Darum gehts
- Chaos bei Zurich Fashion Week im Februar: Sponsoren und Models enttäuscht
- Goodie Bags halb leer, 1700 Franken Schulden bei Modelagentur offen
- 500 Franken Busse für Kiff-Vorfall im Genfer Ritz-Carlton Hotel
Sprechverbot, Anwälte und ein Klima der Angst: So schildern Beteiligte, was sich hinter der glitzernden Fassade der Zurich Fashion Week abspielen soll. Noch vor wenigen Tagen packten wütende Sponsoren und aus dem Vorstand geworfene Mitglieder aus. Geschichten, die sich lesen wie ein Panoptikum zwischen Krimi und Kindergarten – zwischen grossen Ambitionen und kleinen Eitelkeiten.
Dann plötzlich: Funkstille. Alles zurückgezogen, über Anwälte. Der Imageschaden sei bereits gross, heisst es. Nun auch noch mit Namen hinzustehen? Für viele zu riskant. Doch die Vorwürfe bleiben – und sie zeichnen ein klares Bild.
Ratlosigkeit statt Glamour
Vom 11. bis 15. Februar ging die Zurich Fashion Week im Zürcher Kongresshaus über die Bühne. Der Auftaktabend geriet für viele zum Ärgernis: Rund 800 Gäste standen grösstenteils planlos herum. Keine klaren Sitzplätze, kein erkennbares Programm, kaum Orientierung. Statt Glamour dominierte Ratlosigkeit.
Auch auf dem Laufsteg lief nicht alles rund. Ein Model durfte trotz gültigen Vertrags kurzfristig nicht gehen – angeblich passte es nicht mehr in die ästhetische Vorstellung von Vereinspräsidentin Tamy Glauser (41). Ein Entscheid, der intern für Unverständnis sorgte.
Und dann die Goodie Bags: angekündigt mit einem Warenwert von rund 2000 Franken, bei vielen Gästen nur halb gefüllt. Der Grund: Kartons mit einem Luxusprodukt wurden schlicht vergessen und tauchten erst zwei Tage nach dem Anlass wieder auf. Für einen Sponsor ein Affront – er fordert nun sein Geld zurück, weil die versprochene Gegenleistung ausgeblieben sei. Auch da seien Anwälte eingeschaltet.
«Die Art und Weise, wie Sponsoren behandelt wurden und werden, ist bis heute unterirdisch», sagt eine dem Verein nahestehende Quelle, die anonym bleiben will, gegenüber Blick. Sie spricht von chaotischen Zuständen und einem Umgangston, der viele vor den Kopf stosse. «Ich weiss von mehreren Sponsoren, die nicht mehr dabei sein werden.» Die Enttäuschung sei zu gross: versprochene Leistungen nicht eingehalten, Professionalität vermisst, Kommunikation ruppig – wenn sie denn überhaupt stattfand.
Offene Model-Rechnungen
Brisant: Diese Kritik ist nicht neu. Bereits vor Wochen wurden ähnliche Vorwürfe laut – und sie scheinen bis heute nicht ausgeräumt. Hinter vorgehaltener Hand ist von strukturellen Problemen die Rede.
Ein weiterer Zankapfel sind offene Rechnungen. Dienstleistende sollen im Preis gedrückt worden sein, Zahlungen lassen auf sich warten. Besonders pikant: Eine noch offene Rechnung für Champagner soll sich im mehrfachen Tausenderbereich bewegen. Er floss in Strömen, die Zahlung scheinbar nicht.
Für zusätzliche Irritation sorgt ein Vorfall in Genf. Im Rahmen eines Modelcastings soll im Zimmer vom The Ritz-Carlton Hotel de la Paix gekifft worden sein. Eine aufwendige Reinigung wurde nötig, das Zimmer konnte eine Nacht nicht vermietet werden. Die Busse von 500 Franken soll dem Verein verrechnet worden sein – nicht privat. Besonders heikel: Passiert sein soll das Ganze im Zimmer eines der sieben Vorstandsmitglieder. Auf Anfrage lässt das Luxushotel ausrichten, diesbezüglich keine Stellungnahme abzugeben.
Auch die Zürcher Modelagentur Option Model Agency wartete lange auf ihr Geld. Inhaberin Ursula Knecht sagte am Donnerstag: «Die Models wurden gebucht, doch die Rechnung ist bis heute offen. Es geht um 1700 Franken.» Mehr als zwei Monate nach dem Anlass stehen die Models weiterhin ohne Bezahlung da. «Schlechte Zahlungsmoral ist immer ärgerlich», so Knecht. Eine Zusicherung zur Begleichung gebe es zwar, einen Zahlungseingang konnte sie bis Donnerstagnachmittag nicht verzeichnen. Am Montagmittag, dem 4. Mai berichtete sie, das Geld sei bei ihnen eingegangen.
Ein Sponsor ist begeistert
Auch Models der Zürcher Agentur Visage Model Management liefen über den Laufsteg. Inhaberin Zineta Blank verliess die Show vorzeitig. Zu den Gründen schweigt sie, bleibt aber diplomatisch: «Unsere Models waren superhappy. Zürich braucht so eine Plattform. Aber am Anfang ist es nie einfach – Fehler passieren.»
Mit all den Vorwürfen konfrontiert, reagierte Tamy Glauser am letzten Mittwochabend nicht mit Antworten, sondern mit einem Machtwort: Sprechverbot. Vorstandsmitglieder dürfen keine eigenen Stellungnahmen mehr abgeben, Anfragen sollen zentral über sie und die Geschäftsleitung laufen. Ein Schritt, der intern für zusätzliche Unruhe sorgen soll. Bis Redaktionsschluss blieb eine Stellungnahme aus.
Rückendeckung kommt einzig vom Hauptsponsor Landquart Fashion Outlet. Dort zeigt man sich zufrieden mit der Zusammenarbeit – und setzt offenbar auf eine längerfristige Partnerschaft mit der Zurich Fashion Week.
Zwischen Glanz und Kritik bleibt ein schaler Nachgeschmack. Die grosse Frage: Kinderkrankheiten eines ambitionierten Projekts – oder steckt hinter der schönen Fassade mehr, als man sehen soll? Im Zuge der Blick-Recherchen sagt der Insider über die Stimmung im Vorstand: «Es herrscht Panik auf der Titanic.»