Darum gehts
- Kostenfolgemodelle sollen Medikamentenkosten senken und Prämienzahlende entlasten
- Weniger als 100 Medikamente verursachen ein Drittel der Kosten
- Geschätzte Einsparungen: 350 Millionen Franken jährlich, knapp 1 % der Prämien
Wer Familien-Packungsgrössen kauft, bezahlt in aller Regel weniger. Mengenrabatte sind kein Samaritertum, sondern Ausdruck einer einfachen wirtschaftlichen Realität: Je mehr verkauft wird, desto besser rechnet sich das Geschäft – und davon sollen nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Kundschaft profitieren.
Derzeit wird über die Einführung sogenannter Kostenfolgemodelle diskutiert. Das sind vereinfacht gesagt Mengenrabatte für besonders erfolgreiche Medikamente. Dahinter steckt eine einfache Idee: Wenn ein Medikament Jahr für Jahr riesige Umsätze erzielt, soll ein kleiner Teil dieses Erfolgs an die Prämienzahlenden zurückfliessen. Schliesslich sind sie es, die diese Umsätze überhaupt ermöglichen.
Umso erstaunlicher ist die Aufregung um die geplanten Mengenrabatte bei Medikamenten. Dabei sind sie sehr wichtig, denn die Medikamentenkosten gehören zu den wichtigsten Gründen für steigende Krankenkassenprämien.
Weniger als 100 Präparate – das sind weniger als 3 Prozent aller von der Grundversicherung vergüteten Medikamente – verursachen rund ein Drittel der gesamten Medikamentenkosten. Wir reden von rund 3 Milliarden Franken – das ist eine 3 mit 9 Nullen oder 3000 Millionen (!).
Nur für diese Verkaufsschlager soll es künftig Mengenrabatte geben. Das ist vernünftig. Denn warum sollen einzig die Hersteller vom Erfolg profitieren und wir, die ihn ermöglichen, nicht daran beteiligt sein? Die Medikamentenkosten, die die Grundversicherung vergütet, sind in den vergangenen zehn Jahren um über 50 Prozent gestiegen. Wir haben es schmerzhaft bei den Prämienanstiegen gespürt.
Gegen die «lindernden» Mengenrabatte läuft die Pharmabranche gerade Sturm. Sie warnt vor Risiken für die Versorgung und den Standort Schweiz. Neu kommt noch ein weiteres Argument dazu: Tiefere Preise in der Schweiz könnten über internationale Preisvergleiche auch Auswirkungen auf andere Länder haben, insbesondere auf die USA.
Damit wird die Diskussion plötzlich ziemlich grundsätzlich: Sollen wir wirklich darauf verzichten, unsere Prämienzahlenden zu entlasten, damit mögliche Gewinneinbussen in den USA vermieden werden? Was haben wir da verpasst? Seit wann gibt es eine Solidarhaftung der Schweiz für die Gewinnziele internationaler Pharmakonzerne?
Die Pharmaindustrie verdient mit uns sehr gutes Geld, und nur die beschriebene kleine Gruppe besonders umsatzstarker Medikamente soll künftig von den Mengenrabatten erfasst werden.
Hier wird nicht verlangt, dass die Pharma auf Gewinne verzichten soll. Es geht lediglich darum, dass bei den grössten Verkaufsschlagern ein kleiner Teil des Erfolgs an die Versicherten zurückfliesst.
Die geschätzte Entlastung beträgt rund 350 Millionen Franken pro Jahr. Das entspricht knapp einem Prämienprozent, das wir nicht zahlen müssten. Können und wollen wir darauf verzichten?