Darum gehts
- Sabrieren oder Sabrage nennt man die Kunst, eine Schaumweinflasche mit einem Säbel zu öffnen
- Das Sabrieren soll zur Zeit Napoleons entstanden sein
- Der Erlös des wohltätigen Spektakels kommt der Vereinigung Kinderherz Südtirol zugute
Ein gutes Glas Schaumwein muss man sich meistens mühsam verdienen: Zuerst friemelt man die schützende Flaschenkapsel weg, müht sich beim Aufdrehen des Drahtgeflechts (alias Muselet), nur um dann eine gefühlte Ewigkeit am festsitzenden Champagnerkorken zu drücken, zu drehen und zu ziehen, bis der sich endlich aus dem Flaschenhals zu bewegen geruht.
Nicht so beim Sabrieren (von französisch sabre = Säbel). Ein gezielter Säbelhieb auf den wulstigen Ring direkt unter der Flaschenöffnung und – zack! – der Kopf der Flasche macht zusammen mit dem Korken einen Abflug, gefolgt von einem grösseren oder kleineren Schwall des schäumenden Weins. Entstanden sein soll diese zirkusreife Art des Öffnens von Sektflaschen zur Zeit Napoleons. Seine Kavallerieoffiziere feierten auf diese Art ihre Siege – hoch zu Ross, versteht sich.
Ein echtes Husarenstück
Heute sorgen Sommeliers für das Spektakel – zur Freude der Gäste –, aber nur von wenigen wird es wettkampfmässig betrieben. Der Südtiroler Sommelier Mirko Rainer (45), der im Tessin das mitten in den Reben gelegene Ristorante Montalbano in Stabio und die Antica Osteria del Leone Barberini in Mendrisio betreibt, stellte 2014 seinen ersten Sabrage-Weltrekord auf: 64 Flaschen in einer Minute. Ein Jahr später musste er den Rekord wieder abgeben, holte ihn aber 2023 mit 68 Flaschen zurück.
Nun ist Mirko Rainer zur Höchstform aufgelaufen: In der Sektmanufaktur Winkler im Südtiroler Dorf Girlan (Gemeinde Eppan) brauchte er deutlich weniger als eine Sekunde pro Flasche und schaffte es, in einer Minute 96 Sektflaschen zu enthaupten. Weltmeisterlich! Das Spektakel mit Politprominenz, Jury und begeistertem Publikum hatte übrigens einen wohltätigen Zweck. Am Ende der Veranstaltung konnte die Vereinigung Kinderherz Südtirol einen Scheck von mehr als 14'000 Euro entgegennehmen.
Mit klarem Kopf und Sorgfalt
Der Weltrekordhalter, der «jobbedingt» zum Sabrieren gekommen ist, wie er sagt, liebt die schöne, elegante Seite der Sabrage. «Bei Hochzeiten, Jubiläen oder anderen Feiern ist das immer ein Höhepunkt, eine Show, die die Leute lieben», erzählt er uns. Doch wie übt er? «Vor einem Wettkampf arbeite ich viel mit Gewichten und trainiere Schnelligkeit, ansonsten öffne ich in unseren Restaurants bis zu 40, 50 Sektflaschen pro Abend mit dem Säbel, komme also nie aus der Übung…»
Mirko schreibt die Sicherheit gross, die seiner Gäste und seine eigene. «Eine Sektflasche steht unter einem Druck von 6 bis 7 Bar, das ist das Doppelte eines Autoreifens», gibt er zu bedenken, «da muss man schon sehr vorsichtig sein.» Er trägt immer lange Ärmel und weisse Handschuhe beim Sabrieren, «als Schutz, aber auch, weil das elegant aussieht». Die Flasche muss eiskalt sein, der Sabreur einen glasklaren Kopf haben. Sind diese Bedingungen erfüllt, sollte eigentlich nichts schiefgehen. Bloss schade, dass beim Köpfen immer ein Schwall des kostbaren Schaumweins in die Gegend gepfeffert wird…!