Reinhold Messner des Rebbaus
Urban Piccolruaz winzert auf 1440 Meter über Meer

Die Klimaerwärmung treibt Winzer und Winzerinnen in die Höhe. In Südtirol wird der Rebbau auf die Spitze getrieben. Nirgendwo im Alpenraum reifen Trauben höher. Leidenschaft und Ehrgeiz sind gleichermassen im Spiel und auch Kalkül.
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Im Südtiroler Weiler St. Jakob im Grödnertal wachsen Reben auf 1440 Höhenmetern.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Klimaerwärmung treibt Winzer und Winzerinnen in die Höhe
  • In Südtirol klettern die Reben auf über 1400 Höhenmeter
  • Neue robuste Sorten sind erfolgsversprechend
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Stefan KellerRedaktor Wein

Urban Piccolruaz ist, bis nicht das Gegenteil bewiesen ist, der Winzer mit dem höchsten Rebberg in den Alpen. 2010 hat er auf 1440 Meter über Meer 40 Reben gepflanzt, auf einem steilen Stück Land, das zu seinem Elternhaus gehört. Es befindet sich im Weiler St. Jakob bei St. Ulrich im Grödener Tal.

Hauptberuflich ist der Feierabendwinzer Kellermeister an der Südtiroler Weinfachschule Laimburg. Als er mit seinen Kollegen darüber diskutierte, wo wohl in Südtirol die maximale Höhenlage für Reben sei, war man sich nicht einig.

Der erste ladinische Wein

Piccolruaz stach den Hafer, und er wollte die Probe auf Exempel machen. Die Nachbarn seiner Eltern in St. Jakob schüttelten den Kopf. «Belau nia meglich», meinten sie, was in ihrer ladinischen Sprache so viel heisst wie: fast nicht möglich. Und doch: Seit 2015 füllt Urban Piccolruaz jährlich 30 Flaschen Belau nia meglich ab, ein Weisswein aus der Rebsorte Solaris. Diese zählt zur Familie der Piwi, der pilzwiderstandsfähigen Sorten, und dies ist sie auf dieser Höhe in höchstem Mass: In all den Jahren brauchte Urban Piccolruaz keine einzige Pflanzenschutzspritzung auszubringen.

Auf der Rücketikette des Weins schreibt der stolze Ladiner Urban Piccolruaz: Chësc vin blanc ie cresciù a 1440 metri, sa Sacun, sëura Urtijëi/Gheredeïna, I prim vin ladin. Dieser Weisswein ist auf 1440 Meter über Meer am Weiler St. Jakob oberhalb St. Ulrich/Gröden gewachsen, der erste ladinische Wein.

Rebberg im Olympiadorf

Ebenfalls im ladinischen Sprachgebiet liegt Cortina d’Ampezzo, Austragungsort der diesjährigen Olympischen Winterspiele – leider etwas zu früh, um mit einheimischem Schaumwein auf die Sieger anzustossen. Gianluca Bisol vom gleichnamigen Prosecco-Haus hat im Skiort auf 1350 Meter über Meer einen 3000 Quadratmeter grossen Rebberg angelegt.

Ausgebracht wurden die beiden Sorten Incrocio Manzoni und Solaris. Die Ernte der Vigna Major wird zum Schaumwein nach klassischer Methode ausgebaut, der erste Jahrgang 2021 liegt noch auf der Hefe. Die ersten der insgesamt 60 Flaschen werden am 1. Dezember 2026 entkorkt. In den Folgejahren rechnet Bisol mit einer Jahresproduktion von 500 Flaschen.

Wegbereiter Franz Haas

Wie Bisol setzt auch das Weingut Franz Haas auf Schaumwein. 1,5 Hektaren stehen in der Gemeinde Aldein beim Eggerhof (1150 M. ü. M.) in Ertrag. 2010 entschied sich Franziskus Haas, Pinot noir zu pflanzen, das Resultat überzeugte so sehr, dass er 2017 eine weitere Hektare anlegte. Fünf Jahre lang dauert der Ausbau auf der Hefe, dann gelangt er reinsortige Pinot noir für 45 Euro auf den Markt. Seine Bezeichnung: PN 1150, metodo classico. Alto Adige DOC.

Im Vinschgau setzt die Belgierin Hilde van den Dries auf Piwi-Sorten. In ihren Rebbergen am Kloster Marienberg (1340 M. ü. M.) reifen Trauben der Sorten Solaris und Cabernet Cortis, in den tieferen Lagen Laatscher Berg (1000 M. ü. M.) auch Souvignier gris und Muscaris. Am Ritten bei Bozen, auf 1330 Höhenmetern, hat die Vereinigung Tirolensis Ars Vini 2013 Solaris-Reben gepflanzt. Der daraus gekelterte Wein wird im benachbarten Gasthof Geyrerhof ausgeschenkt.

Doyen des Südtiroler Höhenrausches

All diese Neupflanzungen stellen höhenmässig Tiefenbrunners Feldmarschall in den Schatten, nicht aber bezüglich Renommee. Die Trauben für diesen Weissen wachsen am Fennerberg auf 1000 Höhenmetern. Hier setzte Herbert Tiefenbrunner 1972 Müller-Thurgau-Stöcke. Obwohl der Wein von Beginn weg qualitativ überzeugte, durfte er jahrzehntelang nur als Tafelwein verkauft werden. Seit 2009 ist er Teil der DOC Weine Südtirol/Alto Adige und ein Flaggschiff der Alpenregion.

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