Darum gehts
- Hazel Brugger kritisiert im Podcast die Schweiz für gesellschaftliche Probleme und Ignoranz
- Hohe Kita-Kosten zwingen laut Brugger ihre Freundinnen zum Zuhausebleiben
- Kinderbetreuung kostet bis zu 3500 Euro monatlich, Einkommen oft gleich hoch
«Es ist so scheuklappig alles in der Schweiz. Die kriegen so wenig mit», poltert Hazel Brugger (32). Im Gespräch mit Moderator Matze Hielscher (46) im Podcast «Hotel Matze» lässt die Erfolgs-Comedienne kein gutes Haar an ihren Landsleuten. Wenn sie sich mit Schweizer Freundinnen unterhalte, merke sie extrem, wie unterschiedlich die Alltagsthemen seien – manche wüssten nicht einmal, wer deutscher Bundeskanzler sei.
Besonders sauer stösst Brugger die gesellschaftliche Situation in der Heimat auf. Es gebe in der Schweiz «so krasse gesellschaftliche Probleme», die aber gar nicht als solche erkannt würden, «weil sie nicht sehen, dass es auch anders geht».
«Könnte nicht in einem Staat leben, der mich zwingt, reich zu sein, um arbeiten zu dürfen»
Als Beispiel nennt Brugger die enormen Betreuungskosten für Kinder. Sie kenne drei Freundinnen, die trotz Topausbildung zu Hause blieben: «Wahnsinnig intelligent, wahnsinnig fleissig, ambitioniert und auch schon fertig studiert.» Der Grund: Die Kita sei schlicht unbezahlbar. Brugger rechnet vor, dass die Kinderbetreuung bei zwei Kindern gut 3500 Euro im Monat kosten könne – bei einem gleich hohen Monatslohn. «Dann fragt man sich ja wirklich, ist das hier einfach nur eine einzige Beschäftigungstherapie, die sich gegenseitig so in den Arsch beisst», schimpft Brugger. Ihr klares Fazit: «Ich könnte nicht in einem Staat leben aktuell, der mich dazu zwingt, reich zu sein, um arbeiten zu dürfen.»
Gleichzeitig betont Brugger zwar: «Ich liebe die Schweiz. Ich bin so gerne dort.» Aber: Die Tochter einer Deutschen und eines Schweizers spürt, dass sie emotional immer stärker in Deutschland verankert ist. Das zeige sich an Kleinigkeiten – sie besitze ein Deutschlandtrikot, aber keines der Nati und denke im deutschen Notensystem. Entscheidend sei aber der Blick auf die gesellschaftlichen Sorgen: «Sobald man die Probleme einer Nation als seine eigenen Probleme sieht, dann ist man Teil davon.»
«Wir haben keine Emotionen, wir haben Geld»
Es ist nicht das erste Mal, dass Brugger mit treffsicheren oder spitzfindigen Aussagen über die Schweiz aufhorchen lässt. In der Vergangenheit pflegte sie eine Mischung aus liebevoller Provokation und harter Kritik an helvetischen Eigenheiten. Unvergessen ist ihr trockener Spruch aus ihren Anfängen: «Ich komme aus der Schweiz. Wir haben keine Emotionen, wir haben Geld.» Auch über die hiesige Comedykultur spottete sie einst flachsohlend: «Ich bin Schweizerin, ich hab mir das mit 20 erst angelesen, was Humor überhaupt ist. In der Schweiz ist Humor immer ein Fremdkörper.»
Auch die Schweizer Kollegialität bekam schon ihr Fett weg: Gemeinsam mit Ehemann Thomas Spitzer kritisierte sie vor einigen Monaten die heimatliche Comedyszene als zu komfortabel und mutlos. Wer in der Schweiz vor 200 Leuten spiele, könne gut davon leben. Um den Schritt nach Deutschland zu wagen, fehle vielen schlicht der Wagemut.
Eine Anfrage seitens Blick hat Bruggers Management bisher nicht beantwortet.