher als später aus dem Gefängnis entlassen wird. Denn er sei der erste Mann, mit dem sie sich vorstellen könnte, alt zu werden und irgendwo am Strand mit einem Glas Prosecco zu sitzen. Bis dahin bleibt den beiden die Hoffnung, drei Stunden alle vierzehn Tage – und die Vorfreude aufeinander.