Darum gehts
- Corpinnat ist eine europäische Kollektivmarke und konkurriert den Kontrollrat der DO Cava
- Mittlerweile haben viele katalonische Kellereien vom DO-System zu Corpinnat gewechselt
- Nun schliesst sich als 22. Mitglied ein Branchenriese der Organisation an
«Xampagny» hiessen die ersten in Katalonien produzierten Schaumweine. Die Produktionsabläufe in den 1870ern waren gleich wie in der Champagne. Fertige Weine wurden assembliert und durchliefen die zweite Gärung in der Flasche.
Verschieden waren nur die Sorten. Im katalonischen Weingebiet Penedès nahe Barcelona wurden hauptsächlich die weissen Trauben Parellada, Xarel.lo und Macabeo versektet. Den Namen «Cava» erhielt der Schaumwein erst im Jahr 1959.
Kein zusammenhängendes Cava-Gebiet
1972 wurde «Cava» zur geschützten Bezeichnung für alle spanischen Schaumweine, die mit der traditionellen Flaschengärmethode produziert wurden.
1986 erhielt Cava das DO-Siegel als geschützte Herkunftsbezeichnung. Fortan orientierte sich die Kontrollbehörde an den geografischen Regionen.
Mit 95 Prozent der Produktion ist Katalonien die spanische Schaumweinhochburg. Doch auch in bestimmten Gemeinden im Ebro-Tal, im Hinterland von Valencia und in der Extremadura an der Grenze zu Portugal gehört die Cava-Herstellung zur Weintradition. Darum ist die Cava-Geografie mittlerweile in vier Zonen und sieben Subzonen unterteilt.
Corpinnat als Gegenbewegung
In den Jahren 2017 und 2018 formierte sich in Katalonien eine Gegenbewegung, der die Produktionsregeln der DO Cava zu lax und die Promotion der Schaumweinregionen ausserhalb des Penedès-Gebietes ein Dorn im Auge waren. Die Organisation «Corpinnat» wurde im April 2018 gegründet und setzt sich aus den Worten «Cor» (Herz), «Pinna» (sprachlicher Ursprung des Wortes Penedès) und «nat» (geboren) zusammen.
Die Corpinnat-Produktionsregeln sind strenger. Um nur ein paar zu nennen: Die Trauben müssen biozertifiziert sein, in der Cuvée müssen hauptsächlich die traditionellen katalanischen Sorten vertreten sein, das Gebiet beschränkt sich auf die historische Schaumweinregion innerhalb der DO Penedès und die vorgeschriebene Mindestlagerzeit auf der Hefe ist mit 18 Monaten doppelt so lange wie jene der DO Cava.
Kollektivmarke statt DO Cava
Mit dem Wechsel zu Corpinnat — die Organisation ist als europäische Kollektivmarke eingestuft — verlieren die Kellereien das Recht auf die Bezeichnung DO Cava für ihre Schaumweine. Das wurde 2017 so festgelegt.
Mit Juvé y Camps verlässt nun ein weiterer Traditionsbetrieb die DO Cava und wird zum 22. Mitglied bei Corpinnat. Das dürfte der DO Cava wehtun, denn mit dem Verkauf von Kontrollsiegeln verdient die Aufsichtsbehörde an jeder Flasche mit.
«Streben nach Spitzenleistungen»
Juvé y Camps erzielte 2025 einen Umsatz von 27 Millionen Euro, schaffte 2026 den Sprung in die Liste der «World's most Admired Wine Brands» und ist in dieser Auswahl der bestplatzierte Schaumweinproduzent ausserhalb der Champagne.
«Dieses neue Kapitel stellt eine natürliche Weiterentwicklung unserer Geschichte dar und ist ein klarer Ausdruck der Werte, von denen wir uns seit über einem Jahrhundert leiten lassen: Respekt vor dem Land und das Streben nach Spitzenleistungen», schreibt Joan Juvé, der das Familienunternehmen in der dritten Generation präsidiert, in der Pressemitteilung.