Darum gehts
- Der Wasserfall Giessen in Kilchberg BL birgt gesundheitliche Gefahren beim Baden
- Durchfall-Risiko durch Kolibakterien wegen maroder Kläranlage in Zeglingen
- Influencerin teilt Wasserfall trotz Warnungen
Glasklares Wasser, Vogelgezwitscher und ein Wasserfall mitten im Baselbiet: Der Giessen in Kilchberg BL wirkt wie ein perfekter Ort für eine Abkühlung an heissen Tagen. Wenn die Sonne sich im glasklaren Wasser spiegelt, das Holz der naheliegenden Feuerstelle knistert und der Wald satt und grün leuchtet, tauchen Besucherinnen und Besucher für einen Augenblick in die magische Welt des Giessen ein.
Doch das Paradies hat seinen Preis. Wer im Wasser badet, riskiert Durchfall. Das Wasser ist verseucht. Auslöser dafür ist die marode Kläranlage des Nachbardorfes Zeglingen BL, wegen der das Wasser von Kolibakterien und Enterokokken wimmelt.
Auch sechs Jahre nach einem entsprechenden Blick-Bericht hat sich die Lage nicht verändert. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen weist in einem Schreiben darauf hin, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung beim Schwimmen oder durch das Schlucken von Fluss- oder Bachwasser bei dieser Wasserqualität nicht auszuschliessen ist.
Ein beliebtes Social-Media-Sujet
Eine Suche nach dem Wasserfall in den sozialen Medien zeigt: Nicht alle wissen, dass sie Bauchweh riskieren. Die Instagram-Fotos zeigen viele badende Gäste und fröhliche Momente.
Obwohl Karin Güdel, Vizepräsidentin der Gemeinde Kilchberg, weiterhin von einem Tauchgang abrät, erfreut sich der Giessen grosser Beliebtheit. Doch was passiert, wenn sich unwissende Personen dennoch für einen Sprung ins Wasser entscheiden?
«An den beprobten Stellen, bei denen die Wasserqualität in die Qualitätsklasse C fällt, sollten Badende das Tauchen vermeiden und nach dem Baden gründlich duschen», empfiehlt die Gesundheitsdirektion. Die Kläranlage ist laut der Vizepräsidentin weiterhin in Betrieb, «weil es noch keine neue Lösung gibt».
Dennoch ist der Wasserfall ein beliebtes Instagram-Sujet und wird oft als versteckte Perle angepriesen. So etwa von der Influencerin Magdalena Getreuer, die mit ihrem Account (girlinbasel) über 60’000 Menschen dazu inspiriert, den Kanton Basel-Landschaft zu erkunden. Bereits 2022 empfahl sie den Giessen ihren Followerinnen und Followern.
Getreuer wusste allerdings, dass der Wasserfall nicht zum Baden geeignet ist: «Wir waren im Mai dort und hatten ohnehin nicht vor zu baden. Der Wasserfall war einfach einer der Stopps auf einer wunderschönen Wanderung in der Region.»
Naturparadies trotz Warnung
Ob alle Besucherinnen und Besucher des Giessen wissen, dass Baden dort tabu ist? Ein Schild weist zwar auf die Nachteile vom Giessen-Schwumm hin. Baden gehen die Besuchenden trotzdem.
«Ich persönlich habe das Schild nicht bemerkt. Ich erinnere mich allerdings daran, dass nach meinem Video eine Followerin kommentiert hat, Baden sei dort nicht erlaubt. Deshalb denke ich, dass viele Menschen darüber informiert sind», sagt die Basel-Reiseexpertin.
Güdel ergänzt, dass die Hinweistafel jeweils im Winter abmontiert und zu Beginn der Badesaison Anfang Mai wieder montiert werde. Die Influencerin ist trotz allem begeistert von ihrem Besuch: «Wir waren komplett alleine dort und die Atmosphäre war wirklich spektakulär und friedlich. Als Wanderziel und Naturerlebnis würde ich den Ort definitiv weiterempfehlen.»
Kennst du diese weniger bekannten Wasserfälle?
Klar, neben dem Giessen gibt es noch weitere Wasserfälle, die einem den Atem rauben. Weniger bekannte Perlen finden sich etwa beim Reichenbachfall in Meiringen BE, der vor allem durch Sherlock Holmes berühmt wurde. Autor Arthur Conan Doyle war von der Naturpracht des Wasserfalls so begeistert, dass er ihn zum Schauplatz des ikonischen Kampfes zwischen dem Detektiv und seinem Erzfeind Professor Moriarty machte.
Auch im wasserreichen hinteren Glarnertal wartet mit dem Berglistüber an der ikonischen Klausenpassstrasse ein besonderes Naturerlebnis. Laut der Tourismusorganisation Braunwald gilt er seit 1897 als einer der schönsten Wasserfälle der Schweiz. Ein Spaziergang hinter dem Wasserschleier gibt zudem spannende Einblicke in die verschiedenen Gesteinsschichten.
Auf der Suche nach schönen Alternativen
Rheinfall, Staubbachfall oder Giessen: Viele Wasserfälle sind längst keine Geheimtipps mehr. Doch die Schweiz steckt voller versteckter Naturperlen, die kaum jemand kennt. Genau diese sucht Blick. Teile mit uns, welche Wasserfälle dich besonders faszinieren oder welchen Geheimtipp du mit der Blick-Leserschaft teilen möchtest.
Mitmachen lohnt sich: Wer den schönsten Wasserfall vorstellt, gewinnt mit etwas Glück einen Brack-Gutschein im Wert von 100 Franken.