Wau im Schnee
Sind Hunde-Mänteli für die Katz?

Für Katzen bedeuten solche Aktivitäten und Kleider puren Stress, warnt der Schweizer Tierschutz. Bei Hunden ist Wintersport nur angepasst an deren Bedürfnisse sinnvoll – nicht an Internet-Trends. Lucia Oeschger vom Schweizer Tierschutz ordnet den Social-Media-Hype ein.
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Ein Tiktok-Account zeigt eine Katze beim Schlittenfahren. In der Beschreibung wird sie als «Adventure Cat» bezeichnet.
Foto: Zvg

Darum gehts

  • Haustiere sind in den sozialen Medien mit Bekleidung beim Wintersport zu sehen
  • Biologin des Schweizer Tierschutzes gibt Einschätzung zu diesen Trends
  • Katzen mögen keine Abenteuer, Hunde sind individueller
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Eine Skifahrerin flitzt die Piste hinunter, mit Helm und verspiegelter Skibrille. Aber sie ist nicht allein – auf ihrem Rücken trägt sie im Rucksack ihren Hund mit. Auch er trägt eine Skibrille und scheint an der Abfahrt Spass zu haben, bei jeder Kurve wippt er leicht mit.

Solche Szenen finden sich zuhauf auf Plattformen wie Instagram oder Tiktok. Wer länger durch diese Videos scrollt, stösst schnell auf immer absurdere Bilder: Hunde, die sogar selbst auf Ski stehen, und Katzen, die Schlitten fahren. Und fast immer sind die Tiere dabei auffallend menschlich ausgestattet – mit Jacken, Schuhen und Brillen. Doch wie viel Schutz brauchen Hunde und Katzen im Winter tatsächlich? Und welche Aktivitäten sind für sie sinnvoll – oder überhaupt verantwortbar?

Katzen meiden Abenteuer

«Bei Katzen ist das ein No-Go», sagt Lucia Oeschger (40), Biologin von der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutzes (STS). Wintersportaktivitäten, Ausflüge in Menschenmengen oder gar Katzen auf Schlitten oder Ski – für die Tiere sind solche Abenteuer alles andere als ein Vergnügen. Katzen lieben Kontrolle, Routine und brauchen stets Rückzugsmöglichkeiten. Nicht Lärm, Tempo oder ungewohnte Situationen. «Für Katzen kann so etwas sehr schnell zum Stress werden», sagt Oeschger.

Zwar können Katzen Kälte empfinden und frieren, doch das bedeutet nicht, dass sie eingepackt oder nach draussen gezerrt werden sollten. «Viele Katzen schätzen im Winter die Wärme», so Oeschger. Was besonders Freigänger brauchen, sind geschützte Rückzugsorte: zugluftfreie Räume, weiche Liegeplätze, Ruhe. Keine Skipisten, keine Menschenmengen, kein Abenteuer. «Katzen sind sehr ortstreu und stark an ihr Revier gebunden. Ortswechsel in fremde Gebiete sind daher für sie mit viel Stress und Angst verbunden und keineswegs eine positive Abwechslung oder Bereicherung ihres Alltags, wie es von Besitzern dargestellt wird, die ihre Katzen überallhin mitnehmen.»

Besonders kritisch sieht die Biologin den Boom von Katzenbekleidung. «Mänteli bei Katzen sind nicht tierschutzgerecht. Die meisten Katzen vertragen das schlecht.» Kleidung schränkt die Bewegung ein, irritiert die Wahrnehmung und löst oft Stress aus. Dass Katzen dabei stillhalten, wird häufig als Gelassenheit missinterpretiert. In Wahrheit handelt es sich oft um Überforderung oder Erstarren. «Ein Mänteli ist bei Katzen strikt abzlehnen», sagt Oeschger.

Hunde brauchen Augenmass

Bei Hunden sieht das anders aus. Wintersport mit Hund ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, soll aber gut überlegt sein. «Da muss man immer auf den einzelnen Hund eingehen», so Oeschger. Entscheidend ist, dass der Hund körperlich und mental nicht überfordert wird und die Aktivität zu ihm passt. «Schneeschuhwanderungen eignen sich eher.» Ausgefallenere Aktivitäten wie Skifahren mit dem Hund bergen hingegen Risiken. «Da stellt sich die Frage, ob der Hund eine Gefahr für andere ist – oder umgekehrt.»

Und auch bei den geeigneteren Aktivitäten wie Spaziergängen und Wanderungen gelte es, Rücksicht zu nehmen. Leinenpflichten und Wildruhezonen müssen eingehalten werden. «Wenn Hunde Wildtiere jagen, kann der Energieverlust für diese im Winter tödlich sein.» Wichtig sei zudem der richtige Umgang draussen. Hundehalter sollten ihre Tiere im Winter aufmerksam beobachten und reagieren, wenn sie frieren. Bewegung helfe, warm zu bleiben, längere Pausen im Freien sollten bei empfindlichen Hunden vermieden werden.

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Zu tierischer Bekleidung sagt Oeschger: «Manchmal steht es den Hunden ins Gesicht geschrieben, dass sie damit nicht glücklich sind. Nicht alles dient dem Tierwohl.» Kleidung könne sinnvoll sein, etwa bei alten, kranken oder sehr kälteempfindlichen Hunden. Besonders kleinere Hunde und Extremzuchten frieren schneller als grosse Tiere. Dann müsse die Bekleidung aber funktional sein und tatsächlich vor Kälte schützen.

Was auf Social Media und in Onlineshops als «süss» verkauft wird, ist nicht selten Tierquälerei. «Nicht alles, was im Internet erhältlich ist, ist tierfreundlich», sagt Oeschger. Gerade Katzen mit Jacken, Brillen oder Schuhen seien ein Beispiel dafür, wie Tiere für Klicks vermenschlicht werden – ohne Nutzen für sie selbst.

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