Interview mit Stefan Büsser zur neuen Staffel von «Late Night Switzerland»
«Sendungen sind schon immer gekommen und verschwunden»

Beim Start des SRF-Satireformats «Late Night Switzerland» 2024 hagelte es Kritik. Mittlerweile hat sich der Sturm gelegt. Im Interview zur sechsten Staffel zieht Gastgeber Stefan Büsser Bilanz. Und erklärt, weshalb er nicht in der Haut von Roger Elsener stecken möchte.
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Comedian Stefan Büsser ist seit Anfang 2024 Gastgeber und Moderator der SRF-Satiresendung «Late Night Switzerland», die jeweils am Sonntagabend läuft.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stefan Büsser startet am 6. September mit Staffel 6 von «Late Night Switzerland»
  • Am Anfang spürte Büsser den Druck, auch wegen seiner bekannten Vorgänger
  • Ein neuer Sidekick als Ersatz für Michael Schweizer ist kein Thema
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Jean-Claude GalliRedaktor People

Am Sonntag, 6. September, startet Stefan Büsser (41) in die sechste Staffel des SRF-Satireformats «Late Night Switzerland» («LNS»). Blick trifft den Comedian in seiner Kreativfirma am Zürcher Schaffhauserplatz.

Blick: Stefan Büsser, wir hätten zu Beginn von «LNS» Anfang 2024 nicht daran geglaubt, Sie mal zu einem Interview für Staffel 6 zu treffen. Sie schon?
Stefan Büsser: Ich habe es gehofft. Inhaltlich habe ich immer gedacht, dass wir es bis hierhin schaffen könnten. Aber SRF treibt halt auch die wirtschaftliche Situation um. Wir sind für jede Staffel, die wir bekommen, dankbar. Andere Kolleginnen und Kollegen hatten dieses «Glück» nicht.

Wann waren die Zweifel am stärksten?
In den ersten zwei Staffeln 2024, als alles neu war. Wir spürten den Druck der Berichterstattung über uns. Manchmal hatten wir das Gefühl, es gäbe keinen wichtigeren Sendeplatz. Der Sonntagabend ist für viele ein Heiligtum. Dazu kam die Erwartungshaltung, aufgrund der Namen, die uns im Kaufleuten vorangingen, Viktor Giacobbo und Mike Müller. Das sind grosse Fussstapfen, die wir immer noch nicht ausfüllen. Aber wir stehen mittlerweile auf eigenen Beinen.

Auch Blick hat Sie anfangs stark kritisiert. Erachteten Sie die damaligen Artikel als zu überzogen oder sogar als unfair?
Unfair nicht und Humor ist auch Geschmacksache. Als Kreativer ist man mit seiner Arbeit emotional verbunden, und Emotionen stehen einer selbstkritischen Betrachtung halt oft im Weg. Das ist wie bei einem Fussballfan, der auch keine Sprüche über seinen Lieblingsklub verträgt, selbst wenn der grottenschlecht spielt. Aber nach 45 Sendungen sehen wir auch, wo wir anfangs Fehler gemacht haben. Kritik war und ist immer berechtigt, auch wenn ich sie nicht immer teile.

Blick kritisierte auch Sidekick Michael Schweizer. Nachdem Sie sich auf die vierte Staffel im Herbst 2025 von ihm getrennt haben, gab es unserer Meinung nach einen Qualitätsanstieg ...
Das muss ich korrigieren. Michael hat selber entschieden, sich als Sidekick zurückzuziehen. Ich war immer sehr froh um ihn und seine Unterstützung auf der Bühne und in der Redaktion. Als er sagte, ich traue dir zu, das Format vor der Kamera allein zu reissen, fühlte ich mich im ersten Moment etwas verlassen. Gleichzeitig stimmte es mich positiv, dass er mir zutraute, die Sendungen auch allein zu moderieren. Und Michael ist noch immer Teil des Teams und kommt in den Einspielern vor.

Ein neuer Sidekick ist kein Thema?
Natürlich haben wir uns nach Michaels Rückzug überlegt, ob jetzt nicht der passende Zeitpunkt sein könnte für einen weiblichen Sidekick. Wir gingen verschiedene Namen durch, doch am Schluss kamen wir immer wieder an denselben Punkt: Wir haben bei diesem Sendekonzept, das für uns und das Publikum funktioniert, keine passende Rolle für einen Sidekick, egal welchen Geschlechts.

Hätte es anderswo Spielraum gegeben, auf das «Frauenproblem» zu reagieren?
Wir haben mit Julia Steiner, Nadia Goedhart und Judith Erdin drei starke Frauen mit regelmässigen Einsätzen bei uns. Und SRF hat mit der Einführung von Frauenformaten wie «Fun Fatale» tolle Angebote geschaffen. Man muss aus meiner Sicht auch nicht stur in jedem Format 50:50 anstreben. Aber im gesamten Comedy-Programm muss eine gerechte Quote her, und darum haben auch wir immer Platz für Comediennes, Musikerinnnen und Politikerinnen.

Sie sind nebst «LNS» auch bei den SRF-Formaten «Donnschtig-Jass» und «Gipfelstürmer» dabei. Warum haben Sie bei SRF so ein gutes Standing? Und leiden Sie schon unter dem SRF-Stempel?
Nein, der Stempel stört mich gar nicht (lacht). Ich kann mich sehr gut mit SRF identifizieren. Ich habe auch schon ein-, zweimal gehört, ich sei der neue Sven Epiney. So weit würde ich jetzt nicht gehen, der hat schon noch etwas mehr erreicht. Im Ernst: Ich bin dankbar für jede gute Plattform und gebe immer mehr als 100 Prozent. Aber ich weiss auch, wie schnell es in diesem Geschäft geht, und man ist weg, darum geniesse ich es. Wenn man mich eines Tages ersetzen will, bin ich nicht beleidigt.

