Darum gehts
- Expertin warnt: Reizüberflutung und Passivität schädigen Intelligenz nachhaltig
- Fluide Intelligenz leidet, wenn das Gehirn überlastet oder untrainiert bleibt
- Bis 30 entwickeln sich Denkareale, Überlastung schwächt Problemlösefähigkeit
Gegenüber dem Portal Medonet betont die Expertin vor allem zwei Faktoren, die unsere Intelligenz indirekt beeinträchtigen können: Informationsüberflutung und kognitive Unterforderung durch passive Nutzung.
Wenn das Gehirn zu viel gleichzeitig verarbeiten muss
Unser Gehirn ist grundsätzlich darauf ausgelegt, durch Reize zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Doch heute geschieht das oft im Übermass: Bilder, Töne und Informationen prasseln gleichzeitig auf uns ein.
Die Folge ist nicht nur Erschöpfung, sondern auch ein ständiges Umschalten der Aufmerksamkeit – etwa zwischen Chats, News und Social Media. Das verursacht sogenannte «Wechselkosten» im Denken und reduziert die Effizienz bei geistigen Aufgaben deutlich.
Besonders betroffen sind dabei die Hirnareale, die für Planung, Konzentration und Problemlösung zuständig sind. Diese entwickeln sich bis etwa zum Alter von 25 bis 30 Jahren und reagieren empfindlich auf Überlastung.
«Auf Autopilot» denken kann Intelligenz bremsen
Ein weiterer Punkt: Viele Menschen konsumieren Inhalte zunehmend passiv. Serien laufen im Hintergrund, Inhalte werden ohne echte Reflexion konsumiert, eigene Meinungsbildung bleibt aus.
Psychologisch gesehen kann das langfristig dazu führen, dass sich Denkprozesse verflachen. Das Gehirn bekommt weniger Training in Analyse, Bewertung und kritischem Denken.
Nach dem Prinzip «Use it or lose it» gilt: Was nicht genutzt wird, kann sich zurückentwickeln. Dazu gehören auch komplexe Denkfähigkeiten.
Fluid vs. kristallisierte Intelligenz
Die Expertin unterscheidet zwei Arten von Intelligenz:
Fluide intelligenz: Schnelle Denkfähigkeit, Problemlosen, Anpassung an neue Situationen
Kristallisierte Intelligenz: Wissen und Erfahrungen, die wir über die Zeit sammeln.
Vor allem die fluide Intelligenz kann bei dauerhafter Überlastung leiden. Betroffene tun sich dann schwerer, neue Probleme flexibel zu lösen oder sich schnell auf Neues einzustellen.
Die kristallisierte Intelligenz bleibt zwar meist stabil, kann sich unter Störung aber langsamer weiterentwickeln, weil neue Informationen schlechter verarbeitet werden.
«Das Gehirn überhitzt» – bildhafte, aber treffende Erklärung
Die Psychologin beschreibt den Zustand bildhaft: Das Gehirn könne sich bei Dauerstress „überhitzen“. Tatsächlich reagiert es mit Schutzmechanismen, etwa einer Art innerer Blockade, wenn zu viel gleichzeitig verarbeitet werden muss.
Das kann sich in geistiger Starre äussern – man ist dann kaum noch fähig, klar zu denken oder Entscheidungen zu treffen.
Auch Rückzug und Gewohnheit spielen eine Rolle
Nicht nur Reizüberflutung ist ein Problem. Auch der Rückzug in Routine kann die geistige Fitness beeinträchtigen: Immer gleiche Serien, wenig soziale Kontakte, kaum neue Herausforderungen.
Das Gehirn braucht Abwechslung, ähnlich wie ein Muskel. Ohne Training verliert es an Flexibilität.
Schon einfache Dinge wie Lesen, Diskutieren oder das Lernen neuer Inhalte können helfen, geistig aktiv zu bleiben.
Künstliche Intelligenz: Hilfe oder Denkfaulheit?
Auch KI ist laut der Expertin ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann sie kreatives Denken fördern, wenn man sie bewusst nutzt – etwa für Diskussionen oder Ideenentwicklung.
Andererseits besteht die Gefahr, dass Menschen Inhalte einfach übernehmen, ohne sie zu hinterfragen. Das kann langfristig dazu führen, dass eigenes kritisches Denken verlernt wird.
Schule und Bildung müssen sich verändern
Da Informationen heute jederzeit verfügbar sind, verliert reines Auswendiglernen an Bedeutung. Wichtiger wird die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, zu filtern und kritisch zu denken.
Die Psychologin sieht deshalb auch das Bildungssystem gefordert: Es müsse sich an eine Welt anpassen, in der Wissen nicht mehr knapp, sondern im Überfluss vorhanden ist.
Zusammen gefasst: Intelligenz braucht aktive Pflege
Intelligenz ist kein fixer Wert, sondern ein dynamisches System. Zu viel Reiz, zu wenig Verarbeitung und zu wenig aktive Nutzung können sie ausbremsen.
Die wichtigste Botschaft: Das Gehirn braucht Herausforderungen – aber auch Pausen, Fokus und echte geistige Aktivität.
Dieser Artikel erschien zuerst auf diva.sk. Das Lifestyle-Magazin aus der Slowakei gehört wie Blick zu Ringier.