«Es war Überleben, nicht Leben»
SRF-Show zeigt dramatisches Schicksal einer Schweizer Auswanderin

Zum Auftakt der Fussball-WM zeigt SRF, wie Schweizerinnen und Schweizer in Mexiko-Stadt leben: Eine von ihnen ist Michelle Löliger.
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Der Traum vom Auswandern hat sich für Michelle Löliger nicht bewährt.
Foto: SRF

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Michelle Löliger kehrt 2026 nach einem schwierigen Jahr in Mexiko-Stadt zurück
  • Sie erlitt eine Sepsis, überlebte knapp und wurde vom Sozialamt unterstützt
  • Tochter Sophia will Tierärztin werden, Löliger plant ein eigenes Fitnessstudio
Miriam Zolliger
Tele

Bald gehts los, am 11. Juni ist Anpfiff zur Fussball-WM in Mexiko-Stadt. Vorgängig war SRF aber schon vor Ort und hat in «Abenteuer Mexiko» Schweizer/-innen porträtiert, die in der Metropole eine zweite Heimat gefunden haben.

Als Einzige von ihnen hat Michelle Löliger Wurzeln in Mexiko: Ihr Vater ist Schweizer, die Mutter Mexikanerin. Sie wird in Basel geboren, doch als sie fünf ist, kehrt die Familie in die Heimat der Mutter zurück.

«Ich war eine kleine Katastrophe»

19 Jahre später, das wird im SRF-Vierteiler nicht erzählt, schicken die Eltern ihre Tochter in die Schweiz. Denn: «Ich war eine kleine Katastrophe, Party und, und, und», erzählt Michelle Löliger lachend. «Sie dachten, die Schweiz wäre besser für mich. Und sie hatten recht.»

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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In Basel lernt sie den Vater ihres Kindes kennen, zieht nach der Trennung mit Tochter Sophia nach Zürich und verdient ihr Geld als Fitnesstrainerin, bevor sie 2025 beschliesst, nach Mexiko-Stadt zu ziehen. Grund: Sophia (14) soll mehr von den Grosseltern haben, «obwohl das Verhältnis zu ihnen nie einfach war».

Gesagt, getan. Aber das Leben in Mexiko-Stadt ist gewöhnungsbedürftig: Die 20-Millionen-Stadt ist kein sicheres Pflaster, frei bewegen kann Sophia sich nicht. «Es ist zu gefährlich.» Drogen, Mafia und so einiges mehr, sagt Löliger.

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Umfeld legt viel Wert auf Status

Trotzdem sieht es ganz gut aus am Anfang. Sie hat einen Job, bringt trotz schlechter Bezahlung die monatlichen 700 Franken für die Schweizer Schule auf, arbeitet und überlegt, wie sie das ausbauen kann. Obwohl ihr nicht passt, dass ihr Umfeld so viel Wert auf Status legt. «Marken, das richtige Auto und solche Sachen.»

Zudem herrscht in der Branche Eifersucht, «es gibt oft Streit, vieles ist illegal, Fitnesscenter werden darum häufig geschlossen». Ihres auch. Mit Folgen: Sie kann sich die Wohnung nicht mehr leisten, muss zu den Eltern ziehen, wegen der beengten Verhältnisse ihren Hund fremdplatzieren. Die Frage, wie es Coco geht, sorgt für Tränen. «Sie wegzugeben, war das Allerschlimmste!»

Info

Abenteuer Mexiko (1/4)

Schweizer Alltag in der Mega-City

Freitag, 22. Mai, 21.00 Uhr, SRF 1

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Freitag, 22. Mai, 21.00 Uhr, SRF 1

«Ich hatte eine Sepsis»

«Es war Überleben, nicht Leben», fasst sie das Jahr zusammen. «War?» Ja, denn am Ende der Serie sagt sie, obwohl sie es trotz allem schön gehabt habe, sei es nun Zeit, in die Schweiz zurückzukehren.

Was ist seither geschehen? Die Schweizer Botschaft hilft ihr, die Reise zu organisieren, doch einen Monat vor dem Rückflug wird Löliger schwer krank. «Ich hatte eine Sepsis.» Die Chance, dass sie den schweren Eingriff im Bauchraum überlebt, liegt bei 50 Prozent.

«Ich war geschockt – was wäre mit Sophia?» Doch Sportlerin Löliger ist stark. «Die Ärzte meinten, ich nehme Drogen, weil ich schon am Tag nach der OP aufstehen wollte», erzählt sie lachend. Dabei brauche sie halt einfach Bewegung.

«Will alles, nur nicht vom Sozialamt leben»

14 Tage später sind Sophia und sie in der Schweiz, werden vom Sozialamt unterstützt, leben in einer Notwohnung. «Ich bin dankbar, dass wir hier sind. Wenn man wirklich Hilfe braucht, auch seelisch, erhält man sie und landet nicht auf der Strasse wie in Mexiko.»

Ein Albtraum sei das gewesen und einfach zu viel für sie zwei, meint Löliger, als sie erzählt, dass sie beide in Therapie seien. Aber es gehe ihr endlich besser, und sie sei auf Arbeitssuche. «Einen Job zu finden, ist das Wichtigste für mich», betont sie, «denn ich will alles, nur nicht vom Sozialamt leben.»

Und Sophia? Sie geht noch zur Schule, möchte später Tierärztin oder -pflegerin werden, da sie gern anderen hilft. Ihre Mutter träumt vom eigenen Fitnessstudio: «Den Namen habe ich schon», verrät sie.

Eines verzeiht sie ihren Eltern nicht

Ferien in der anderen Heimat wollen sie machen, wenn alles wieder im Lot ist. «Ich liebe mein Mexiko», schwärmt sie, «es ist sehr schön. Wäre ich Millionärin, könnte ich mir ein Leben dort gut vorstellen.» Aber nicht in Mexiko-Stadt, sondern irgendwo am Meer.

Aktuell hat sie keinen Kontakt zur Familie in Mexiko. Sie verzeiht den Eltern nicht, dass sie Coco weggeben musste. «Und mein Bruder, der ein Heim für Strassenhunde hat, hat uns nicht geholfen, sie zu platzieren.» Zum Glück habe der Husky aber ein gutes neues Daheim.

Als Doppelbürgerin werde sie immer hin- und hergerissen sein. «Doch Heimat ist für mich jetzt mehr die Schweiz», sagt sie am Ende, «hier hat meine Tochter eine sichere Zukunft.» Und darum möchte Michelle Löliger nun endlich Schweizerdeutsch lernen.

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