Darum gehts
- Energieinfusionen gegen Müdigkeit sind gefährlich, warnt Ärztin Radmila Šehović aus Serbien
- Infusionen belasten Herz und Kreislauf, Vitamine oft wirkungslos laut Šehović
- Untersuchungen nötig: Risiken wie Blutdruckanstieg und Thrombosen bei falscher Anwendung
Müdigkeit und Erschöpfung gehören zu den häufigsten Leiden unserer Gesellschaft. Dagegen versprechen sogenannte Energieinfusionen eine schnelle Lösung zu sein. Die beliebte Methode ist jedoch alles andere als harmlos. Die serbische Ärztin Radmila Šehović warnt, dass die leichtfertige Anwendung schwere Konsequenzen haben kann.
Die Medizinerin erklärt, dass bei anhaltender Müdigkeit und Unwohlsein vorerst eine gründliche Untersuchung stattfinden sollte. Nur wenn die Ursache klar identifiziert wurde, könne eine Infusionstherapie gerechtfertigt sein – zum Beispiel bei der Behandlung von Erkrankungen, die mit chronischer Müdigkeit einhergehen. Grundsätzlich gilt jedoch: Müdigkeitsgefühle treten individuell auf, und fast jeder verspürt diese gelegentlich.
Viel Flüssigkeit direkt in den Kreislauf
«Irgendwie ist der Irrglaube entstanden, dass Infusionslösungen, die ja im Grunde nur aus Salzwasser mit Vitaminen und Mineralien bestehen, die Vitalität steigern können», sagt die Ärztin gegenüber dem Sender PTC. Tatsächlich handle es sich jedoch um die direkte Zufuhr von Flüssigkeiten und, wenn nötig, auch Medikamenten in den Blutkreislauf. Dies stelle einen medizinischen Eingriff dar, der vor allem in der Notfallmedizin oder in der Krebstherapie seine berechtigte Anwendung findet.
Bei Menschen, die nicht wirklich darauf angewiesen sind, können Infusionen hingegen problematisch werden. Dies, da über eine relativ kurze Zeit eine grosse Menge Flüssigkeit über die Venen direkt ins Blut gelangt. Laut Šehović kann durch diese Veränderung sowohl das Herz als auch der gesamte Blutkreislauf belastet werden. Zudem seien die Vitamine, die der Lösung hinzugegeben werden, praktisch wirkungslos – da nur die wenigsten Patienten tatsächlich unter einem Vitaminmangel leiden.
Risiko ist meist höher als Nutzen
Besonders gefährlich wird es, wenn der Gesundheitszustand des Patienten vor der Infusion nicht richtig abgeklärt wurde. Werden bestimmte Erkrankungen übersehen, kann es bei der Behandlung zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg kommen. Auch ein bereits bestehender Thrombus – ein möglicherweise unentdecktes Blutgerinnsel – könne durch die Veränderung im Kreislauf mobilisiert werden. Šehović betont daher, dass eine Überwachung während der Infusion in den meisten Fällen dringend notwendig ist.
«Als verantwortungsbewusste Ärztin werde ich nicht sofort eine Infusion empfehlen», stellt Šehović klar. Stattdessen sei es zuerst wichtig, ein Blutbild und eine Laboranalyse durchzuführen. Zeigen die Untersuchungen unauffällige Resultate, folgen oft noch weitere Tests. Denn hinter der anhaltenden Müdigkeit kann eine Vielzahl von Auslösern stecken.
Neben Stoffwechselerkrankungen, Diabetes oder einer Schilddrüsenunterfunktion können laut der Ärztin auch chronischer Stress, Angstzustände oder Depressionen dafür verantwortlich sein. Zudem kann auch ein ungesunder Lebensstil langfristig zu Erschöpfung führen. Neben der Ernährung haben insbesondere eine hohe Zufuhr von Koffein, Alkohol und Nikotin einen Einfluss auf unser Energielevel. «In den meisten Fällen werden ein oder zwei Infusionen das bestehende Problem nicht lösen», stellt die Ärztin klar. Daher sollten diese auch nicht als Mittel zur schnellen Regeneration genommen werden.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.