Darum gehts
- «111 – Echoes From Halifax» zeigt emotional die Folgen eines Flugzeugabsturzes
- 229 Menschen starben 1998 beim Absturz der Swissair MD-11 vor Kanada
- Filmstart am 1. Oktober 2026 in Schweizer Kinos
«111 – Echoes From Halifax»
Am 2. September 1998 ereignete sich vor der kanadischen Küste das bisher schlimmste Unglück der Schweizer Luftfahrtgeschichte. Eine MD-11 der Swissair stürzte auf ihrem Linienflug von New York nach Genf in den Atlantischen Ozean – 229 Menschen verloren ihr Leben. Regisseur Mauro Mueller (41) hat das Drama nicht bloss verfilmt, sondern rückt eine neue Perspektive in den Vordergrund, indem er Effekthascherei vermeidet und den Fokus auf die menschlichen Folgen der Katastrophe legt: Im Zentrum stehen bei «111» Hilfeleistung und Trauerbewältigung, wie Produzentin Anne Walser (49) bereits gegenüber Blick erklärte. Schön, dass man sich bei einem so gewaltigen Stück Schweizer Geschichte für diesen Ansatz entschieden hat. Gibts am Schluss sogar den Schweizer Oscar-Platz in der Kategorie «Bester internationaler Film»?
Ab dem 1. Oktober regulär im Kino.
«Wild Horse Nine»
Die Spatzen haben es schon von den Dächern Venedigs gepfiffen: Martin McDonaghs (56) bizarr-komisches 70er-Jahre-Drama steht neben Megaproduktionen wie «Odyssee» ganz oben auf der Liste der Oscar-Buchmacher. Das bewiesen nicht nur die fast 20-minütigen Standing Ovations für Hauptdarsteller John Malkovich (72), mit denen der Kultschauspieler beim Festival an der norditalienischen Lagune gefeiert wurde.
In «Wild Horse Nine» verfrachtet McDonagh zwei dusselige CIA-Agenten – glänzend besetzt mit Malkovich und Sam Rockwell (57) – kurz vor dem Pinochet-Putsch 1973 auf die abgelegene Osterinsel. Aus der Isolation erwächst ein absurd-tragisches XXL-Kammerspiel voller schwarzem Humor und Weltschmerz. «Das Leben ist traurig. Alles ist traurig», bringt es Malkovichs Figur auf den Punkt. Verstörend, berührend und genial.
Ab dem 12. November regulär im Kino.
«The Debut»
Schluss mit dem Dasein als brave Hausfrau: In Jesse Eisenbergs (42) neuer Tragikomödie «The Debut» wagt die schüchterne Mona (Oscar-Preisträgerin Julianne Moore, 65) den Ausbruch aus dem Alltagstrott und ergattert eine kleine Nebenrolle in einem Amateur-Musical. Doch die Proben für das Stück «Nosy Neighbors» werden rasch zur feurigen Bewährungsprobe – denn der geniale, aber knallharte Theaterregisseur Jerry (gewohnt brillant: Paul Giamatti, 59) nimmt die Anfängerin hart ins Visier. Angestachelt von der Kritik verfällt Mona vollends der Schauspielerei. Sie entwickelt für ihre unbedeutende Statistenrolle eine derart obsessive Leidenschaft, dass der häusliche Frieden zerbricht und das kleine Gemeindetheater blitzschnell zum Schauplatz purer Machtkämpfe wird.
Ab dem 21. Januar 2027 regulär im Kino.
«Long Shot – A Filipino Curling Tale»
Was macht ein ausgelaugter Sextoy-Unternehmer nach dem Firmenverkauf? Er gründet eine Curling-Nationalmannschaft für ein Land, das noch nie Eis gesehen hat. Als Alan Frei (44) mit drei Schweiz-Philippinern die exotische Truppe auf die Beine stellte, hielt man das Ganze für eine absurde Schnapsidee. Das kühne Ziel: der Einzug in die Olympischen Winterspiele. Zwei Jahre lang folgte Filmemacher Daniel Schifferli (36) den Eis-Pionieren quer über den Globus bis in die Trainingshallen Chinas. Und die Sensation gelang: Bei den Asian Winter Games 2025 schockte das Team die Konkurrenz und schürfte historisches Gold für Südostasien. Die Doku feiert am 30. September am Zurich Film Festival Weltpremiere.
Wann der Film regulär in die Kinos kommt, ist noch nicht bekannt.
«Vaterland»
Zwei Goethe-Preise, ein zerrissenes Land und jede Menge verdrängter Dreck: In Pawel Pawlikowskis (69) visuell berauschendem Schwarz-Weiss-Roadtrip «Vaterland» wagt Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (1875–1955), gespielt von Hanns Zischler (79), 1949 die Rückkehr ins zertrümmerte Deutschland. Der genialste Kniff des Films? Pawlikowskis pointierte Fiktionalisierung des historischen Stoffs – bei der Fahrt durch die alte, nicht mehr wiederzuerkennende Heimat sitzt nämlich nicht Ehefrau Katia Mann (1883–1980) an der Seite ihres Mannes, sondern Tochter Erika (1905–1969), die von Sandra Hüller (48) dargestellt wird. Erika Mann chauffiert ihren Vater durch Frankfurt und Weimar, managt seine Allüren und zieht ihm gnadenlos die Maske der Eitelkeit vom Gesicht. Während in den Ruinen schon wieder die Sektkorken ploppen, fliegen im Wageninneren die Fetzen. Hüller und Zischler liefern sich ein hochbrisantes, emotionales Wortgefecht über Heimat, Schuld und verbrannte Erde.
Ab dem 8. Oktober regulär im Kino.
Das Zurich Film Festival findet vom 24. September bis 4. Oktober 2026 rund um den Zürcher Sechseläutenplatz statt. Das ganze Programm sowie Tickets findest du hier.