Krankenkassen-Prämien
Gesundheitskosten – Prinzip Hoffnung oder brauchts Zwang?

Ende September werden wieder die Krankenkassenprämien für nächstes Jahr bekannt gegeben. Der Bund will neu auf Kostenziele setzen – aber ohne automatische Folgen, wenn sie verfehlt werden. Ich fürchte, Hoffnung allein wird die Gesundheitskosten nicht bremsen.
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Das schadet dem Wettbewerb, sagt Preisüberwacher Meierhans.
Foto: Keystone
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

Dass die Prämien steigen werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Offen ist nur, wie stark das Wachstum dieses Mal ausfällt. Wie jedes Jahr werden wir anschliessend darüber diskutieren, weshalb unser Gesundheitswesen immer teurer wird und was man dagegen tun kann.

Neu ist immerhin: Der Bund plant erstmals konkrete Ziele für das Kostenwachstum einzuführen. Einen entsprechenden Vorschlag hat das Innendepartement in eine erste Konsultation geschickt Für 2028 und 2029 sollen die Kosten der Grundversicherung um höchstens 3 Prozent pro Jahr steigen, für 2030 und 2031 noch um 2,9 Prozent. Nachdem wir letztes Jahr knapp 6 Prozent im Durchschnitt verkraften mussten, klingt das auf den ersten Blick recht vernünftig. Aber: In den vergangenen zehn Jahren sind die Kosten durchschnittlich um rund 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Ein ambitioniertes Ziel ist das also nicht.

Bemerkenswert ist, dass der Bund in seinen Berechnungen davon ausgeht, dass 17 Prozent der heutigen Kosten eingespart werden könnten, weil Behandlungen zu teuer oder unnötig sind. Das ist ein enormes, bislang ungenutztes Potenzial. Und lange suchen muss man nicht, um zu sehen, wo genau es sich versteckt.

Nehmen wir zum Beispiel die Spitäler: Hierzulande wird immer noch sehr viel stationär behandelt, obwohl zahlreiche Eingriffe ambulant günstiger und für die Patientinnen und Patienten häufig sogar angenehmer wären. Verwunderlich ist es nicht, denn wir leisten uns in unserem kleinen Land rund 250 Spitäler, deren Betten gefüllt werden müssen, weil sie sonst nicht rentieren. Gemäss Expertenschätzungen würden für unser Land 50 Spitäler reichen.

Ein anderes Beispiel sind die Medikamente. Seit Jahr und Tag zeigt unser Auslandspreisvergleich für Generika-Medikamente, dass wir im internationalen Vergleich oft ein Mehrfaches der Preise anderer Länder zahlen. Rezepte, wie man das ändern könnte, sind bekannt. Statt diese konsequent umzusetzen, erobern jedoch vertrauliche Preismodelle, die jede Vergleichbarkeit verunmöglichen, das Feld.

Ähnlich sieht es bei den Labortarifen aus: Hier liegen die Tarife rund doppelt so hoch wie bei unseren europäischen Nachbarn.

Auch bei den medizinischen Mitteln und Gegenständen gibt es Luft im System. Immerhin hat der Bundesrat nun vorgeschlagen, dass bestimmte medizinische Mittel und Gegenstände künftig auch dann von der Grundversicherung vergütet werden sollen, wenn die Versicherten sie selbst im Europäischen Wirtschaftsraum günstiger einkaufen.

Die Liste der Sparmöglichkeiten, ohne dass unsere Gesundheit leiden müsste, ist also lang. Dass wir diese Sparpotenziale bisher nur zögerlich nutzen, hat nicht zuletzt auch mit der Stärke der Branche zu tun.

Die Einführung von Kostenzielen ist grundsätzlich eine gute Idee. Ursprünglich wollte der Bundesrat, dass Bund und Kantone im Verfehlungsfall Gegenmassnahmen prüfen müssen. Das Parlament hat diesen Automatismus gestrichen. Nun setzt man darauf, dass eine Zielüberschreitung genügend politischen Druck erzeugt.

Ich denke, Kostenziele im Gesundheitswesen können funktionieren, wenn sie genügend ambitioniert sind bzw. sich an der allgemeinen Lohn- und Wirtschaftsentwicklung orientieren. Ausserdem braucht es den Willen, sie zu erreichen. Ob Freiwilligkeit der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Die bisherigen Erfahrungen damit stimmen mich allerdings nicht gerade optimistisch.

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