Kolumne von Stefan Meierhans
Mehr Wettbewerb kann aufgeblähte Preise schrumpfen

Kompressionsstrumpf im Ausland kaufen? Kostet oft weniger. Ich kämpfe seit Jahren für mehr Wettbewerb bei Medizinprodukten – nun hilft auch endlich der Bundesrat mit. Nur Druck schafft Wandel!
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Medizinprodukte sind im Ausland oft günstiger, werden aber von den Krankenkassen nicht vergütet.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bundesrat plant Kostendeckung bei medizinischen Käufen im europäischen Wirtschaftsraum
  • Produkte wie Blutzuckerteststreifen machen 50 Prozent der Kosten aus
  • Gesamtausgaben von über 700 Millionen Franken könnten so gesenkt werden
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

Unsere Gesundheitsversorgung hat ein hohes Niveau und einen hohen Preis. Das wollen wir uns leisten, aber zunehmend fällt uns das «Können» schwer. Was wir deshalb gar nicht brauchen können, ist, unnötig hohe Preise zu zahlen. Aber genau das müssen wir oft, weil wir eben zu wenig Wahlmöglichkeiten haben. Ein Beispiel sind die medizinischen Mittel und Gegenstände. Damit sind Dinge wie Verbandsmaterial, Gehhilfen, Inkontinenzeinlagen, Kompressionsstrümpfe oder Blutzuckerteststreifen gemeint, die von der Grundversicherung vergütet werden, wenn wir sie in der Schweiz kaufen.

Im benachbarten Ausland sind die identischen Produkte oft einiges günstiger zu haben. Das wissen mittlerweile viele Menschen, weil sie beispielsweise wegen der hohen Prämien eine hohe Franchise gewählt haben und/oder weil sie chronisch krank sind und sich mit den In- und Auslandspreisen für «ihre» Produkte auskennen. Vor allem Letztere melden sich immer wieder bei mir und beklagen, dass ihre Versicherung die im Ausland günstigeren Produkte nicht rückerstattet und sie so höhere Kosten verursachen müssen, obwohl sie das nicht möchten. Da Auslandskäufe nicht rückvergütet werden, werden sie natürlich auch nicht auf die Franchise angerechnet. Mit anderen Worten: Man tut sich einfach keinen Gefallen, wenn man hier sparen hilft.

Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass das geändert wird. Denn schliesslich können auch Schweizer Händler, Apotheken und Lieferanten ihre Produkte (günstig) im Ausland beschaffen. Wenn wir Patientinnen und Patienten dieselbe Möglichkeit hätten, diese Produkte im Ausland einzukaufen, und sie trotzdem vergütet bekämen, könnte dieser zusätzliche Wettbewerbsdruck helfen, die unnötige Luft aus den Schweizer Preisen rauszulassen.

Der Bundesrat sieht nun ebenfalls das Potenzial und schlägt vor, dass die Grundversicherung künftig die Kosten von bestimmten medizinischen Mitteln und Gegenständen übernehmen soll, wenn die Versicherten sie im europäischen Wirtschaftsraum privat einkaufen, ärztliche Verordnung vorausgesetzt. Die vorgeschlagenen Produkte machen rund 50 Prozent der Kosten in diesem Bereich aus. Bei über 700 Millionen Franken Gesamtausgaben ist das durchaus nennenswert.

Das Ziel ist sicher nicht, den Einkaufstourismus im grossen Stil zu fördern – sondern vielmehr fairere Preise in der Schweiz. Der Druck der tieferen Auslandspreise wird nämlich – so meine Erwartung – auch bei uns wirken und hierzulande die Preise dämpfen. Langfristig würde das zu tieferen Kosten führen – für die betroffenen Patientinnen und Patienten, die Krankenversicherer und letztlich natürlich für alle Prämienzahlerinnen und -zahler. In meinen Augen ist das sehr wichtig, denn wir wollen unser Geld in unsere Gesundheit stecken und nicht überproportional Unternehmenskassen füllen.

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