«Ich brauche nicht viel Schlaf» – das sagen viele Menschen über sich selbst. Tatsächlich unterscheidet sich der Schlafbedarf von Person zu Person. Alter, Gene und Lebensstil spielen dabei eine Rolle.
Für die meisten Erwachsenen gelten jedoch etwa sieben bis neun Stunden pro Nacht als sinnvoller Richtwert. Dabei muss es nicht jede Nacht exakt gleich viel sein. Problematisch wird es vor allem, wenn deutlich zu wenig Schlaf zur Gewohnheit wird.
Denn Schlaf ist weit mehr als eine Pause vom Alltag. Während wir schlafen, laufen im Körper wichtige Regenerations- und Regulationsprozesse ab. Auch Gedächtnis, Stimmung, Stoffwechsel und Immunsystem hängen mit ausreichendem Schlaf zusammen.
Das Tückische: Man gewöhnt sich an die Müdigkeit
Wer über längere Zeit zu wenig schläft, bemerkt den Schlafmangel nicht unbedingt noch als solchen. Der Körper kann sich teilweise an das niedrigere Energieniveau gewöhnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man genauso leistungsfähig ist wie nach ausreichend Schlaf. Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Stimmung können bereits beeinträchtigt sein, obwohl man subjektiv das Gefühl hat, mit wenig Schlaf gut zurechtzukommen. Genau das macht chronischen Schlafmangel so tückisch: Man kann sich an einen Zustand gewöhnen, der dem Körper trotzdem nicht guttut.
Konzentration und Stimmung leiden
Eine der unmittelbaren Folgen von zu wenig Schlaf betrifft das Gehirn. Schlaf spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung und Festigung von Informationen. Wer dauerhaft zu wenig schläft, kann deshalb Probleme mit Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis bekommen. Auch die emotionale Regulation kann darunter leiden. Schlafmangel kann gereizter machen und die Stimmung verschlechtern. Langfristig wird zu wenig Schlaf zudem mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme in Verbindung gebracht.
Eine einzelne kurze Nacht ist dabei etwas anderes als monatelanger Schlafmangel. Entscheidend ist vor allem, wenn die Erholung regelmässig zu kurz kommt.
Auch das Immunsystem braucht Schlaf
Ausreichender Schlaf unterstützt das Immunsystem und verschiedene Prozesse, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind. Studien bringen chronisch zu wenig Schlaf deshalb unter anderem mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionen in Verbindung. Auch Entzündungsprozesse im Körper können durch anhaltenden Schlafmangel beeinflusst werden. Das bedeutet nicht, dass eine kurze Nacht automatisch krank macht. Problematisch ist vor allem der dauerhafte Schlafmangel.
Herz und Stoffwechsel können betroffen sein
Noch wichtiger wird der Schlaf, wenn man über längere Zeit zu wenig davon bekommt. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen chronisch kurzer Schlafdauer und verschiedenen gesundheitlichen Problemen.
Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Auch ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes wird mit dauerhaft zu wenig Schlaf in Verbindung gebracht. Dabei spielen vermutlich mehrere Mechanismen zusammen. Schlaf beeinflusst unter anderem Hormone, Stoffwechsel, Appetit und die Regulation von Stress. Wer regelmässig zu wenig schläft, kann deshalb leichter aus dem Gleichgewicht geraten.
Wichtig ist allerdings: Zu wenig Schlaf ist nicht automatisch die alleinige Ursache einer Erkrankung. Auch Alter, Ernährung, Bewegung, Stress und andere Lebensumstände spielen eine Rolle.
Eine kurze Nacht ist noch kein Problem
Wer einmal schlecht oder kurz schläft, muss sich deshalb keine Sorgen machen. Der Körper kann eine einzelne schlechte Nacht normalerweise verkraften. Anders sieht es aus, wenn sechs Stunden oder weniger über Wochen und Monate zur Regel werden. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen – besonders wenn zusätzlich starke Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Stimmungsschwankungen auftreten. Auch wer trotz ausreichend Zeit im Bett ständig müde ist, sollte die Ursache abklären lassen. Hinter schlechtem Schlaf können beispielsweise Schlafstörungen oder andere gesundheitliche Probleme stecken.
So wird guter Schlaf wahrscheinlicher
Für besseren Schlaf braucht es nicht unbedingt komplizierte Methoden. Ein möglichst regelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann helfen. Idealerweise steht man auch am Wochenende ungefähr zur gleichen Zeit auf.
Koffein am späten Nachmittag oder Abend kann das Einschlafen erschweren. Auch Licht, Lärm und eine zu warme Schlafumgebung können die Nachtruhe beeinträchtigen. Ein dunkles, ruhiges und eher kühles Schlafzimmer schafft für viele Menschen bessere Voraussetzungen.
Hilfreich ist zudem eine ruhige Routine vor dem Schlafengehen. Wer länger wach liegt, sollte sich nicht unter Druck setzen. Statt stundenlang im Bett auf den Schlaf zu warten, kann es sinnvoll sein, kurz aufzustehen und bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges zu tun.
Denn nicht die perfekte Schlafnacht ist das Ziel, sondern ausreichend Erholung als regelmässiger Teil des Alltags.
Dieser Artikel erschien zuerst auf medonet.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.