Darum gehts
- «Châteaux Carton» ist nicht nur für den Camper oder das Ferienhaus ideal
- Auch im Alltag bietet die alternative Weinverpackung einige Vorteile
- Und ist sie auch noch ressourcenschonend
An der Tür zur Weinhandlung kommt mir ein älterer Herr mit sechs Liter Rosé unter den Armen entgegen. Wären es Flaschen, müsste der Senior etwas über zehn Kilo schleppen. Weil der Rosé in zwei 3-Liter-BiBs abgefüllt ist, reduziert sich das Gewicht um gut vier Kilo – und das lästige Entsorgen des Altglases entfällt auch.
Weinhändlerin Florence Woodtli kennt sich aus mit Weinen aus der Bag-in-Box. Im Laden in Stäfa ZH können rund zwanzig «Châteaux Carton» probiert werden. Wann zum ersten Mal aus der Box Wein entnommen wurde, ist über dem Zapfhähnchen angeschrieben.
Ideal für den Alltagswein
«Wir geben unseren Kunden nach dem Öffnen drei Monate Garantie. Das funktioniert, weil der Schlauch mit jeder Entnahme schrumpft. Dabei kommt der Wein nicht mit Sauerstoff in Kontakt und oxidiert nicht. Allerdings reift der Wein auch nicht. Darum ist die BiB ideal für jung zu trinkende Weine», erklärt Woodtli.
Der Wein in der platzsparenden Verpackung ist nicht nur beim Camping, im Ferienhaus oder auf Partys beliebt. Weil der offene Wein lange «frisch» bleibt, ist er ideal für jene, die wenig aber regelmässig Wein trinken. So wird zum Beispiel in Frankreich auf den Weingütern der Alltagswein für das lokale Publikum schon lange in BiBs verkauft.
Notlösung während der Finanzkrise
Mit dem BiB-Konzept beschäftigt sich die Weinhandlung Cavino seit der Finanzkrise 2008. Viele Winzer hatten damals Absatzprobleme. Die Fässer waren voll, die neue Ernte stand vor der Tür. Also begann man, die Weine vom letzten Jahrgang in Schläuche zu füllen.
Dort sollten sie zur Überbrückung lagern und – sobald sich die Lage entschärft hatte – zurück in die Fässer und dann in Flaschen gefüllt werden. Eine arbeitsintensive, aber kostengünstige Art, um Kapazitäten im Keller zu schaffen.
Während dieser Zeit suchte Florence' Vater Weine für den Offenausschank für Kunden in der Gastronomie. Er kontaktierte seine Winzer in Frankreich und orderte. Weil der Deal mit den Gastronomen doch nicht zustande kam, stellte Woodtli die BiBs in den Laden und etablierte so «Châteaux Carton».
Bessere CO2-Bilanz
«Wir besuchen unsere Winzer regelmässig und stellen mit ihnen die Cuvées zusammen, die dann für uns abgefüllt werden. Die Meinung, die Weinqualität sei weniger gut, als bei Flaschenweinen besteht immer noch. Doch es kommt auf den Weingeschmack an und nicht auf die Verpackung», sagt Woodtli und widerlegt das Vorurteil gleich selbst: Zwei Fünftel ihres Umsatzes werde durch Châteaux-Carton-Weine generiert.
Dazu kommt die bessere CO2-Bilanz. Laut der Umweltwissenschaftlerin Sybil Huber entfallen bei der Produktion einer Flasche Wein 47 Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Flaschenherstellung, die Einsparung beim Transport durch das geringere Gewicht und die bessere Stapelbarkeit kommen noch dazu.