Ist bei «LNS» einmal ein Zenit erreicht?
Was ich sicher sagen kann, ist, dass ich auf diesem Sendeplatz nicht das Pensionsalter erreichen werde. Wir bekommen immer nur einen Einjahresvertrag für zwei Staffeln. SRF steht vor grossen Veränderungen, man weiss nie, was in ein paar Monaten ist. «LNS» bietet aber eine einmalige und in der gesamten Medienlandschaft sehr rar gewordene Auftrittsmöglichkeit für Comedians und Musikerinnen. Ausserdem gibt es nebst uns keine satirischen Polit-Talks mehr, und ich weiss auch aus dem Bundeshaus, dass diese Plattform sehr geschätzt wird. Und auch aus dem Publikum haben wir viel Feedback, dass sie das «Grillieren» von politischen Gästen sehr schätzen.

Wie sind Sie zufrieden mit den letzten Einschaltquoten?
Die Zahlen sind gut, sie steigen von Staffel zu Staffel. Und – da muss man ehrlich sein – es hat immer auch damit zu tun, was sonst an diesem Abend noch läuft. Vieles können wir nicht beeinflussen. Was für uns entscheidend ist: Wir verlieren während einer Sendung kaum Zuschauer, die Leute bleiben also dran. Was helfen würde, wäre, mehr als nur neun Folgen pro Staffel zu haben. Bis die Leute gemerkt haben, dass wir wieder im Programm sind, vergehen in der Regel drei bis vier Sendungen. Aber in der jetzigen wirtschaftlichen Situation des Hauses sind mehr Sendungen ein frommer Wunsch.

Welche drei Gäste hätten Sie bald gerne bei Ihnen?
Susanne Wille. Dann Roger Federer, der ist immer zuoberst auf der Liste. Und Anke Engelke wäre auch ein Lieblingsgast.

Und bei wem würden Sie sich weigern, auf die Bühne zu gehen, auch wenn es ein Wunschgast von SRF wäre?
SRF hat mir noch nie vorgeschrieben, wer Gast zu sein hat. Noch nicht mal gewünscht haben sie (lacht). Mir gefallen Gäste, mit denen ich mich reiben kann oder die sehr unterhaltsam sind. Da ich politisch ziemlich in der Mitte stehe, finde ich Gäste der Pol-Parteien am spannendsten.

SRF ist in einem Veränderungsprozess. Haben Sie bei «LNS» zwischen 2024 und 2026 davon schon etwas gespürt?
Bisher waren wir von Sparmassnahmen noch nicht gross betroffen. Wenn neue Vorgaben kommen, schauen wir sie an. Und wenn gar nichts mehr geht, ist es halt so. Sendungen sind schon immer gekommen und verschwunden. Ich bin nicht so eingebildet zu glauben, unsere Sendung wäre relevant für den Fortbestand des Abendlands. Trotzdem möchte ich grad nicht in der Haut von Susanne Wille oder Roger Elsener stecken.

Ein guter Schlusspunkt: Hatten Sie mit dem neuen SRF-Chef schon persönlichen Kontakt?
Ja, wir haben uns bereits ausgetauscht, sehr konstruktiv. Ich spüre bei ihm viel Engagement fürs Programm und Gestaltungswille.

Hat Roger Elsener Sinn für Humor?
Ja, absolut. Der wäre auf jeden Fall auch mal ein guter Gast für uns.

«Late Night Switzerland» beginnt am 6. September ausnahmsweise schon um 20.05 Uhr auf SRF 1, Gäste sind die Schmirinskis und Stress. Ab 20.55 Uhr folgt eine Aufzeichnung der Swiss Comedy Awards. 

Stefan Büsser

Der 1985 in Zürich geborene Stefan Büsser begann nach einer KV-Lehre bei Ringier als Praktikant bei der «Schweizer Illustrierten» und beim Blick im Medienbusiness. 2005 lancierte er seine Radiokarriere bei Radio Top, 2008 wechselte er zu Energy, 2016 zu SRF 3. 2011 zeigte Büsser sein erstes Comedyprogramm. Seit Anfang 2024 moderiert er die sonntägliche SRF-Satireshow «Late Night Switzerland», am 6. September beginnt die sechste Staffel. Bei SRF ist er seit 2019 auch im Sommer-Spielformat «Donnschtig-Jass» und in der Samstagshow «Gipfelstürmer» zu sehen. Büsser lebt und arbeitet in Zürich.

Der 1985 in Zürich geborene Stefan Büsser begann nach einer KV-Lehre bei Ringier als Praktikant bei der «Schweizer Illustrierten» und beim Blick im Medienbusiness. 2005 lancierte er seine Radiokarriere bei Radio Top, 2008 wechselte er zu Energy, 2016 zu SRF 3. 2011 zeigte Büsser sein erstes Comedyprogramm. Seit Anfang 2024 moderiert er die sonntägliche SRF-Satireshow «Late Night Switzerland», am 6. September beginnt die sechste Staffel. Bei SRF ist er seit 2019 auch im Sommer-Spielformat «Donnschtig-Jass» und in der Samstagshow «Gipfelstürmer» zu sehen. Büsser lebt und arbeitet in Zürich.

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