Wenn der Wille nicht reicht
Warum Adipositas eine Krankheit ist – und kein persönliches Versagen

Adipositas wird oft auf eine Zahl auf der Waage reduziert. Auf die Frage, wie viel jemand gegessen hat und wie oft er Sport macht. Doch eine neue europäische Umfrage des Pharmaunternehmens Novo Nordisk zeigt: Die Realität ist deutlich komplexer.
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85 Prozent der Befragten geben an, Stigmatisierung regelmässig zu erleben – und irgendwann selbst zu verinnerlichen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 89 % der Adipösen leiden psychisch, fühlen sich oft unverstanden
  • Nur 18 % erfahren echte Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal
  • 85 % berichten von regelmässiger Stigmatisierung, oft durch Selbstkritik verstärkt
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89 Prozent der Menschen mit Adipositas sagen, dass die Krankheit ihre psychische Gesundheit negativ beeinflusst. Mehr als die Hälfte nennt fehlende Unterstützung als grösstes Hindernis beim Abnehmen.

«Viele fühlen sich unverstanden»

Was empfinden Menschen mit Adipositas? Laut der Initiative PLNO («Podpora liečby nadváhy a obezity» – Unterstützung bei der Behandlung von Übergewicht und Adipositas) sind es oft Einsamkeit und das Gefühl, allein gelassen zu werden.

«Viele Menschen ohne dieses Problem können sich nicht vorstellen, wie belastend Adipositas wirklich ist», erklärt Denisa Priadková von PLNO. Das gelte nicht nur im Alltag, sondern teilweise auch bei Arztbesuchen.

«Viele Fachpersonen unterschätzen, wie stark sich Hunger- und Sättigungsgefühl bei Betroffenen verändern können. Häufig wird alles auf die einfache Formel ‹mehr Bewegung, weniger essen› reduziert. Doch ohne professionelle Unterstützung schaffen das die wenigsten langfristig.»

Die Umfrage von Novo Nordisk bestätigt diesen Eindruck: Nur 18 Prozent der Menschen mit Adipositas in mehreren europäischen Ländern haben das Gefühl, dass medizinisches Fachpersonal sie wirklich versteht.

Scham statt Unterstützung

Laut Priadková steckt dahinter ein tief verankertes gesellschaftliches Bild: Adipositas werde noch immer oft als persönliches Versagen statt als chronische Krankheit wahrgenommen.

«Viele verlassen die Arztpraxis mit Schamgefühlen statt mit einem konkreten Plan und echter Unterstützung.»

Die Folgen seien gravierend. 85 Prozent der Befragten geben an, Stigmatisierung regelmässig zu erleben – und irgendwann selbst zu verinnerlichen.

«Es entsteht ein Gefühl von Schwäche und Minderwertigkeit, das sich über Jahre festsetzt. Noch schlimmer als verletzende Kommentare von anderen ist oft die ständige Selbstkritik.»

Gute Vorsätze, zum Beispiel an Neujahr, werden schnell zur Belastung

Besonders schwierig seien deshalb Phasen wie der Jahresbeginn, wenn überall über Diäten und Vorsätze gesprochen wird. Laut der Umfrage scheitern viele Abnehmversuche bereits nach wenigen Wochen.

«Veränderung braucht Zeit, Ruhe und einen realistischen Plan – nicht zusätzlichen Druck», sagt Priadková.

Sie fordert zudem, die Diskussion weg vom reinen Gewicht hin zu Gesundheit und Lebensqualität zu lenken. Entscheidend seien nicht nur Kilos auf der Waage, sondern auch Faktoren wie:

  • Taillenumfang
  • Blutzuckerwerte
  • Cholesterin
  • Schlafqualität
  • Energie im Alltag

Moderne Medikamente verändern die Behandlung

Auch die international ausgezeichnete Allgemeinmedizinerin Jana Bendová sieht einen Wandel in der Behandlung von Adipositas. Neue Medikamente würden vieles verändern.

«Für uns Hausärzte war es lange frustrierend. Wir gaben Empfehlungen wie ‹weniger essen, mehr bewegen›, doch oft kamen die Patienten zwei Jahre später schwerer und unglücklicher zurück.»

Heute gebe es erstmals Möglichkeiten, Menschen gezielter zu helfen. Moderne Medikamente beeinflussen Hunger- und Sättigungsgefühl und können Betroffene dabei unterstützen, ihren Lebensstil nachhaltig zu verändern.

Weg vom Vorurteil – hin zur Behandlung

Experten sind sich deshalb einig: Adipositas sollte nicht länger als reine Frage der Disziplin betrachtet werden. Sondern als das, was sie tatsächlich ist – eine chronische Erkrankung.

Betroffene hätten Anspruch auf Verständnis, professionelle Unterstützung und moderne Behandlungsmöglichkeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf diva.sk. Das Lifestyle-Magazin aus der Slowakei gehört wie Blick zu Ringier.

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