Kolumne von Stefan Meierhans
85 Millionen Franken weniger bei den Labortarifen

Seit Jahren setze ich mich für zeitgemässe Labortarife ein. 85 Millionen Einsparungen wird es ab Juli jährlich geben. Das ist gut, aber bei weitem nicht genug. Ich dränge weiter auf die längst überfällige Gesamtrevision aller Tarifpositionen.
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Es braucht eine Gesamtrevision der Laboranalysetarife, sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Laborkosten bis zu 4,5-mal höher als europäischer Durchschnitt
  • Ab Juli 2026 entfallen Labor-Kickbacks, um unnötige Analysen zu reduzieren
  • Grundversicherung spart jährlich 85 Mio. CHF durch Tarifkürzungen und Anpassungen
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

Die Wege zu mehr Kosteneffizienz im Gesundheitswesen sind lang und voller Hürden. Die letzte Gesamtrevision der Laboranalysetarife fand 2009 statt. Seither sind 17 Jahre vergangen, in denen die Automatisierung und die technologische Entwicklung grosse Fortschritte gemacht haben. Die im Jahr 2017 gestartete Gesamtrevision transAL ist immer noch nicht abgeschlossen. Obwohl einige kleinere Änderungen an der Liste vorgenommen wurden, ist das Hauptziel einer Neutarifierung der rund 1300 Positionen der Analysenliste noch nicht erreicht.

Um der Realität dennoch etwas besser Rechnung zu tragen, wurden nun minimale Massnahmen zur Entlastung der Prämienzahler beschlossen. Als Ergebnis des von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider durchgeführten «Runden Tisches» zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen werden ab diesem Juli insbesondere die sogenannten Labor-Kickbacks abgeschafft. Das sind Prämien in Höhe von 10 Franken, die viele Labors pro Auftrag an die Ärzteschaft «vergüteten». Das führt zu keinen Einsparungen, sondern bedeutet vorderhand, dass mehr Geld bei den Labors bleibt. Der Vorteil ist jedoch, dass es sich für die Ärzteschaft nun finanziell nicht mehr lohnt, möglichst viele – teils unnötige – Analysen zu veranlassen. Damit die Labore von diesem Wegfall nicht vollumfänglich profitieren, kürzen die Krankenversicherungen im Gegenzug die Auftragspauschalen an die Labors um 5 Franken pro Auftrag. Zusätzlich werden die Tarife der zehn umsatzstärksten Analysepositionen leicht gesenkt.

Finanziell führen diese Massnahmen dazu, dass die Grundversicherung jährlich um rund 85 Millionen Franken entlastet wird. Das entspricht rund 7 Prozent der von Spital- und Privatlaboratorien verrechneten Laborkosten. Unser letzter Auslandspreisvergleich von 2022 zeigte jedoch, dass die Schweizer Tarife für Laboranalysen in Arztpraxen im internationalen Vergleich durchschnittlich 4,5-mal und in Spital- und Privatlabors durchschnittlich 2,3-mal höher als im europäischen Umfeld liegen.

Die beschlossenen Massnahmen gehen klar in die richtige Richtung, sind aber nur ein kleiner Schritt im Rahmen der laufenden Gesamtrevision der Labortarife.

Für ein gut ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis ist es nach so vielen Jahren nötig, den Tarif jeder einzelnen Analyse neu zu berechnen. Die Basis der Berechnung müssen die Gestehungskosten bei guter Qualität und effizienter Erbringung sein – und auch die Auslandspreise sollten bei der Kalkulation mit einbezogen werden.

Ich gehe davon aus, dass sich die Laboratorien der Bedeutung dieser Revision bewusst sind und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung durch eine möglichst umfassende Teilnahme an der Datenerhebung zum Ausdruck bringen.

Die längst überfällige Gesamtrevision der Labortarife sollte nun zeitnah abgeschlossen werden. Denn 2009 war beispielsweise ein Smartphone noch eine technische Neuheit. Heute hingegen können hochautomatisierte Laborgeräte Blutproben innert Minuten auswerten, künstliche Intelligenz unterstützt die Krebsdiagnostik und moderne Labors arbeiten schneller, präziser und weitgehend automatisiert. Der alte und teure, noch auf viel Handarbeit basierende Labortarif hat bis zum heutigen Zeitpunkt ohne Veränderung überdauert. Das muss sich dringend ändern.

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