Drei Jahre nach grosser Kritik
Jetzt ist SRF-Comedy in reiner Frauenhand

2023 wandten sich 40 Comédiennes mit einem Brief an Direktorin Nathalie Wappler, weil SRF die Frauen-Comedy ihrer Meinung nach sträflich vernachlässigte. Das neue Format «Fun Fatale» bringt nun den ganzen Mai über jeden Sonntag drei bekannte Frauen-Acts auf die Bühne.
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Patti Basler bei ihrem Auftritt an der Premiere des SRF-Comedy-Formates «Fun Fatale» im Millers.
Foto: SRF/Gian Vaitl

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neues Frauen-Comedy-Format «Fun Fatale» am 3. Mai gestartet
  • Comédiennes Patti Basler und Jane Mumford zeigen sich zufrieden mit Premiere
  • Nächste Folge am 10. Mai mit Lara Stoll, Reena Krishnaraja und Tina Teubner

Der Aufruhr war gross, als SRF 2023 für die Nachfolge von Dominic Deville (51) auf dem sonntäglichen Comedy-Sendeplatz wieder nur Männer in Betracht zog und auf Stefan Büsser (41) mit «Late Night Switzerland» und Gabriel Vetter (43) mit «Die Sendung des Monats» setzte. 

In einem offenen Brief wandten sich rund 40 Comédiennes an SRF-Direktorin Nathalie Wappler (58) und kritisierten «fehlende Diversität, mangelnde Transparenz und strukturellen Sexismus». Um die Gemüter zu beruhigen, stellte der Sender eine baldige Frauenoffensive in Aussicht.

«Fun Fatale» ist ein reines Frauenformat

Die klappernde Mühle am rauschenden Leutschenbach mahlte dann wie oft sehr langsam. Drei Jahre später erschien nun die erste der vorerst auf vier Folgen angelegten Reihe «Fun Fatale» aus dem Millers Theater in Zürich-Tiefenbrunnen. Die Reihe ist auf und hinter der Bühne ausschliesslich mit Frauen besetzt.

Gastgeberin ist «Millers»-Co-Leiterin Andrea Fischer Schulthess (56), die das Urformat «Female Trouble» 2020 mit Patti Basler (49) lancierte.

Basler war einer der drei Showacts bei der Premiere vom 3. Mai. «Arbeit in reinen Frauenteams ist meist effizienter, weil die Kompetenz nicht dauernd infrage gestellt wird. In gemischten Teams erhält das Wort von Frauen oft erst Gewicht, wenn ein Mann es nochmals wiederholt hat», sagt Basler gegenüber Blick.

«Komiker kehren auf der Bühne gerne die starke Männerrolle um: Sie reden bescheiden ihre Berühmtheit klein und weisen auf ihre körperlichen Mängel hin. Frauen drehen auch gerne das Rollenbild um und erschaffen eine starke Bühnenfigur. Denn wenn Frauen auf körperliche Schwachstellen hinweisen, wirkt es anders als bei Männern. Oft werden sie dann wahrgenommen, als verharrten sie in der Opferhaltung und seien am Jammern.»

Auf die Frage, ob das Format institutionalisiert werden sollte, meint Basler: «Die satirische Antwort: Im Grunde zeigt die Sendung ja einfach, wie wenig Geld inzwischen vorhanden ist – Frauen sind billigere Arbeitskräfte. Weniger satirisch: Es gibt momentan im SRF nur einen Comedy-Sendeplatz. Der ist mit Büsser und Vetter weitgehend männlich besetzt, da verträgt es gut dann und wann ein reines Frauenformat. Gäbe es mehr SRF-Sender, mehr Sendeplätze und Ressourcen, wäre es eine Diskussion wert.»

Erfreuliche Einschaltquote

Mit dem jetzigen Resultat zeigt sich Basler zufrieden. «Als Involvierte bin ich aber zu wenig objektiv. Live hat es sich gut angefühlt: ausgelassene Stimmung, grossartige Künstlerinnen und ein euphorisches Publikum.»

Immer wieder aufgebracht wird in Diskussionen eine Quote. Patti Basler meint: «Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten sollen sowohl heimisches Kulturschaffen abbilden, als auch die Bevölkerung repräsentieren. Diese besteht aus 50 Prozent Frauen. Eine festgesetzte Quote erachte ich als unnötig. Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, kommt man automatisch auf ein ausgeglichenes Line-up.»

SRF zeigt sich auf Anfrage sehr angetan von der Einschaltquote der ersten Ausgabe, die über 200'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sehen wollten. «Der Marktanteil von 26,5 Prozent zeigt, dass die bewusst kuratierte Mischung aus etablierten Schweizer Grössen, neuen Stimmen und internationalen Gästen beim Publikum Anklang findet», sagt Martina Ziesack, Leiterin Comedy bei SRF.

«Freudige Magie in der Luft»

Auch der zweite Premieren-Act Jane Mumford (38) ist zufrieden mit dem Start von «Fun Fatale»: «Ich fand, es lag eine Art freudige Magie in der Luft, weil wir wussten, dass das, was hier passiert, einmalig ist. Noch nie war ich in einer Produktion mit einem reinen Frauen-Technikteam, das hat uns total zusammengeschweisst.»

Am liebsten wäre es Mumford, es gäbe so viel Diversität am Fernsehen, dass ein solches Format gar nicht mehr speziell wäre. «Wenn etwa in anderen Sendungen mal – ganz zufällig! – nur Frauen auf der Bühne stehen, und es überhaupt niemandem mehr besonders auffällt.»

Nächste Folge von «Fun Fatale» am 10. Mai ab 21.50 Uhr auf SRF 1. Mit dabei sind diesmal Lara Stoll, Reena Krishnaraja und Tina Teubner. 

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