Anne Walser verfilmt den Absturz von Swissair 111
«Wir wollen keine alten Wunden aufreissen»

Das Drama «111 – Echoes from Halifax» rund um den Swissair-Absturz von 1998 feiert am Zurich Film Festival seine Premiere. Produzentin Anne Walser erklärt, warum die Katastrophe um Swissair-Flug 111 nicht gezeigt wird – und wie Fiktion den Opfern mehr Würde verleiht.
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Am 2. September 1998 stürzte Swissair-Flug 111 vor der kanadischen Atlantikküste ab. Alle Insassen kamen ums Leben.
Foto: Hulda Jossen

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Film «111 – Echoes From Halifax» über Swissair-Absturz feiert Premiere in Zürich
  • Produktion zeigt menschliche Folgen, verzichtet bewusst auf Katastrophendarstellung
  • 229 Tote beim Absturz der Swissair-Maschine am 2. September 1998
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Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk

Am 2. September 1998 stürzt eine MD-11 der Swissair vor der Küste der kanadischen Stadt Halifax ab. 229 Menschen kommen ums Leben, das Unglück ist damals ein schwerer Schlag für das Vertrauen in die Schweizer Vorzeige-Airline.

28 Jahre später bekommt Flug SR 111 von New York nach Genf ein filmisches Denkmal. Nach «Grounding – die letzten Tage der Swissair» (2006) greift Hauptproduzentin Anne Walser (49) gemeinsam mit Regisseur Mauro Mueller (41) erneut eine Geschichte rund um die Nationalairline auf. Am diesjährigen Zurich Film Festival feiert «111 – Echoes From Halifax» seine grosse internationale Premiere. Die kanadisch-schweizerische Koproduktion verzichtet dabei auf Effekthascherei und fokussiert auf die menschlichen Folgen des Unglücks, wie Walser im Gespräch mit Blick betont.

Dass ihr 20 Jahre alter Kassenschlager «Grounding» thematisch eng mit ihrem neuesten Werk in Verbindung steht, ist der Zürcherin bewusst – aber: «Beide Filme beleuchten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und verknüpft mit ganz individuellen Schicksalen und persönlichen Tragödien ein ehemaliges Flaggschiff der Schweiz, das Nationalstolz schlechthin war», so Walser. Während «Grounding» den wirtschaftlichen Zusammenbruch behandelte, stünden bei «111» Hilfeleistung und Trauerbewältigung im Zentrum. Walsers Ansatz ist universell: «Ein guter Film will immer den Menschen ins Zentrum rücken und durchleuchten; und dies, indem man ihn ernst nimmt in seiner Fehlbarkeit, aber auch in seiner ganz eigenen Grösse.»

Der Film endet im Cockpit

Bei der Aufarbeitung der Tragödie von Halifax sei die ethische Haltung entscheidend gewesen. Der eigentliche Absturz werde im Film nicht gezeigt, man habe «keinen boulevardesken Katastrophenfilm» drehen wollen, unterstreicht die Produzentin: «Wir wollen keine alten Wunden aufreissen.» Aus Rücksicht auf die Betroffenen habe das Drehbuch vorwiegend erfundene Personen vorgesehen: «Die Entscheidung für fiktive Figuren erlaubt uns, kein reales Schicksal über ein anderes stellen zu müssen – denn jede dieser Geschichten trägt ihr eigenes Drama in sich und verdient Respekt. Gleichzeitig gibt uns die Fiktion die Freiheit, die emotionale Wahrheit und den Geist vieler Erfahrungen aufzunehmen, ohne reale Biografien vereinnahmen zu müssen.»

Eine Ausnahme ist der verunglückte Pilot Urs Zimmermann (†49), gespielt von Anatole Taubman (55), dessen Schwiegersohn Björn Hering (48) als Koproduzent wirkt. Zimmermann ist die Schlusssequenz gewidmet. «Es ist keine Nacherzählung seines Lebens, sondern eine kleine Hommage. Der Film endet mit ihm dort, wo er sich zu Hause fühlte: im Cockpit. Darin liegt auch etwas Universelles: der Wunsch, dem zu folgen, was man wirklich liebt – und darin ganz aufzugehen», so die Produzentin.

«111» basiert auf zahlreichen Gesprächen

Die kanadisch-schweizerische Koproduktion basierte schliesslich auf Gesprächen mit Angehörigen, Seelsorgern und Anwohnern in der Provinz Nova Scotia. Walser habe berührt, «wie sich alles, was wir über unser Leben zu wissen glaubten, augenblicklich und unerwartet ändern kann, wie uns Trauer eine gemeinsame Sprache lehrt und wie der Tod unsere Perspektive auf das Leben und das, was wichtig ist, verändert.»

«111 – Echoes From Halifax» feiert am Zurich Film Festival 2026 als Gala-Vorstellung seine internationale Premiere. Regulärer Kinostart ist am 1. Oktober. Blick ist Medienpartner des Festivals. 

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