Darum gehts
- Olivia Brentini aus Zürich designt handgemachte Krägen aus recycelten Materialien
- Inspiriert von Natur und Alltag, entstehen Unikate mit Naturfarben und Stempeln
- Preise: 280 bis 1300 Franken, Traum von eigenem Studio in Zürich
Die Hals- und Schulterlinie ist für Olivia Brentini eine der «spannendsten Körperpartien». Sie zu schmücken und damit ins Blickfeld zu rücken, ist das Ziel der 39-jährigen Zürcher Textildesignerin mit ihrem Label Brentini (brentinitextile.com). Ihre von Hand gemachten Krägen sind Unikate, gefertigt aus recycelten Materialien wie nicht mehr benötigten Leinentüchern, ausrangierten Damaststoffen und Resten edler Seide oder gewebter Spitze. «Ich habe noch nie etwas gekauft von dem, was ich verarbeite.» Die aufgestickten Korallen stammen von einer kaputtgegangenen Halskette, die ihr eine Freundin aus Italien zukommen liess.
Für die Kragenmacherin sind es vor allem auch Geschichten, die sie mit dem Material ihrer tragbaren Kunstwerke verbindet. «Früher zählten Leinentücher zur Aussteuer einer Braut, heute liegen sie oft in alten Schubladen herum. Für mich ist das ‹vergessenes Gold›.» An ihre Schätze kommt sie oft durch Zufall. So vermachte ihr eine Besucherin am vom Schweizerischen Agrarmuseum Burgrain vor drei Jahren veranstalteten Leinenfest einen Ballen mit zehn Laufmetern kostbarstem Damast als Geschenk, so angetan war sie von Brentinis erstmals in der Öffentlichkeit präsentierten Krägen. Und nach einer Ausstellung in einer Luzerner Galerie für zeitgenössische Kunst und Design liess ihr eine Dame eine Prada-Box zukommen mit diversen gesammelten Materialien – jedes in feines Seidenpapier verpackt.
Lagerfeld und sein Vatermörderkragen
Karl Lagerfeld galt als berühmtester Kragenträger der Neuzeit. Extrem hochgeschlossene weisse Stehkrägen – als Vatermörderkragen bekannt – waren das Markenzeichen des 2019 verstorbenen Modeschöpfers. Olivia Brentini selbst trägt ihre Kreationen nach Lust und Laune. «Ich falle damit auf und werde oft angesprochen.» Die Zürcherin leistet dann Aufklärungsarbeit, erzählt von der Geschichte des Kragens, die ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Während ihres Studiums in Design, Film und Kunst an der Hochschule Luzern war Brentini beim Besuch in Museen und Galerien immer wieder auf das Kleidungsstück für den Hals gestossen. Als Schutz vor scheuernden Ritterrüstungen erdacht, wandelte sich der Kragen im Laufe der Zeit vom Macht- und Statussymbol zum heutigen Modeaccessoire.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Inspirieren lässt sich Brentini bei ihren Krägen von der Natur und dem, was sie in ihrem Alltag sieht. «Das kann ein Licht- und Schattenspiel an einer Hauswand sein», nennt sie ein Beispiel. Anschliessend versucht sie dann in ihrem Atelier am Band-Webrahmen oder Webstuhl das Gesehene in Strukturen und Formen zu weben. Sie nutzt zudem Naturfarben sowie Stempeltechniken oder stanzt Formen aus Stoffresten zur Kragenverzierung.
Auch Auftragsarbeiten setzt die Kragenmacherin um. Preislich liegen die schmucken Stücke bei 280 bis 1300 Franken. Das teuerste Exemplar sei vor allem bei Fotoshootings gefragt. Noch verdient Brentini ihren Lebensunterhalt als Fachlehrperson für Textiles und Technisches Gestalten, träumt jedoch vom eigenen Studio mit Verkaufsfläche in Zürich. Das wäre die richtige Kragenweite für die Kunsthandwerkerin!