Darum gehts
- Die Preisüberwachung in der Schweiz feiert 40-jähriges Bestehen 2026
- Marktmacht verschiebt sich: Monopole weichen datengetriebenen Modellen und Plattformen
- Einvernehmliche Regelungen bieten schnelle Lösungen, oft sofort umsetzbar
1986 war die Schweiz eine andere: Preisbeschwerden wurden per Brief, per Telefon oder persönlich überbracht. Einmal landete sogar ein Corpus Delicti – ein Stück Fleisch – auf unserem Empfangstresen. Heute haben wir keinen Empfangstresen mehr, und nahezu alle Beschwerden kommen per Webformular oder E-Mail ins Haus. Vieles hat sich verändert, doch gleich geblieben ist: Wenn Menschen das Gefühl haben, hohen Preisen ausgeliefert zu sein, dann melden sie sich bei uns.
Heute haben wir mehr Themen auf dem Tisch als früher. Denn Marktmacht ist nicht verschwunden – ganz im Gegenteil: Sie nimmt zu und ändert obendrein ihre Form. Früher ging es vor allem um die klassischen Monopole – wie beispielsweise die Energie- oder Wasserversorgung. Sie beschäftigen uns weiterhin, doch heute kommen datengetriebene Geschäftsmodelle und digitale Plattformen hinzu. Diese werden mit ihrer eigenen Grösse oft immer mächtiger. Fehlen echte Alternativen, steigt das Risiko, dass Preise, Gebühren oder Provisionen nicht mehr ausreichend durch wirksamen Wettbewerb gebremst werden. Dann prüft die Preisüberwachung, ob marktmächtige Anbieter ihre Stellung preislich missbrauchen.
Das funktioniert erstaunlich gut mit einem 40-jährigen Gesetz, nicht zuletzt dank eines darin enthaltenen Instruments, das wie gemacht ist für diese schnelllebige Zeit. Es nennt sich – etwas sperrig – einvernehmliche Regelung. Solche relativ formlosen und pragmatischen Verträge, werden so ausgehandelt, dass die Kundinnen und Kunden im Ergebnis keiner missbräuchlichen Preisbelastung ausgesetzt sind. Diese Methode ist dem oft Jahre dauernden Rechtsweg insofern überlegen, als sie schnell – in manchen Fällen sogar per sofort – in Kraft treten kann und man nicht Gefahr läuft, dass gerichtliche Verfahren erst dann abgeschlossen werden, wenn sich die Situation schon längst wieder verändert hat.
Auch für die Konsumentinnen und Konsumenten ist die Konsumwelt heute viel komplexer: Dynamische Preise, versteckte Zuschläge, Plattformgebühren oder auch Rabattmodelle erschweren es, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu erkennen. Früher lernte man vieles über Preise ganz nebenbei: im Laden, im Fernsehen oder am Küchentisch. Heute bewegen sich junge Menschen in einer digitalen Welt aus Algorithmen, Plattformen und personalisierten Angeboten. Wer sich nicht aktiv für Preiswissen interessiert, bekommt es vom Algorithmus meist auch nicht serviert. Doch es ist wichtig, dass auch junge Menschen das nötige Wissen haben, um erfolgreich zu suchen, zu vergleichen und zu hinterfragen. Dazu werden wir im Jubiläumsjahr einen Beitrag leisten. Mehr dazu später – bleiben Sie dran!