Blick-Leser erlebt Rückreise-Horror in überfülltem Zug
«Leute haben sich gequetscht, geschubst und angeschrien»

Ein Blick-Leser fuhr nach seinen Tessin-Ferien mit dem Zug nach Hause. Doch die Waggons waren restlos überfüllt. Selbst mit Sitzplatzreservierung reichte es nur noch für einen Bodenplatz.
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Ein Blick-Leser war am Sonntagmittag geschockt über den überfüllten Zug von Bellinzona nach Arth-Goldau.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Chaos im SBB-Zug von Bellinzona nach Arth-Goldau am 17. Mai 2026
  • Über 100 Prozent ausgelastet: Passagiere mit Tickets mussten aussteigen
  • SBB setzte 58 Extrazüge und 130'000 zusätzliche Sitzplätze an Auffahrtswochenende ein
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Zahlreiche Passagiere sitzen eng aneinander gequetscht zwischen Koffern und Reisetaschen auf dem Boden. Dazwischen transportiert ein Fahrgast Stühle. Überall wird nach ein bisschen Platz gesucht. Blick-Leser Carlo L.* (18) machte sich am Sonntagmittag mit dem Zug auf die Rückreise aus seinen Tessin-Ferien. Das Auffahrtswochenende sollte mit einer nervenzerreissenden Chaosfahrt enden.

L. wollte mit dem Zug um 14.17 Uhr von Bellinzona aus in Richtung Arth-Goldau fahren. Doch der IC 21 680 war bereits überfüllt. Wegen des erhöhten Passagieraufkommens begann die Fahrt mit 15 Minuten Verspätung. «Leute haben sich gequetscht, geschubst und zum Teil auch angeschrien beim Einsteigen», sagt Carlo L. zu Blick. Das Zugpersonal sei mit der schieren Masse an Fahrgästen überfordert gewesen. «Alle Passagiere waren extrem gestresst und genervt von der Situation», meint der Blick-Leser. 

«Der Zug war zu über 100 Prozent ausgelastet»

Mit seiner Partnerin (19) hatte L. über das Auffahrtswochenende ein paar schöne Tage in ihrem Ferienhaus im Tessin verbracht. Dass es im Zug voll werde, das sei L. bereits aus der Vergangenheit gewöhnt. Deshalb hatte das Paar Sitzplätze reserviert. Doch damit kamen sie nicht weit.

«Reisende mit einer Sitzplatzreservierung mussten auf dem Fussboden des Zuges sitzen, weil dieser hoffnungslos überfüllt war», erzählt der Blick-Leser. «Eine Sitzplatzreservierung garantiert offenbar keinen Sitzplatz mehr. Der Zug war zu über 100 Prozent ausgelastet», beschwert sich L. weiter. 

Passagiere mussten trotz gültigen Billetts aussteigen

Noch schlimmer habe es Passagiere ohne Sitzplatzreservierung getroffen, erzählt Carlo L. Denn vor Abfahrt des Zuges habe das Personal erklärt, dass der Zug erst losfahren könne, wenn einige Fahrgäste den überfüllten Zug verlassen würden. «Ein sehr grosser Anteil der Passagiere – mit gültigen Tickets – musste dann aussteigen und einen Zug eine Stunde später nehmen.»

Trotz dieser Massnahme sei die Situation im Zug belastend gewesen. Überall sassen Passagiere auf dem Boden. So etwas habe Carlo L. noch nie erlebt. «Diesmal war es aber so schlimm wie noch nie. Auch die Aggressivität bei den Passagieren war durch diese Situation deutlich spürbar», sagt der Blick-Leser. 

Carlo L. kam schliesslich am Abend in Schaffhausen an. Das Chaos auf der Zugfahrt kann er nicht nachvollziehen. «Dies ist unhaltbar und erfordert sofortige Massnahmen zur Kapazitätssteigerung.»

Das sagen die SBB

Auf Blick-Anfrage bestätigen die SBB die Situation. «In diesem konkreten Fall entstanden die engen Platzverhältnisse, weil sich der vorhergehende Zug aufgrund einer technischen Störung verspätete und somit auch die Passagiere dieses Zugs auf den 14.17-Uhr-Zug wollten», erklärt Mediensprecher Moritz Weisskopf. 

Die SBB erklären, dass für das Auffahrtswochenende und das kommende Pfingstwochenende mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen gerechnet wurde. Das Angebot zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin werde mit 58 Extrazügen und rund 130'000 zusätzlichen Sitzplätzen verstärkt. «Trotzdem kann es in Einzelfällen oder bei Störungen zu engen Platzverhältnissen auf den Zügen kommen», sagt Weisskopf.

Die Sicherheit habe für die SBB oberste Priorität. «Im Notfall muss eine schnelle Evakuation des Zuges möglich sein. Wenn die Gänge im Zug mit Gepäck und Reisenden blockiert sind, kann dies nicht gewährleistet werden. Wenn sich zu viele Reisende im Zug befinden, kann der Chef Kundenbegleitung Passagiere bitten, den Zug zu verlassen.»

Leservideo zeigt rappelvollen Zug
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Hier stauts auch:Leservideo zeigt rappelvollen Zug

«Gibt immer Freiwillige, die Zug verlassen»

Es gebe spontan immer Freiwillige, die den Zug verlassen. «Meistens sind das Passagiere ohne Sitzplatzreservierung. Zum Aussteigen gezwungen wird niemand, denn in der Schweiz gilt die Transportpflicht.» Der Zugbegleiter könne jedoch anordnen, dass der Zug nicht abfährt, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist. 

Zum Thema Sitzplatzreservierung sagt Weisskopf: «Wer eine Sitzplatzreservierung hat, hat Anrecht auf einen Sitzplatz.» Wenn der Sitzplatz bereits besetzt sei von einer Person ohne Reservation, müsse diese den Platz wieder freigeben.

* Name bekannt 

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