Wenig Saft – viel Kraft
Frühe Primitivo-Ernte in Apulien

Apulien setzt auf Primitivo. Keine Sorte wird hier häufiger angebaut. Anfang September geht die Ernte bereits dem Ende entgegen, so früh wie kaum zuvor. Die anhaltende Trockenheit macht allen zu schaffen. Es braucht neue Strategien im Weinberg und im Keller.
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Bevor die frisch geernteten Primitivo-Trauben gekeltert werden, überprüft Sara Raho ihren Zustand.
Foto: Stefan Keller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Apulien produziert nach Venetien und der Emilia-Romagna am meisten Wein
  • Die Region ist vor allem für den Rotwein Primitivo bekannt
  • Die Veränderungen des Klimas fordern neue Lösungen im Weinberg und im Keller
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Stefan KellerRedaktor Wein

Die Erntehelfer haben früh begonnen an diesem Morgen, noch bevor die Sonne ihr erstes Licht über die Weingärten streute.

Im Verlauf des Vormittags kommt ein Gefährt nach dem anderen zum Keller der Masseria, beladen mit Trauben, an diesem Morgen mit Primitivo; hier, in Manduria, ist sie die wichtigste.

Trockene Zeiten für den Weinbau

Sara Raho nimmt sie in Empfang und strahlt: Die Beeren sind reif und gesund, auch wenn sie weniger Saft aufweisen als in anderen Jahren – das ist der Trockenheit geschuldet: Der letzte richtige Regen fiel im Frühjahr.

Trauben, die einen besonders hohen Anteil rosinierter Beeren aufwiesen, wurden am Stock belassen – das sind gut und gern zehn Prozent. So versucht man, den ohnehin hohen Zuckergehalt nicht noch zu forcieren und einem möglichen Stopp der Gärung vorzubeugen.

Um den Wein zu verschlanken, wird hier ein Teil des Primitivo vorzeitig geerntet und zum Rosato verarbeitet, der dann nach Bedarf dem Rosso zugemischt werden kann.

Aber wie heisst es doch – jeder Nachteil hat einen Vorteil. Die Winzer und Winzerinnen hatten kaum Probleme beim Pflanzenschutz, die Blätter und Trauben blieben gesund, und die Ernte bedrohende Insekten wie die Kirschessigfliegen hat das trockene, heisse Klima vertrieben.

Alles geht seinen Lauf

Nach einem ersten Augenschein gibt Sara Raho grünes Licht, und die Trauben werden in die Abbeermaschine gekippt. Sie trennt die Beeren vom Stiel. Diese werden gesammelt und zu Kompost verarbeitet, während die gequetschten Beeren mit ihrem Saft in einen der grossen Stahltanks gefüllt werden.

Hier setzt die Gärung ein, die in ein paar Tagen abgeschlossen sein wird. Zu diesem Zeitpunkt kann der vergorene Traubenmost mittels Pressung von den Schalen getrennt werden. Der Ausbau des Weins erfolgt je nach Weintyp mehr oder weniger lange im Stahltank oder im Holzfass und manchmal auch in Amphoren.

Primitivo hat die Nase vorn

Apulien hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Das verdankt die Region vor allem der Beliebtheit ihres Weins aus Primitivo-Trauben.

Diese oft mächtigen Roten mit reichlich Alkohol und Restzucker haben ein weltweites Publikum gefunden. Knapp 14'000 Hektaren sind in Apulien mit dieser Sorte bestockt.

Das entspricht fast der gesamten Schweizer Anbaufläche. Am apulischen Weinbau partizipiert sie mit 15 Prozent. Flächenmässig entspricht das der weissen Sorte Trebbiano. Je rund 10'000 Hektaren entfallen auf roten Sangiovese und Negroamaro.

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