Darum gehts
- Nie wurde im Kanton Graubünden früher geerntet als 2026
- Die Trauben haben wenig Saft, entsprechend klein fällt der Ertrag aus
- Profitiert haben Syrah und Merlot, Pinot noir zählt zu den Verlierern
Grund für den frühen Lesebeginn war ein rascher Anstieg der Zuckerwerte, der eine vollständige physiologische Reife verhinderte. Um wenigstens die Säurestruktur und damit eine gewisse Saftigkeit zu bewahren, musste frühzeitig geerntet werden.
Für den Pinot noir bedeutet das einen Verlust: Die für die Sorte typische Feingliedrigkeit und Vielschichtigkeit entsteht laut Walter Fromm erst durch kühle Nächte, die 2026 gefehlt haben.
Unreifes Tannin durch die frühe Ernte sei vor allem dort ein Thema, wo Trockenstress zu einer eigentlichen Notreife geführt habe. In Graubünden sei dies jedoch die Ausnahme geblieben – ein Umstand, den er auch als Bestätigung dafür wertet, dass die betreffenden Lagen für den Weinbau grundsätzlich geeignet sind.
Im Keller empfiehlt es sich, zurückhaltend mit der Extraktion der Beerenhäute umzugehen. Zudem werde vermehrt auf Ganztraubenkelterung inklusive Stielen gesetzt, da diese in diesem Jahrgang gut verholzt und damit reif genug für den Einsatz sind.
Kleinere Menge, konzentrierte Weine
Trotz eines guten Fruchtansatzes fällt die Erntemenge kleiner aus als erwartet. Wassermangel liess die Beeren klein und dickschalig bleiben, was zu einer hohen Extraktkonzentration führt. Fromm erwartet deshalb schwere, aber nicht zwingend tiefe Weine mit guter Struktur und Samtigkeit. Eine genaue Zahl zum Mengenrückgang lässt sich derzeit noch nicht nennen, da dieser je nach Lage unterschiedlich ausfällt.
Gewinner und Verlierer unter den Sorten
Spätreifende Sorten wie Merlot und Syrah profitieren von den diesjährigen Bedingungen und erreichen laut Walter Fromm mittlerweile Qualitäten, die international mithalten können. Der grosse Verlierer des Jahrgangs ist demgegenüber der Pinot noir, der mit den herrschenden Bedingungen deutlich weniger gut zurechtkommt. Insgesamt dürfte 2026 dennoch zum Publikumsliebling werden – weniger bei anspruchsvollen Pinot-noir-Kennern, dafür umso mehr beim breiten Publikum.
Frühester Lesebeginn seit Messbeginn
2026 markiert den frühesten Lesebeginn seit Beginn entsprechender Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Fromm geht davon aus, dass solch frühe Jahrgänge künftig häufiger auftreten werden – ein neues Normal, auf das sich der Weinbau einstellen muss.
Als kantonaler Betrieb übernimmt der Plantahof dabei eine Vorreiterrolle: Es werden Versuche in verschiedene Richtungen unternommen, deren Erkenntnisse anschliessend an die Winzerinnen und Winzer weitergegeben werden. Im Zentrum stehen unter anderem folgende Massnahmen: regenerative Landwirtschaft, damit die Böden mehr Wasser speichern können, Einsatz resistenter Unterlagen für die Rebstöcke bezüglich Trockenheit, Kultivierung niedrigerer, kleinerer Laubwände, um Fotosynthese und dadurch Reifung zeitlich hinauszuzögern.
Bei der Sortenwahl bleibt man in ständiger Weiterentwicklung; ein verstärkter Fokus auf Merlot und Syrah gegenüber bisherigen Anteilen ist denkbar. Weissweinsorten liegen bereits seit rund 15 Jahren im Trend.