Bub (12) in Lebensgefahr
Erkältungsvirus löst gefährliche Blutgerinnsel aus

Deutsche Forscher haben gemeinsam mit Ärzten aus Österreich erstmals einen bestimmten Adenovirus-Typ mit einer seltenen, lebensbedrohlichen Blutgerinnungsreaktion in Verbindung gebracht.
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Was anfänglich wie eine harmlose Erkältung wirkt, kann sich zu einem gefährlichen Blutgerinnsel entwickeln. (Symbolbild)
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Österreich: Zwölfjähriger erkrankt lebensgefährlich nach Adenovirus Typ 3-Infektion
  • Forscher entdecken erstmals Verbindung zwischen Adenovirus und Blutgerinnseln
  • Junge vollständig genesen; Erkenntnisse könnten sicherere Impfstoffe ermöglichen
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Was wie ein gewöhnlicher Atemwegsinfekt beginnt, wird für einen Buben (12) in Österreich lebensgefährlich: Eine Woche später bilden sich in seinem Körper gefährliche Blutgerinnsel, gleichzeitig fällt die Zahl seiner Blutplättchen stark ab. Das berichtet die Universitätsmedizin im deutschen Greifswald über den ungewöhnlichen Fall, der nun im renommierten «New England Journal of Medicine» veröffentlicht wurde.

Am vierten Tag im Spital diagnostizieren die Ärzte der Medizinischen Universität Innsbruck mehrere venöse Thrombosen, darunter eine tiefe Venenthrombose und eine Lungenembolie. Weil sie ein äusserst seltenes Krankheitsbild vermuten, ziehen sie Spezialisten der Universitätsmedizin Greifswald hinzu.

Eine bahnbrechende Entdeckung

Dort finden die Forscher die entscheidende Spur: Im Blut des Buben befinden sich spezielle Antikörper gegen den körpereigenen Plättchenfaktor 4 (PF4). Diese können Blutplättchen aktivieren und eine gefährliche Immunreaktion auslösen, bei der gleichzeitig Blutgerinnsel entstehen und die Zahl der Blutplättchen sinkt. Das seltene Krankheitsbild wird als virusinduzierte Immunthrombozytopenie und Thrombose (VITT) bezeichnet.

Bei weiteren Untersuchungen identifizieren die Innsbrucker Forscher in einem Abstrich des Buben das humane Adenovirus Typ 3 (HAdV-B3) und analysieren dessen Erbgut. Damit konnten Wissenschaftler erstmals einen konkreten Adenovirus-Typ mit dieser seltenen Immunreaktion in Verbindung bringen. Dass natürliche Adenovirusinfektionen in seltenen Fällen solche Thrombosen auslösen können, war bereits bekannt. Unklar war bislang jedoch, welche Adenovirus-Typen dafür verantwortlich sein können. Der untersuchte Fall liefert darauf nun einen ersten konkreten Hinweis. 

Der Bub erholte sich nach gezielter Behandlung vollständig und ist heute beschwerdefrei.

Was sind Adenoviren?

Adenoviren sind sehr häufig vorkommende Viren und können verschiedene Infektionen auslösen, zum Beispiel Atemwegsinfekte. Es gibt viele unterschiedliche Arten dieser Viren. Fast jeder Mensch kommt im Laufe seines Lebens mit Adenoviren in Kontakt. Meist verlaufen die Infektionen harmlos. In sehr seltenen Fällen kann das Immunsystem jedoch überreagieren und dabei Blutgerinnsel im Körper auslösen. Welche Arten von Adenoviren eine solche Reaktion verursachen können, war bisher nicht genau bekannt.

Was ist eine Thrombose?

Bei einer Thrombose verstopft ein Blutgerinnsel die Ader – der Blutfluss stoppt. Meist passiert das tief im Bein. Wandert der Pfropfen weiter in die Lunge, droht eine lebensgefährliche Lungenembolie.

Wie kann ich mich vor Adenoviren schützen?

Adenoviren verbreiten sich unter anderem über Tröpfchen, engen Kontakt und verunreinigte Oberflächen. Regelmässiges Händewaschen, Abstand zu Kranken und gute Hygiene verringern das Ansteckungsrisiko. Eine allgemeine Impfung gegen Adenoviren gibt es für die Bevölkerung bisher nicht.

Warum ist die Entdeckung so wichtig für die Forschung?

Das bessere Verständnis kann helfen, Impfungen sicherer zu machen. Denn manche Vakzine nutzen veränderte Adenoviren als Taxis: Sie schleusen die Bauanleitung für den Erreger direkt in die Körperzellen. So lernt das Immunsystem den Erreger kennen und kann später schneller auf ihn reagieren. Die Forscher verändern die Viren dabei so, dass sie sich im Körper nicht vermehren können.


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