Darum gehts
- Bestimmte Geräusche wie Schmatzen oder Nägel auf Tafeln lösen Stress aus
- Frequenzen zwischen 2000 und 5000 Hertz gelten als besonders störend fürs Gehirn
- Baulärm kann Gehör schädigen; Presslufthammer erreicht bis zu 120 Dezibel
Es gibt Geräusche, die nimmt man fast nicht wahr. Und dann gibt es jene, bei denen sich sofort alles zusammenzieht: das Kratzen von Fingernägeln auf Styropor, ein tropfender Wasserhahn oder jemand, der beim Essen laut schmatzt. Obwohl diese Geräusche objektiv oft gar nicht besonders laut sind, können sie bei manchen Menschen starke negative Reaktionen auslösen.
Störend ist oft nicht der Geräuschpegel
Der Grund liegt nicht nur in der Lautstärke. Bestimmte Frequenzen werden vom menschlichen Gehirn als unangenehm oder sogar als Warnsignal interpretiert. Besonders störend sind Töne im Bereich zwischen etwa 2000 und 5000 Hertz, denn dort ist unser Gehör besonders empfindlich.
Dauerhafter Lärm kann belastend für Körper und Psyche sein
Er kann Schlafprobleme, Stress und Konzentrationsschwierigkeiten verstärken. Sehr laute Geräusche können ausserdem das Gehör schädigen und etwa Tinnitus oder Hörverlust begünstigen.
Die zehn Geräusche, die Menschen besonders auf die Nerven gehen
Lautes Kauen und Schmatzen
Für manche Menschen ist es nur ein kleines Ärgernis, für andere eine echte Belastung: Geräusche beim Essen können starke Wut oder Unwohlsein auslösen. Dieses Phänomen nennt man Misophonie. Betroffene reagieren dabei besonders empfindlich auf bestimmte Alltagsgeräusche wie Kauen, Schlucken oder Räuspern.
Kreide auf einer Tafel
Der Klassiker unter den unangenehmen Geräuschen. Das Kratzen von Fingernägeln über eine Kreidetafel oder eine ähnliche Oberfläche erzeugt hohe Frequenzen, die unser Gehirn als besonders störend verarbeitet. Viele Menschen beschreiben dabei sogar ein unangenehmes Gefühl in den Zähnen.
Sirenen und ständiges Hupen
Ob im Stau oder mitten in der Stadt: Dauerhupen und laute Sirenen ziehen automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich. Diese Geräusche sind darauf ausgelegt, Alarm auszulösen – genau deshalb empfinden wir sie oft als stressig.
Weinen von Babys und Kindern
Das Schreien eines Babys lässt sich kaum ausblenden. Unser Gehirn reagiert darauf besonders stark, weil es als Signal interpretiert wird, dass jemand Hilfe braucht. Deshalb kann ein weinendes Kind selbst für Menschen ohne Kinder sehr belastend sein.
Quietschen von Türen und Metall
Eine alte Tür, die bei jeder Bewegung quietscht, kann erstaunlich schnell nerven. Schuld sind häufig trockene oder verschmutzte Scharniere. Der hohe Ton liegt in einem Bereich, den unser Gehör besonders stark wahrnimmt.
Baustellenlärm
Presslufthammer, Bohrer und schwere Maschinen gehören zu den lautesten Geräuschquellen im Alltag. Während Bauarbeiter besonders geschützt werden müssen, leiden auch Anwohnerinnen und Anwohner unter dauerhaftem Baulärm. Sehr hohe Lautstärken über längere Zeit können das Gehör belasten.
Lautes Schnarchen
Wer neben einem starken Schnarcher schlafen muss, kennt das Problem: Selbst im Schlaf bleibt unser Gehirn aufmerksam für Geräusche in der Umgebung. Unregelmässige Schnarchgeräusche können deshalb den Schlaf stören und zu Erschöpfung führen.
Kreischende Geräusche
Plötzliche, schrille Töne wie ein lautes Kreischen oder Quietschen lösen bei vielen Menschen eine automatische Stressreaktion aus. Unser Gehirn verbindet solche Geräusche mit möglichen Gefahren – deshalb möchten wir instinktiv weg davon.
Fingernägel auf harten Oberflächen oder Tastaturen
Nicht nur die berühmte Kreidetafel sorgt für Gänsehaut. Auch das Kratzen oder Tippen mit Fingernägeln auf Glas, Metall oder anderen harten Materialien empfinden viele Menschen als unangenehm. Im Büro stören sich viele von uns am klappernden Geräusch von Acrylnägeln auf Tastaturen.
Autoalarme
Das wiederholte Piepen einer Autoalarmanlage gehört zu den Geräuschen, die kaum jemand ignorieren kann. Der Ton ist bewusst auffällig gestaltet, damit Menschen aufmerksam werden – genau das macht ihn für viele besonders nervig.
Was hilft gegen störende Geräusche?
Nicht jedes Geräusch lässt sich vermeiden. Mit einigen Tricks kann man die Belastung aber reduzieren.
Hintergrundgeräusche nutzen
Absolute Stille ist nicht immer die beste Lösung. Ein gleichmässiges Geräusch wie Regen, Meeresrauschen oder sogenanntes weisses Rauschen kann störende Töne überdecken und dem Gehirn helfen, sich zu entspannen.
Das Gehör schützen
Wer regelmässig Lärm ausgesetzt ist, sollte sein Gehör schützen. Ohrstöpsel oder Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung können besonders in lauten Umgebungen helfen.
Die Ursache beseitigen
Manchmal liegt die Lösung näher als gedacht: Eine quietschende Tür braucht Öl, ein tropfender Wasserhahn eine Reparatur. Auch bei starkem Schnarchen kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Räume besser abschirmen
Vor allem in Wohnungen können kleine Veränderungen helfen: Dichtungen an Fenstern und Türen, Teppiche oder Vorhänge können Geräusche dämpfen und den Wohnraum ruhiger machen.
Entspannung trainieren
Lärm erzeugt Stress. Und Stress wiederum macht uns oft noch empfindlicher gegenüber Geräuschen. Atemübungen, Meditation oder Entspannungstechniken können helfen, besser damit umzugehen.
Bei extremer Geräuschempfindlichkeit sollte man Hilfe holen
Manche Menschen reagieren auf normale Alltagsgeräusche ungewöhnlich stark oder empfinden sie sogar als schmerzhaft. Bei einer ausgeprägten Geräuschempfindlichkeit kann eine Abklärung bei Fachpersonen wie Audiologen oder Ärztinnen und Ärzten sinnvoll sein.