Darum gehts
- Studie zeigt: Bauchfett und Vitamin-D-Mangel erhöhen Sterberisiko
- Bauchfettleibigkeit reduziert verfügbares Vitamin D, verstärkt chronische Entzündungen
- Gesundheitsprobleme können sich in ihren Risiken gegenseitig bedingen
Eine neue, gross angelegte Studie mit mehr als 5500 Menschen über 50 Jahren hat den gefährlichen Zusammenhang zwischen Bauchfettleibigkeit und Vitamin-D-Mangel untersucht. Das Resultat: Menschen, die gleichzeitig unter beiden Gesundheitsproblemen litten, hatten im Vergleich zur Referenzgruppe ein 123 Prozent erhöhtes Risiko für einen verfrühten Tod.
Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift «Diabetes, Obesity and Metabolism» veröffentlicht wurden, sind das Resultat einer sechsjährigen Follow-up-Studie von Experten aus São Carlos (Brasilien) und London. Die Wissenschaftler analysierten dabei, wie Fettgewebe und Vitamin D miteinander interagieren. Zentral ging es dabei um die Strukturen im Immunsystem, die Entstehung chronischer Entzündungen sowie die allgemeine Aufrechterhaltung der kardiovaskulären und metabolischen Gesundheit im Alter.
Beide Gesundheitsprobleme erhöhen das Sterberisiko
Grundlegend gilt: Beide Gesundheitsprobleme bringen für sich individuelle Risiken mit. Wer an Vitamin-D-Mangel (ein Spiegel unter 30 nmol/l) litt, hatte im Vergleich zur Referenzgruppe ohne Symptome ein um 81 Prozent erhöhtes Sterberisiko. Bei einer Vitamin-D-Insuffizienz war der Wert im Vergleich sogar um 91 Prozent erhöht.
Studienteilnehmer, die an Fettleibigkeit am Bauch (abdominale Adipositas) litten, hatten im Vergleich zur Referenzgruppe ein um 47 Prozent erhöhtes Risiko für ein frühzeitiges Ableben. Abdominale Adipositas wurde als ein Taillenumfang von mehr als 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen definiert.
Risiken bedingen sich gegenseitig
Dabei zeigte die Studie zentrale Zusammenhänge: Bauchfettleibigkeit kann die Menge an verfügbarem Vitamin D verringern. Das Fettgewebe im Bauchbereich kann dabei zirkulierendes Vitamin D «einfangen» und in Fettzellen speichern, wodurch es nicht im Blutkreislauf verfügbar bleibt.
«Das bedeutet, dass das Vitamin zwar im Fettgewebe des Körpers gespeichert ist, im Blutkreislauf jedoch nicht frei verfügbar ist, um lebenswichtige Funktionen in anderen Organen und Systemen zu erfüllen», erklärte Studienleiter Thiago Silva Alexandre.
Bei verringerter Vitamin-D-Konzentration wird das Immunsystem geschwächt – es entstehen chronische Entzündungen. «Wenn diese beiden Zustände gemeinsam auftreten, verstärkt der eine die Auswirkungen des anderen, wodurch das Sterberisiko weiter steigt», betonte Studienleiter Alexandre.
Präventive Massnahmen möglich
Das heisst: Wer besonders ab dem 50. Lebensjahr den Vitamin-D-Spiegel überwacht und überschüssiges Bauchfett abbaut, könnte entscheidend zur Vorbeugung eines vorzeitigen Todes beitragen.
Denn gerade im höheren Alter hat der Körper ohnehin verstärkt mit chronischen Entzündungen zu kämpfen. «Unter normalen Bedingungen wirkt Vitamin D als Regulator des Immunsystems und verhindert, dass Entzündungen ausser Kontrolle geraten», verdeutlichte der Studienleiter.
Bei niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und einem Überschuss an Bauchfett entstehe daher «ein ungünstiges systemisches Umfeld, das Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie den Verlust von Muskelmasse beschleunigt».
Ketteneffekt von Vitamin-D-Mangel
Bereits in früheren Untersuchungen sei ein Ketteneffekt identifiziert worden. «Ein Vitamin-D-Mangel führt zu einem Kraftverlust, was zu einem langsameren Gang, anschliessend zu einem Verlust der Selbstständigkeit und einer grösseren Abhängigkeit von anderen bei alltäglichen Aktivitäten führt», beschrieb Alexandre.
In einer separaten Studie stellte die Forschungsgruppe zudem fest, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko eines kognitiven Abbaus erhöht.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.