Tourist im eigenen Land
So ist der Gotthard Panorama Express für Schweizer

Aus der ganzen Welt reisen Menschen in die Schweiz, um die hiesige Natur mit ihren Bergen und Seen zu bestaunen. Auf der Reise von Lugano nach Luzern finden sich denn auch fast nur Touristen. Blick war dabei und beschreibt das Erlebnis aus Sicht eines Schweizers.
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Im Bahnhof von Lugano startet die Reise mit dem Gotthard Panorama Express.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gotthard Panorama Express lockt Touristen, Einheimische bleiben eher fern
  • SBB bot 2026 an Feiertagen 130'000 zusätzliche Sitzplätze wegen hoher Nachfrage
  • Gotthard-Tour mit Zug und Dampfer dauert rund sechs Stunden bis Luzern
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Alexander HornsteinSEO-Redaktor

Sonne, Pizza, Italienisch: Das Tessin weckt seit jeher Feriengefühle und lockt vor allem im Sommerhalbjahr Scharen an Deutschschweizern in den südlichen Teil des Landes. Gerade an Feiertagen wie Auffahrt und Pfingsten reicht die Kapazität der ohnehin schon im Halbstundentakt fahrenden Züge nicht aus, weshalb die SBB dieses Jahr rund 130'000 zusätzliche Plätze bot.

Vor allem bei Touristen steht die Fahrt weit oben auf der To-do-Liste. Einheimische dagegen steigen selten ein. Zu sehr gilt der Zug als touristische Attraktion. Doch wie fühlt es sich an, Tourist im eigenen Land zu sein? Blick machte den Selbstversuch und reiste mit dem Gotthard Panorama Express zurück in die Deutschschweiz.

«Hello, do you have a reservation?»

Die Reise startet auf Gleis vier in Lugano. Einige Minuten vor der pünktlichen Abfahrt um 9.18 Uhr erscheint ein Kondukteur und fragt freundlich nach der Reservierung – auf Englisch. Schnell wird klar: Das Angebot richtet sich in erster Linie an Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland. Schweizer sind hier Mangelware, was sich auch an den verschiedensten Sprachen zeigt, die man im Inneren der Kabine hört.

Die vorbeiziehenden Gebäude, Bauwerke und die Landschaften sind dann hingegen durch und durch schweizerisch. Auf die imposanten Burgen von Bellinzona folgt schnell eine wahre Meisterleistung der damaligen Ingenieure. Davon merkt man nichts, wäre da nicht die findige Reisebegleiterin.

Foto: Blick Visuals

Mithilfe eines Sackmessers, das sie an einer Schnur an der Decke der Kabine befestigt und einmal in Bewegung versetzt, werden die spiralförmigen Tunnel der Biaschina-Schlucht sichtbar. Je weiter der Zug darin vorankommt, desto kreisförmiger wird die Schwingung des befestigten Objekts. Den Touristen gefällt beides: sowohl der physikalische Effekt als auch das Schweizer Kultmesser selbst.

Beim «Chileli vo Wasse» werden Kameras wie Revolver gezückt

Nach einer kurzen Fahrt im Freien folgt der alte Gotthardtunnel, dessen Durchfahrt mit Projektionen an den Wänden zu einer kinoähnlichen Vorstellung verkommt. Dazu gibts über die Lautsprecher spannende Hintergrundgeschichten – etwa zur Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 oder zum Ingenieur Louis Favre, der nach einem Herzinfarkt im Berg die Fertigstellung nie erlebte.

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Der letzte, und gemessen an den in den Foto-Wagon mit heruntergelassenen Fenstern stürmenden Gästen, absolute Höhepunkt ist die berühmte Kirche von Wassen. Gleich dreimal taucht die barocke Kirche vor den Linsen der zahlreichen Kameras auf, die das Bauwerk aus jedem Winkel ablichten.

Nicht alle erfreuen sich am florierenden Tourismus

Mit der Ankunft in Flüelen UR endet der erste Teil des Gotthard Panorama Express. Die anschliessende Fahrt über den Vierwaldstättersee ist aber mindestens genauso schön. Davon zeugen auch die rund 150 wartenden Passagiere am Steg, die geduldig auf die Ankunft des Dampfschiffs Uri warten. Eine Rentnerin aus der Region hat mit den Touristenmassen aber ihre Mühe. «An solchen Wochenenden musst du nicht versuchen, mit dem Velo von Flüelen nach Altdorf zu fahren. Da rammt dich nur einer mit seinem Wohnwagen.»

Dann doch lieber aufs Schiff. Schliesslich bietet die knapp dreistündige Fahrt atemberaubende Panoramen der umliegenden Berge, der historischen Rütliwiese oder der geschichtsträchtigen Tellskapelle. Kurz vor 15 Uhr läuft der Dampfer am Steg direkt vor dem KKL in Luzern ein.

Im Gewusel Hunderter anderer Gäste bahnt man sich seinen Weg vom Schiff weg. Das herzliche «uf Wiederluege» des Matrosen zeigt exemplarisch, wo der grösste Unterschied zu den letzten Stunden liegt: Wir sind zurück in einer Schweizer Stadt, wo man als Schweizer kein Exot ist.

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