Darum gehts
- Dating-Trends 2026: Ehrlichkeit und Klarheit gewinnen an Bedeutung
- Curveball-Crushing: Singles daten ausserhalb ihres üblichen Beuteschemas
- 42 Prozent der Nutzer erfahren, dass Anziehung erst mit der Zeit entsteht
Letztes Jahr war geprägt von fragwürdigen Dating-Trends. Beim Shrekking suchten wir uns bewusst weniger attraktive Partnerinnen oder Partner aus, Bencher setzten ihre Liebeskanditatinnen monatelang auf die virtuelle Ersatzbank, und Floodlighting bescherte manchem potenziellen Paar eine Pseudo-Intimität, bis zum schmerzhaften Erwachen. Geghostet – also irgendwann einfach ignoriert – wurden nach wie vor ziemlich viele Partnersuchende. Kein Wunder, setzten am Ende immer mehr auf Dating Detox und verzichteten ganz aufs Daten. Was kommt 2026? Das sagen Tinder, Pinterest und Co.
Kryptische Ansagen à la «finds selbst raus» oder kunstvoll verzierte Profilbilder finden immer weniger Anklang. Zumindest wenn es nach der Dating-App Tinder geht, gilt 2026: Du kriegst, was du siehst. «Singles suchen immer mehr nach Ehrlichkeit. Sie haben keine Lust mehr, jede Nachricht entziffern zu müssen und jeden Match ewig zu analysieren», sagt Tinder-Marketingchefin Melissa Hobley. Der Trend: ehrlich sagen, was man sucht und will. Gemäss Tinder-Umfragen sagen 64 Prozent der Userinnen und User, Ehrlichkeit sei ihnen beim Daten am wichtigsten, und 60 Prozent finden klare Kommunikation unverzichtbar. Damit einher geht der zweite grosse Tinder-Trend: Hot-Take-Dating. Der Grundton: Meinung – auch politische – ist wichtig und darf geäussert werden. Auf die Gefahr hin, dass es nicht passt: 41 Prozent der Singles sagen, sie würden niemanden mit gegensätzlichen politischen Ansichten daten.
Zu ähnlichen Resultaten wie bei Tinder führen die Umfragen der App Plenty of Fish unter fast 6000 US-Singles. «Sie bevorzugen Klarheit und Ehrlichkeit gegenüber oberflächlichen Regeln und Checklisten», sagt Rachel DeAlto, Dating-Expertin der App. Das führe unter anderem dazu, dass immer mehr Menschen bereit seien, ausserhalb ihres «Beuteschemas» zu daten. Diesem Phänomen hat Plenty of Fish den Namen «Curveball-Crushing» verpasst. Gemäss Umfrage haben 42 Prozent der Userinnen und User die Erfahrung gemacht, dass Anziehung erst über eine gewisse Zeit entsteht. So kann es dann gemäss der App auch zu «ChemRIZZtry» kommen, nämlich einer total unerwarteten Chemie. Immerhin ein Viertel der Befragten gibt an, das sei ihnen schon mal passiert.
Pinterest sagt für 2026 eine grundsätzliche Trendmüdigkeit voraus. Die Menschen würden vermehrt nach Authentizität und Optimismus suchen, um der ständigen Reizüberflutung entgegenzuwirken. Dazu gehört auch, nicht mehr zu weit in die Zukunft zu schauen, sondern das Hier und Jetzt zu geniessen. Auch in Sachen Dating: Man sieht die Dates zwar durchaus positiv, macht aber keinen klassischen Fünfjahresplan. Geerdeter Optimismus eben.
Andrea McGinty, von amerikanischen Medien «Godmother of Modern Dating» genannt, schreibt auf ihrer Datingplattform 33000dates.com von einer «neuen Dating Revolution» der Babyboomer und Generation X. Gemäss ihr schwören immer mehr Leute in ihren Zwanzigern und Dreissigern den Dating-Apps ab, während Singles zwischen 45 und 65 immer aktiver werden in der Onlinedatingwelt. Sie suchen feste Beziehungen und sind auch offen für eine (erneute) Ehe. «Diese Generationen sind mental sehr jung und möchten auch ihre zweite Lebenshälfte noch mit einer Partnerin oder einem Partner verbringen», so McGinty über die «Gray Dater».
Noch nie war Individualität so wichtig wie heute. Gemäss Anisa Hassan, CEO der asiatischen Datingplattform Date High Flyers International, wird 2026 eine neue Liebe nicht unbedingt bedeuten, dass man sich ein gemeinsames Leben aufbaut. Karriere, Kinder, Routinen bleiben gleich, die Zeit mit dem Partner oder der Partnerin findet daneben statt – je nachdem auch in unterschiedlichen Städten oder gar Ländern. «Gerade erfolgreiche Menschen suchen immer öfter emotionale Sicherheit ohne Co-Abhängigkeit», sagt Hassan. «Sie entscheiden sich für die Liebe, aber ohne ihren Lifestyle dafür zu ändern.»