Darum gehts
- Der Ursprung der Familie Palacios liegt in der Rioja Oriental
- Ihr Können prägt seit über dreissig Jahren auch andere spanische Weinregionen
- Egal wo die Familie wirkt: Grosse Weine im Glas sind garantiert
«Ich würde nie in eine Weinregion gehen, wo vorher keine Mönche waren», erzählt Álvaro Palacios und schwenkt den 2021er Rioja Finca La Montesa im Glas. Die Garnacha-Trauben wachsen in der Rioja Oriental, am Fusse des Monte Yerga. Auf dem Berg errichteten Mönche im 13. Jahrhundert einen Zisterzienserhof, doch das raue Klima zwang die Ordensbrüder ins Tal. Dort gründeten sie das Kloster von Fitero.
Der warme Einfluss des Mittelmeers ist in der Rioja Oriental spürbar. Warme, trockene Sommer sowie die lehm- und eisenhaltigen Schwemmlandböden des Flusses Ebro sind ein besseres Terroir für Garnacha als für Tempranillo. In dieser Region liegt der Ursprung des Familienunternehmens, das heute weit über die Grenzen der Rioja hinaus wirkt.
Transzendenz und Wein gehören zusammen
Für Álvaro, der als Önologe auf Château Pétrus in Pomerol und auf Stag's Leap in Kalifornien arbeitete, sind Transzendenz und Wein fest miteinander verwoben. Vielleicht war das mit ein Grund, in den späten 1980ern im Priorat – hier wirkten französische Mönche – nach Rebparzellen Ausschau zu halten, die als unrentabel galten, weil sie schwer zu bewirtschaften sind.
Das Priorat liegt nahe Barcelona und grenzt ans Mittelmeer, das wie ein «grosser, reflektierender Spiegel Licht in die Landschaft bringt», erklärt Álvaro seine Passion für die Region und beschreibt die Gegend als «ein kleines Universum mit übernatürlichen Kräften».
Steile Parzellen, wenig Ertrag
In den steilen Parzellen rund um das Dorf Gratallops sind die Erträge so winzig, dass man jeden Zweifler an der Rentabilität eines solchen Unterfangens verstehen könnte, wenn da nicht diese grossartigen Rotweine aus Garnacha, Cariñena und einem kleinen Anteil weisser Sorten wären.
Sie duften nach dunklen Beeren, Schwarzkirschen, Veilchen und Gewürzen. Das klingt nach schweren Weinen. Doch dank der seidigen Tannine und der schön eingebundenen Säure scheinen die Weine am Gaumen zu schweben und vermitteln Eleganz und Leichtfüssigkeit.
Mit Weinen wie Finca Dofí oder L'Ermita rückte Álvaro, gemeinsam mit anderen Winzern, das Priorat in den Fokus der internationalen Weinwelt. Die Böden aus Schiefer oder Granit, die verschiedenen Ausrichtungen der Berghänge prägen die einzelnen Crus der Gegend.
Álvaros Neffe keltert Weine im kühlen Westen
Bierzo heisst die kleine Weinregion in Galizien, im Nordwesten Spaniens, wo der Atlantik das Klima beherrscht. Hier regnet es mehr, hauptsächlich im Herbst und Winter. Bevor die grosse Feuchtigkeit einsetzt, müssen die Trauben gelesen werden. Bierzo gilt als Region mit dem grössten Bestand alter Reben weltweit. Die rote Sorte Mencía soll von Jakobsweg-Pilgern in die Gegend gebracht worden sein.
Bierzo und Mencía sind seit 25 Jahren die grosse Passion von Ricardo Pérez Palacios, Álvaros Neffen. Mencía wächst in den Hügeln in verschiedenen Varianten. Bislang lassen sich acht verschiedene Typen klar unterscheiden.
Ricardo keltert aus der (noch) wenig bekannten Sorte Weine, die sich wie kühle Seide an den Gaumen schmiegen, die nach rotbeerigen Früchten und balsamischen Gewürzen duften und ideale Speisebegleiter sind. Sie harmonieren zu Fischgerichten und nehmen den typischen, deftigen Eintopfgerichten der Region die Schwere.