Darum gehts
- Julianne Moore, 65, erhält am Zurich Film Festival den Golden Icon Award
- Sie bringt die Tragikomödie «The Debut» mit, inszeniert von Jesse Eisenberg
- Moore seit über 30 Jahren gefeiert: Oscar 2014, über 60 Filme
Das Zurich Film Festival (ZFF) holt 2026 mit Julianne Moore (65) echte Hollywood-Royalty in die Schweiz. Die Oscarpreisträgerin reist persönlich mit Regisseur Jesse Eisenberg (42) an, um den begehrten Golden Icon Award für ihr Lebenswerk entgegenzunehmen.
Im Gepäck hat das Duo die Tragikomödie «The Debut», in der Moore als schüchterne Hausfrau Mona Friedman brilliert, die als leidenschaftliche Musical-Darstellerin erbittert gegen einen herrschsüchtigen Regisseur um die künstlerische Integrität ihrer Traumrolle kämpft. «Julianne Moore ist eine der herausragenden Charakterdarstellerinnen des amerikanischen Kinos. Sie zeichnet sich durch eine enorme Wandelbarkeit aus», schwärmt ZFF-CEO Christian Jungen (53). «Im wunderbaren Film ‹The Debut› brilliert sie als eine Frau, die realisiert, dass es nie zu spät ist, ihren Traum zu verwirklichen. Es ist ihre Liebeserklärung an ihren eigenen Beruf – der perfekte Film, um ihr Danke zu sagen.»
Die Auszeichnung am ZFF unterstreicht einmal mehr, warum Moore seit über drei Jahrzehnten zu den wandlungsfähigsten Schauspielerinnen unserer Generation gehört. Sie hat eine seltene Gabe: die fast schwerelose Balance zwischen radikalem Independent-Kino und glanzvollem Hollywood. Blick erklärt, wie sie das geschafft hat.
Mut zur Absurdität
Moore hat keine Angst davor, sich lächerlich zu machen. Während eine Vielzahl von Hollywood-Stars streng auf ein perfektes Image achtet, schämt sich Moore nicht für ihre Lust am Schrägen und Exzentrischen. Unvergessen ist ihre Rolle als avantgardistische Künstlerin Maude Lebowski im Kultfilm «The Big Lebowski» (1998): Dort fliegt sie nackt an Seilen über eine Leinwand und lässt den verpeilten «Dude» (Jeff Bridges, 76) nach ihrer Pfeife tanzen. Moore hat Mut zur Absurdität – und hat sich nicht zuletzt darum einen Platz im popkulturellen Gedächtnis gesichert.
Schmerz ohne Kitsch
Moore liebt das echte, ungeschönte Drama – in ernsteren Rollen geht die Amerikanerin dorthin, wo es wehtut. Sie spielt keine klischeehaften Hollywood-Schicksale, sondern gebrochene Menschen mit allen ihren Fehlern. In Paul Thomas Andersons «Boogie Nights» (1997) überzeugte sie als drogensüchtige Porno-Darstellerin Amber Waves, die verzweifelt um ihren Sohn kämpft. Auch ihre Arbeiten mit Todd Haynes in Dramen wie «Safe», «Far from Heaven» oder «May December» zeigen: Moore macht seelischen Schmerz auf der Leinwand greifbar, ohne dass es zu sehr nach Kitsch aussieht.
Effekthascherei? Fehlanzeige!
Manche Schauspieler übertreiben, um aufzufallen. Moore kann auch das Gegenteil – leise, dafür umso präziser. Den Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere feierte sie im Drama «Still Alice» (2014), wo sie eine Linguistik-Professorin darstellt, die an Alzheimer erkrankt und langsam ihr Wissen verliert. Für diese makellose Leistung bekam sie völlig zu Recht den Hauptdarsteller-Oscar.
Ob verrückte Komödie, hartes Drama oder leises Kammerspiel: Julianne Moore liefert ab. Das Schweizer Publikum darf sich am ZFF auf eine echte Königin der Wandelbarkeit freuen.