Das VBS schien die Zeitenwende erkannt zu haben: Drohnen revolutionieren die Kriegsführung, die Schweiz ist hier technologisch führend. Eine millionenschwere Taskforce formulierte das Ziel, bis 2027 Kriegsdrohnen zu produzieren – auch für den Export. Dann glückte sogar die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes. Denn VBS und Industrie sind sich einig: Die Produktion rentiert sich nur bei grossen Absatzmärkten.
Doch Bern machte die Rechnung erneut an der Realität vorbei. Statt mit der Ukraine zu kooperieren, besteht man auf dem Alleingang. Begründung: Die Neutralität verbietet militärische Hilfe, aber keine künftigen Waffenexporte – ausser in die Ukraine, versteht sich. Im VBS freute man sich daher wohl über eine von der Taskforce in Auftrag und mitfinanzierte Studie, die der Schweiz just diese Woche Konkurrenzfähigkeit bescheinigte.
Entsprechend bitter dürfte der Realitätscheck am dieswöchigen Nato-Gipfel in Ankara gewesen sein: Während Nato- und Nahost-Staaten eifrig ukrainische Drohnen-Abkommen schliessen, hat niemand Schweizer Drohnen auf dem Schirm.
Nach F-35 und Patriot droht das nächste Debakel. Tausende Nato-Soldaten werden von ukrainischen Piloten ausgebildet. Unterstützerstaaten der Ukraine werden bei Deals bevorzugt. Die Schweiz steht bei all dem wieder im Abseits. Korrigieren könnte sie diese Entwicklung nur auf einem Weg: Sie sollte das Einigeln endlich aufgeben. Und auf Kooperation statt Konkurrenz mit dem Drohnen-Land Ukraine setzen. Andernfalls riskiert sie, auch auf diesem Feld bis auf weiteres verteidigungslos zu bleiben.