Darum gehts
- Studie zeigt: Immer mehr Menschen suchen Trost bei KI
- Forschende warnen: Zu viel Vertrauen in KI kann echte Beziehungen gefährden
- Analyse von 2000 Nutzern zeigt vermehrte Einsamkeit und depressive Stimmung
Wenn der Tag schlecht lief oder niemand zum Reden da ist, wenden sich immer mehr Menschen an eine künstliche Intelligenz. Sie antwortet sofort, widerspricht selten und scheint immer Zeit zu haben.
Genau das macht KI-Begleiter so attraktiv. Doch Forschende schlagen nun Alarm: Wer sich emotional zu sehr auf eine künstliche Intelligenz verlässt, könnte echte Beziehungen vernachlässigen.
KI ersetzt immer häufiger echte Gespräche
Ein Forschungsteam der finnischen Aalto-Universität hat untersucht, wie sich KI-Begleiter auf die Psyche auswirken. Dafür analysierten die Wissenschaftler das Verhalten von rund 2000 Nutzerinnen und Nutzern der App «Replika», die einen virtuellen Freund oder eine virtuelle Freundin simuliert.
Zusätzlich führten sie ausführliche Gespräche mit Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen – etwa nach einer Trennung, während einer Trauerphase oder wegen starker Einsamkeit – an die KI gewandt hatten.
Der grosse Vorteil wird zum Problem
Die Forschenden sprechen von einem Paradox. Eine künstliche Intelligenz ist immer erreichbar. Sie kritisiert nicht, wird nicht ungeduldig und bricht den Kontakt nicht ab. Das vermittelt vielen Menschen Sicherheit und Verständnis.
Genau darin sehen die Wissenschaftler aber auch die Gefahr: Wer sich daran gewöhnt, jederzeit bedingungslose Zustimmung zu erhalten, sucht mit der Zeit seltener den Kontakt zu echten Menschen.
Hinweise auf mehr Einsamkeit
Die Auswertung zeigte, dass sich die Gespräche der Nutzer zunehmend um Beziehungen und Gefühle drehten. Gleichzeitig fanden die Forschenden häufiger sprachliche Hinweise auf Einsamkeit, depressive Stimmung und teilweise sogar Suizidgedanken als in einer Vergleichsgruppe.
Das bedeutet nicht, dass die KI diese Probleme verursacht. Die Studie zeigt aber einen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung und einer zunehmenden emotionalen Isolation.
Warum KI so faszinierend ist
Beziehungen zu Chatbots können sich überraschend echt anfühlen. Viele Nutzer entwickeln mit der Zeit eine emotionale Bindung.
Der entscheidende Unterschied zu einem Menschen: Eine KI setzt normalerweise keine Grenzen, widerspricht kaum und bestätigt häufig die Sichtweise ihres Gegenübers. Dadurch entsteht leicht das Gefühl einer perfekten Beziehung – ohne Konflikte.
Kann künstliche Intelligens trotzdem helfen?
Ja, sagen die Forschenden. Denn gerade in akuten Krisen kann ein KI-Chat eine erste Unterstützung sein. Manche Menschen trauen sich dort eher, über ihre Gefühle zu sprechen oder schwierige Gespräche vorzubereiten.
Problematisch wird es erst dann, wenn der Chatbot echte Freundschaften, Familie oder professionelle Hilfe ersetzt.
Die Ergebnisse der Forschungen
Künstliche Intelligenz ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Entscheidend ist, wie sie genutzt wird.
Kann sie Menschen dabei helfen, wieder den Weg zu anderen Menschen zu finden, kann sie sinnvoll sein. Wird sie jedoch zum dauerhaften Ersatz für echte Beziehungen, drohen Einsamkeit und emotionale Abhängigkeit zuzunehmen.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet Kobieta, der Frauen- und Lifestyle-Rubrik des polnischen Nachrichtenportals Onet, das zur Ringier-Gruppe gehört.