Jahrelanges Versteckspiel
Frau türmt durch Schwarzfahren 80'000 Franken Schulden auf

15 Jahre Schwarzfahren und 80'000 Franken Schulden: Laura K.* war konstant auf der Flucht vor Kontrolleuren. Dann kam die Rettung vor dem finanziellen Ruin.
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Laura K. war 15 Jahre als Schwarzfahrerin unterwegs und türmte einen riesigen Schuldenberg auf (Symbolbild).
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Frau sammelte 80'000 CHF Schulden durch Schwarzfahrten bei der SBB
  • 15 Jahre Schwarzfahren, 70 Tage Haft, Erbschaft von 100'000 CHF half
  • Strafanzeige über 2’800 CHF nach Fahrt mit als gestohlen gemeldetem GA
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Sie versteckte sich im Spielbereich im Kinderabteil oder im Gepäckraum zwischen den Sitzreihen – immer auf der Flucht vor den Kontrolleuren. «Im WC ausharren? Zwecklos!» – das Personal kontrolliere dort besonders streng, sagt Laura K.* zur «Sonntagszeitung». Die Geschichte zeigt die Abwärtsspirale, die Schwarzfahren auslösen kann.

Die Bilanz der Frau: 80'000 Franken Schulden in 15 Jahren – verursacht durch unzählige Schwarzfahrten bei den SBB und unbezahlte Bussen. Ob sie damit einen unrühmlichen Rekord hält, ist unklar. Die SBB erheben dazu keine Zahlen.

K. beginnt mit Anfang 20 ihre Karriere als notorische Schwarzfahrerin. Als Aussendienstmitarbeiterin ohne Reiseentschädigung und ohne Geld für ein GA fährt sie täglich ohne Ticket durch die Schweiz. Bereits nach kurzer Zeit denkt sie: «Jetzt kommt es nicht mehr drauf an.» Diese Haltung prägt die nächsten 15 Jahre.

Erbschaft rettet sie aus der Misere

Immer wieder wird Laura erwischt, doch sie bleibt gelassen. «Ich war nie aggressiv und versuchte stets, freundlich zu bleiben», sagt sie zur «Sonntagszeitung». Die Bussen und Mahngebühren türmen sich, bis die Schulden in astronomische Höhen wachsen. Einmal habe sie im Ausgang ein GA gefunden. Doch sie fliegt bei der ersten Fahrt auf. Die Folge: eine Strafanzeige über 2800 Franken.

Angst vor der Post, der sie wochenlang aus dem Weg geht, Polizeibesuche, Haftstrafen, um offene Beträge abzusitzen – das wurde Lauras Alltag. «Drei Tage für 300 Franken – das lohnt sich», sagt sie. In Luzern, Bern, Thun und Burgdorf verbringt sie insgesamt 70 Tage hinter Gittern.

Mit einem Schuldenberg von 80'000 Franken bleibt Laura lange ohne eigenes Konto, Handy-Abo oder Mietvertrag. Erst eine Erbschaft über 100'000 Franken rettet sie. Vor fünf Jahren konnte sie damit alles begleichen. Heute ist sie selbständigerwerbend, schuldenfrei und fährt mit einem gültigen Ticket oder ihrem Auto.

* Name geändert 

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