Darum gehts
- Mächtige Rotweine tun sich im Markt zunehmend schwer
- Winzerinnen wie Camilla Rossi Chauvenet intervenieren im Rebberg und Keller
- Sie versuchen, Amarone und Primitivo schlanker zu keltern
«Unsere Essgewohnheiten haben sich verändert. Viele meiner Freunde ernähren sich vegan oder vegetarisch, und nur wenige kaufen Wildbret und nehmen sich fürs Kochen stundenlang Zeit, aber gerade für solches sind Weine wie Amarone geschaffen», sagt Camilla Rossi Chauvenet.
Amarone und Primitivo werden oft als «vini importanti, vini richi, vini profondi» gesehen, als Gewächse von grosser Struktur und hoher Konzentration also. Die Winzerin beobachtet aber, dass vermehrt Weine gefragt sind, die sie als zeitgemäss bezeichnet, und sie meint damit: frisch, elegant, knackig, im Ausdruck vertikal und nicht horizontal.
Wein vom Sockel holen
Gewissheiten, die bis anhin als sakrosankt galten, sollten aus den Angeln gehoben werden. «Wir müssen versuchen, die Jungen wieder näher ans uns heranzuholen, Wein soll einfacher, demokratischer werden, er muss vom Sockel geholt werden.»
Aber wie modelt man aus Monumentalem, Horizontalem Vertikales? Gibt’s auch in der Önologie Schlankheitspillen? «Weglassen, was es nicht braucht, so wenig als möglich intervenieren», sind Teil ihres Rezepts. Wesentlich ist auch eine Rebenarbeit mit dem Ziel, reife Säure statt reichlich Zucker zu erhalten sowie ein früher Erntezeitpunkt, ohne dadurch Unreifes zu ernten.
Da Camilla Rossi Chauvenet nur Trauben aus ihren eigenen Weingärten verarbeitet, im Valpolicella vom Weingut Massimago, in Manduria von der Masseria Cuturi 1881, liegt vieles in ihren Händen.