Darum gehts
- Bahnhofsbrache in Südlondon wurde mit Rebstöcken begrünt
- Jetzt kommen die Bacchus-Reben in den Ertrag
- Man rechnet mit 22 Flaschen Château Denmark Hill, deren Verwendung noch unklar ist
Englands Rebbau wächst. Seit 2019 hat sich die Rebfläche im Königreich fast vervierfacht und liegt aktuell bei 4840 Hektar. Die fünf Anbaugebiete konzentrieren sich auf den Süden.
Neu mischt auch London bei der Weinproduktion mit, wenn auch nur in homöopathischen Dosen. An exponierter Lage oberhalb der Gleise der Denmark Hill Station stehen 30 Rebstöcke, die von vorbeirauschenden Zügen ordentlich durchgeschüttelt werden.
Aufwertung von Brachen
Englands erster Bahnhofswein ist ein Herzensprojekt, angeregt von der Camberwell Society, die sich um Aufwertung und Begrünung der weniger schönen Ecken des gleichnamigen Stadtteils kümmert.
Kleine Brachen bei den Schienen gehören dazu. Auf denen blühen nun Lavendelbeete und stehen Kunstobjekte.
Steiles Bord mit Bacchus bepflanzt
Eine Knacknuss für die Gestalter war das steile Bord nahe der Gleise. Mit Erlaubnis von Network Rail – das Unternehmen besitzt und wartet das Schienennetz im ganzen Land – wurde der steile Hangabschnitt mit Rebstöcken der Sorte Bacchus bepflanzt.
Die Müller-Thurgau-Kreuzung ist in England sehr beliebt. Sie ist einfach zu pflegen, verzeiht auch Anfängerfehler und reift früh. Dieses Jahr kommen die Rebstöcke erstmals in den Ertrag. Erwartet werden Trauben für schätzungsweise 22 Flaschen Wein.
Verkauf oder Uustrinkete?
Was genau mit dem Premieren-Jahrgang passieren soll, ist noch unklar. Weil die Camberwell Society eine gemeinnützige Organisation ist, werden die Flaschen eher nicht verkauft.
Doch der lebendige Stadtteil ist bekannt für seine schnell wachsende Foodie-Szene, und die weiss bestimmt etwas mit den Flaschen anzufangen. In der Schweiz würde man zur Uustrinkete einladen.