Start am 1. August
«Nasib» ist die erste islamische Dating-Plattform der Schweiz

Emre Argön ist ein umtriebiger Mann. Sein Halal-Gym wartet immer noch auf die Eröffnung, doch er hat bereits ein neues Ass im Ärmel: «Nasib», die erste islamische Matchmaking-Plattform der Schweiz, startet am 1. August. Auf der Warteliste stehen bereits über 500 Namen.
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«Nasib» richtet sich explizit an Moslems, die in der Schweiz leben.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die erste muslimische Dating-Plattform für Schweizer mit Heiratsfokus befindet sich in der Testphase
  • Die Plattform verbindet Algorithmen und manuelle Prüfung – das Treffen erfolgt nur an neutralen Orten
  • Emre Argöns zweites Projekt, ein Halal-Gym, wartet noch auf die Baugenehmigung
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Sandra CasaliniRedaktorin

Auf Arabisch bedeutet «Nasib» Bestimmung. Im Islam steht der Begriff für den Glauben, dass das, was für einen bestimmt ist, zur richtigen Zeit passieren wird. Dabei spreche überhaupt nichts dagegen, seinem «Nasib» etwas auf die Sprünge zu helfen, meint Emre Argön (32) lachend. «Ich kann ja auch nicht zu Hause sitzen und nicht arbeiten und darauf warten, dass das Geld mich findet.» Mit der Liebe sei es ähnlich.

Hinter «Nasib» steckt Emre Argön, Zürcher mit türkischen Wurzeln, Betriebswirtschaftler, verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
Foto: zVg

Emre Argöns Grosseltern emigrierten aus der Türkei in die Schweiz. «Ich gehöre zu einer Generation, die mit einem Mix aus kulturellen Werten aufgewachsen ist. Familiäre und religiöse Hintergründe spielen eine grosse Rolle, aber gleichzeitig lebe ich die Schweizer Kultur, die mich geprägt hat. Das ist ein Teil von mir. Solche wie mich gibt es viele.» Die unterschiedlichen islamischen Gemeinschaften in der Schweiz seien untereinander nicht besonders gut vernetzt, weshalb man oft nur Menschen aus der eigenen Community kennt. Als Emre vor acht Jahren seine Frau, eine Tunesierin, heiratet, wird das Paar mit Verkuppelungswünschen aus dem privaten Umfeld überschwemmt.«Wir haben das eine Weile lang versucht, aber es ist mühsam, aufwendig, und wenns nicht klappte, waren immer wir schuld», meint Emre Argön. Aber der ausgebildete Betriebswirtschaftler erkennt die Nische – so entsteht die Idee für «Nasib».

Kein Swipen, keine Kontaktdaten im Voraus

Zwar gibt es bereits muslimische Dating-Apps wie «Muzz» oder «Love Habibi». Diese sind, wie ihre Pendants «Tinder» oder «Bumble», international und funktionieren auch ähnlich. Emre Argön möchte mit «Nasib» etwas anderes: «Dating funktioniert heute oft wie Onlineshopping. Aber das Leben ist zu kurz, um es mit Swipen zu verbringen.» Wer sich auf «Nasib» registriert, sucht jemanden zum Heiraten, und zwar jemanden, der oder die nicht nur zu einem selbst passt, sondern auch zu den Vorstellungen der Familie. Im Profil gibt man Vorlieben und Wünsche an, Vorschläge werden algorithmisch generiert und anschliessend manuell geprüft. Der grosse Unterschied zu konventionellen Dating-Seiten: Das Profil ist nicht öffentlich, nur der Match sieht es. Dabei werden weder Nachname noch Kontaktdaten verraten oder ausgetauscht, sondern sofort ein Treffen in einem Café vereinbart, das zum Netzwerk von «Nasib» gehört – falls beide damit einverstanden sind. Möchte man sich danach nicht mehr sehen, kann man nach einem neuen Match fragen – es gibt nie zwei gleichzeitig.

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Genauso wichtig wie die Seriosität ist Emre Argön der Schweizer Aspekt. «Wir richten uns an Menschen, denen ihre Religion wichtig ist und die gleichzeitig in der Schweiz verwurzelt sind.» Rollenbilder seien im Wandel. «Frauen arbeiten, Männer beteiligen sich an Haushalt und Kindererziehung – es ist wichtig, dass solche Werte auf beiden Seiten gleich sind. Das geht übrigens auch nicht gegen den Islam.» Aus diesem Grund bietet die Plattform auch Ehekurse an. Was man dort lernt? «Vor allem eines», sagt Argön: «Dass man mit dem Partner oder der Partnerin reden muss. Und zwar über alles. Über Geld. Über Kindererziehung. Über Partnerschaft.»

Förderung einer Parallelgesellschaft?

Noch ist «Nasib» in der Testphase mit etwa 40 Personen, erste Treffen finden dieser Tage statt. Registriert haben sich bereits über 500 Leute, die Namen stehen auf einer Warteliste. Altersmässig sei da alles dabei, von sehr jungen Menschen bis zu älteren Geschiedenen mit Kindern. Die Plattform soll am 1. August live gehen. Auch Emre Argöns zweites Projekt steht noch in den Startlöchern: Das «954 Studio», das erste Halal-Gym der Schweiz in Dietikon ZH, wartet immer noch auf den Bauentscheid. «Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bald eröffnen.»

Den Vorwurf, mit seinen Projekten eine Parallelgesellschaft zu fördern, lässt Emre Argön nicht gelten. «Im Gegenteil, es geht ja gerade um Integration und darum, unsere Religion und Kultur so zu leben, dass sie mit Schweizer Werten vereinbar sind.» Für sein Gym habe er den Begriff «Halal» bewusst gewählt, denn Provokation verkauft halt besser, sagt Argön lachend. «Am Ende geht es vor allem darum, dass Frauen getrennt von Männern trainieren können. Von den Anmeldungen, die wir haben, sind 90 Prozent Frauen – darunter auch viele Nichtmusliminnen.»

Bleibt nur noch eine Frage offen: Wie hat eigentlich Emre seine Frau kennengelernt, mit der er mittlerweile zwei Töchter hat? Ganz ohne Dating-Plattform? «Ich kannte jemanden aus ihrer Familie, der sie mir vorgestellt hat.» So einfach kanns sein.

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