Piemont kann auch weiss
Timorasso ist Italiens mächtigster Weisswein

Italien ist reich an Rebsorten, aus denen in allen 20 Regionen unverwechselbare Weine gekeltert werden. Zu den eigenwilligsten zählt Timorasso, die im Piemont einen richtigen Boom erlebt. Aus ihr entstehen Weissweine, die auch langlebig sein können.
Kommentieren
1/8
Fast verschwunden, heute im Aufschwung: die weisse Sorte Timorasso.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Timorasso ist Piemonts mächtigster Weisswein
  • Die Sorte hat in den vergangenen 40 Jahren einen beachtlichen Aufschwung erlebt
  • Ihr Potenzial hat Investoren aus der Nachbarschaft angelockt
Stefan_Keller_Redaktor Wein_rms_3-Bearbeitet.jpg
Stefan KellerRedaktor Wein

Nur noch einen Bestand von einer halben Hektare Timorasso zählte man vor 40 Jahren im Piemont. Die Sorte schien dem Untergang geweiht. Fehlalarm.

Heute zeigt die Anbaukurve steil nach oben: 440 Hektaren werden wieder kultiviert, und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

Heimspiel im Hügelland von Tortona

Timorasso ist in den Colli Tortonesi beheimatet, in den Hügelgebieten im Umfeld des Städtchens Tortona. Bis vor wenigen Jahren hat man hier vor allem Barbera gekeltert.

Dann begannen ambitionierte Winzer damit, das Potenzial der in Vergessenheit geratenen Sorte auszuloten, und präsentierten Weissweine, die es in sich haben: strukturiert, stoffig und mitunter langlebig, also ganz anders als man es von den anderen Weissweinen des Piemont wie Arneis, Gavi oder Moscato kannte.

Barolisti leckten Blut

Das weckte auch das Interesse der Produzenten aus den benachbarten Langhe, die sich mit ihrem körperreichen Barolo und Barbaresco einen Namen gemacht hatten. Hier sahen sie die Möglichkeit, ihr Portfolio um einen Weisswein zu ergänzen, der ihren Rotweinen auf Augenhöhe begegnete.

Zudem konnten hier Rebberge zu einem Preis erworben werden, für den man in ihrem Stammgebiet gerade noch ein Vogelhäuschen erwerben konnte. Und so entstand denn auch ein befruchtender Wettbewerb zwischen den Barolisti, den Zugezogenen und den einheimischen Winzerinnen und Winzern. Das Consorzio Tutela Vini Colli Tortonesi vergrösserte sich in den vergangenen zehn Jahren von 35 auf weit über 100 Mitglieder.

Derthona in drei Abstufungen

Weil man Namen von Traubensorten nicht schützen kann, entschlossen sich deren Mitglieder, für ihre Weissweine die Herkunftsbezeichnung Derthona DOC zu schaffen. Derthona war der lateinische beziehungsweise ligurisch-keltische Name dieser Stadt in der Römerzeit.

Von diesem Wein gibt es drei Abstufungen: Piccolo Derthona, Derthona und Derthona Riserva. Der Piccolo kann bereits wenige Monate nach der Ernte in den Verkauf gelangen und muss minimal 11 Volumenprozent Alkohol aufweisen. Der Derthona kommt nicht vor einem Jahr in den Handel, die Riserva im März drei Jahre nach der Ernte; 12,5 Volumenprozent beziehungsweise 13 Volumenprozent dürfen nicht unterschritten werden.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen