In seinem neuen Comedy-Programm thematisiert Büssi das Sterben
«Der Tod ist das ultimative Scheitern»

SRF-Star Stefan Büsser (41) kehrt mit seinem Comedy-Programm «Über-lebt» auf die Solo-Bühne zurück. Im Gespräch mit Blick sinniert Büssi über Sterben, Selbstironie und SRF.
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Stefan Büsser (hier mit Ex-SRF-Chefin Nathalie Wappler, 58) ist eines der bekanntesten SRF-Comedy-Gesichter.
Foto: SRF/Gian Vaitl

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stefan Büsser nutzt Humor in seinem Programm «Über-lebt» zur Krankheitsbewältigung
  • Er thematisiert Tod, Alltag und verpasste Lebenswege mit überzogenen Figuren
  • SRF unterstützt seine Comedy, trotz Ombudsbeschwerden zu «Late Night Switzerland»
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Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk

Stefan «Büssi» Büsser leidet an der Lungenkrankheit Zystische Fibrose – und macht daraus nun Comedy. In seinem neuen Soloprogramm «Über-lebt», das am Donnerstag startet, spricht er über Krankheit, Endlichkeit und Lebensentwürfe, die anders kamen als geplant. Persönlich, pointiert – und ohne falsche Ehrfurcht vor dem Ableben.

Büssi, viele lachen über den Tod – solange er abstrakt bleibt. Dein Programm ist aber höchstpersönlich. Ist das nicht ein Wagnis?
Stefan Büsser:
Als Betroffener einer Lungenkrankheit habe ich natürlich viele Freiheiten, über das Thema Witze zu machen. Lachen schafft eine Distanz, grad in Zeiten, wo wir den Schrecken auf dem Handydisplay immer ganz nah bei uns tragen. Darum beende ich auch jede Late-Night-Show mit dem Satz: «Nähmeds nöd z ernst.»

Trotzdem: Was soll am Sterben witzig sein?
Comedy ist immer da am lustigsten, wo man scheitert. Und der Tod ist das ultimative Scheitern, das uns allen gelingt. Insofern bilde ich nur die Realität ab, die uns alle irgendwann einholt.

Dein Humor ist also auch eine Bewältigungsstrategie.
Ich habe das Glück, dass ich selbst in meinen dunkelsten Stunden die Lösung immer in der humoristischen Verarbeitung gesucht habe. Natürlich habe ich auch meine schwachen Momente, wo mir alles zu viel ist. Die muss man dann auch zulassen. Humor darf nur ein Ventil sein, kein Verdrängungsmechanismus.

Gibt es in deinem neuen Programm eine Pointe, bei der du Bedenken hast?
Bei einer bin ich zumindest noch nicht ganz sicher. Ich werde sie hier nicht zitieren, sie braucht den Kontext, der diesen Interviewrahmen sprengt. Ich bin auf die Zuschauer-Reaktionen auf jeden Fall sehr gespannt.

Gutes Stichwort – bei deinem Solo-Programm profitierst du von der kompletten Kunstfreiheit. Bei SRF ist das wohl etwas anders.
Wir sind innerhalb der SRF-Leitlinien komplett frei. Als Comedy-Show gehen wir immer mal wieder an Grenzen, was man nicht zuletzt auch an der Anzahl Ombudsbeschwerden zu «Late Night Switzerland» sieht. Ich spüre im Haus SRF aber einen grossen Rückhalt für unsere Arbeit.

Persönlich: Stefan Büsser

Was als KV-Lehrling bei der Blick-Herausgeberin Ringier begann, über Stationen als Print- und Radio-Journalist führte, gipfelte für den 1985 in Zürich geborenen Stefan Büsser 2023 in seiner eigenen Show «Late Night Switzerland». Büsser hat eine Zwergspitzhündin, die mit ihrem Herrchen auch schon TV-Luft schnuppern durfte.

Thomas Buchwalder

Was als KV-Lehrling bei der Blick-Herausgeberin Ringier begann, über Stationen als Print- und Radio-Journalist führte, gipfelte für den 1985 in Zürich geborenen Stefan Büsser 2023 in seiner eigenen Show «Late Night Switzerland». Büsser hat eine Zwergspitzhündin, die mit ihrem Herrchen auch schon TV-Luft schnuppern durfte.

In «Über-lebt» spielst du mit bewusst überzeichneten Versionen deiner selbst, etwa als DJ oder Guru. Sind das echte verpasste Lebenswege oder einfach dankbare Bühnenfiguren – weil sie gut funktionieren?
Das sind tatsächlich Figuren, die einen möglichen Lebensweg von mir zeigen. Ich war als Jugendlicher als DJ Stöffel in der Ostschweiz unterwegs, und vor ein paar Jahren bin ich in ein Schweigekloster gegangen. Ich frage mich im Programm, was wohl geworden wäre, wenn ich an diesen Punkten anders abgebogen wäre. Die Show dreht sich also nicht bloss um die Krankheit, sondern bietet auch ganz viel Komik aus dem Alltag.

Du erzählst auch frei erfundene oder überspitzte Geschichten aus deiner Kindheit – wo ziehst du die Grenze zwischen emotionaler Wahrheit und dramaturgischer Zuspitzung?
Die Leute bezahlen Eintritt, um unterhalten zu werden, nicht für einen Vortrag über mein Leben. Der Fokus liegt klar auf Comedy, auch wenn die Basis der Jokes echter Schmerz aus dem Leben ist.

Eine der stärksten Ebenen im Programm ist, dass am Ende oft du selbst die Pointe bist: Ist das besonders ehrlich – oder trittst du damit einfach sicher niemandem auf den Schlips?
Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Man darf nichts mehr sagen. Die sozialen Kosten sind einfach höher geworden, wenn man es trotzdem tut. Entweder nimmt man diese in Kauf oder überlegt sich, ob man eine Pointe cleverer formulieren könnte.

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