Darum gehts
- Von wegen Weinchen! Manche Rosés sind ganz schön üppig
- Sie sind nicht nur zum Apéro geeignet, sondern passen auch zu Deftigem vom Grill
- An der Côtes du Rhône gibt es sogar eine eigene Rosé-Appellation, die ein Papst angeregt hat
Einst tat die Weinkennerschaft Rosé als nicht ernst zu nehmenden Wein ab, der weder Fisch noch Vogel sei, meistens aus Trauben zweifelhafter Qualität hergestellt würde und wegen zu viel Restsüsse als typischer «Frauenwein» einzustufen sei.
Der Erfolg der lebendigen, frischen Weine mit vielfältigen Aromen und Texturen in den letzten Jahren entlarvte diese Behauptungen als das, was sie sind: fiese Vorurteile, die niemand mehr ernst nimmt.
Rosé ist nicht gleich Rosé
Der Trend zu leichteren Weinen verschaffte Rosé einen beträchtlichen Vorteil. Und wer möchte schon an einem schönen Sommerabend nach dem Genuss eines roten Blockbusters mit 15 Volumenprozent und viel Gerbstoff erschlagen in den Seilen hängen?
Eben. Weil es kaum eine Weinregion auf der Welt ohne Rosé, Rosato oder Rosado gibt, ist die Auswahl so gross, dass man schnell den Überblick verlieren kann.
Zudem rücken die kräftigeren Rosé-Typen immer mehr ins Bewusstsein. Die pinken Weine sind perfekt für den Grillabend, denn sie passen zu Fleisch, Fisch, Geflügel und Gemüsegerichten gleich gut und machen es dem Gastgeber einfach.
Wenig bekannte Rosés aus Italien
Chiaretto wird aus den gleichen Trauben wie Amarone gekeltert, einer der beliebtesten und bekanntesten Rotweine Italiens. Doch im Veneto, in der Gegend rund um den Ferienort Bardolino am Ostufer des Gardasees, sind die roten Sorten Corvina, Molinara und Rondinella zu Leichterem bestimmt.
Je nach der Verweildauer auf der Maische werden aus ihnen Weine gekeltert, die von zartem Lachsfarben bis zu leuchtendem Himbeerrot die ganze Rosé-Farbpalette abdecken können. Typisch für Chiaretto ist der Duft nach Walderdbeeren und die animierende Säure. Passt perfekt zu Fisch vom Grill oder Calamari fritti.
Eine Entdeckung wert ist Cerasuolo aus den Abruzzen. Er wird aus der Rebsorte Montepulciano gekeltert und ist wie Chiaretto ein wenig kräftiger. Der Duft nach Himbeeren und Kirschen wird ergänzt durch viel Würze am Gaumen. Und die mundet zu Luganighe oder einer groben Bratwurst.
Päpstlicher Rosé für T-Bone-Steaks
Tavel ist das einzige Anbaugebiet der Côtes du Rhône, das nur Rosé produziert. Papst Innozenz VI. (1282–1362), der in Avignon residierte, soll die Winzer von Tavel dazu ermutigt haben, einen frischeren Wein als Gegenpol zum kräftigen Châteauneuf-du-Pape zu keltern.
Tavel kann aus neun verschiedenen Sorten gekeltert werden, aber keine der zugelassenen Sorten darf mit mehr als 60 Prozent in der Cuvée vertreten sein. Die bekanntesten Trauben sind Grenache, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Das intensive Lachsrot mit dem orangen Schimmer ist typisch für den Wein. Tavel ist kräftig, duftet nach Brombeeren, mediterranen Kräutern und ein bisschen nach Veilchen. Der ideale Rosé für T-Bone-Steaks und Lammracks.