Darum gehts
- Letzten November wurde ein renommiertes Restaurant im US-Bundesstaat Virginia Opfer eines dreisten Weindiebstahls
- Die Täter konnten ermittelt werden, doch zwei Flaschen im Wert von 40'000 Dollar blieben verschwunden
- Nun wurden sie anonym zurückgegeben und werden zu Kellerleichen
Die L'Auberge Provençale liegt rund 90 Kilometer von Washington DC entfernt im Shenandoah Valley. Das Haus ist seit 45 Jahren eine Referenz für gute Küche und pflegt einen Weinkeller, in dem über 1200 erlesene Weine lagern. Die zeigt Weindirektor Christian Borel gerne bei Hausführungen.
Im November letzten Jahres berichtete das amerikanische Weinmagazin «Wine Spectator» über einen dreisten Diebstahl in der Auberge, begangen von vier Tätern. Die gaben vor, die Räumlichkeiten für die Organisation eines Events besichtigen zu wollen, bestanden auf eine Kellerführung und machten dort lange Finger.
Stümperhafter Coup
Die Diebe ersetzten vier Flaschen der Domaine de la Romanée-Conti durch Attrappen mit Schraubverschluss (hat man Worte!) und suchten das Weite. Der Diebstahl flog auf, während sich die Täter noch auf dem Parkplatz des Restaurants befanden und sich aus dem Staub machen wollten.
Zwei der entwendeten Flaschen landeten glücklicherweise sanft auf einem Rasenstück am Strassenrand und wurden vom Sheriff-Departement als Beweismittel einbehalten. Mit den zwei anderen Flaschen im Gesamtwert von 40'000 Dollar konnten die Diebe fliehen.
Nun ist laut «Wine Spectator» Bewegung in den Fall gekommen. Zwei Tatverdächtige wurden des Diebstahls überführt und zu Haftstrafen verurteilt, zwei der mutmasslichen Täter sind noch auf der Flucht. Einer davon konnte sich nach Österreich absetzen und lässt sich von dort aus von seinem Anwalt vertreten.
Anonyme Rückgabe der Preziosen
Im April wurden zwei der vermissten Flaschen anonym über das Büro des Sheriffs von Clarke County an die L’Auberge Provençale zurückgegeben. Christian Borels Freude darüber ist verhalten. Für ihn haben die Weine an Wert verloren. «Ich habe absolut keine Ahnung, wo diese Flaschen gewesen sind: wo sie gelagert wurden oder ob es sich um Fälschungen handelt», sagte Borel gegenüber «Wine Spectator».
Für Borel sind der Romanée-Conti 2020 und der Richebourg 2019 nun Kellerleichen, ebenso die zwei Flaschen Échézeaux 2019 und Grands Échézeaux 2021, die in der Asservatenkammer des Sheriff-Büros «unsachgemäss und ohne Temperaturkontrolle» gelagert wurden und so gut wie tot seien.
Kellerführungen gäbe es in der L'Auberge Provençale nach diesem Vorfall nicht mehr. Aber Borel zieht in Erwägung, das Diebesgut gemeinsam mit seinen Mitarbeitern zu trinken.