Onlyfans-Agentin verrät, wofür Kunden wirklich zahlen
«Männer wollen mehr als nackte Haut»

Sex sells! Über sechs Milliarden Franken lassen Kunden jährlich auf Onlyfans liegen. Eine Goldgrube für Anbieterinnen erotischer Inhalte. Lea Goldstein war eine von ihnen, heute betreut ihre Agentur sogenannte Creatorinnen beim Aufbau einer erfolgreichen Karriere.
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Lea Goldstein war selbst Onlyfans-Creatorin, bevor sie ihre eigene Agentur gründete.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Onlyfans zählt aktuell 377,5 Millionen Benutzerkonten und über 4,5 Millionen Creators
  • Lea Goldstein startete 2021 und betreibt heute die Agentur Celeb Club
  • Im Interview spricht sie über Nahbarkeit, Illusion und Fremdgehen
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Sandra CasaliniRedaktorin

Exklusive Inhalte wie Fotos und Videos gegen Bezahlung: Das ist die Idee von Onlyfans. Die Plattform startete 2016 mit Musikern und Influencerinnen. Der Erfolg stellte sich aber erst ein Jahr später ein, als auch erotische und pornografische Inhalte zugelassen wurden. Die Zahl der Nutzer stieg innerhalb eines Jahres von 100’000 auf 1 Million an, aktuell sind 377,5 Millionen Benutzerkonten registriert. Parallel dazu hat die Anzahl der Creatorinnen und Creatoren (also jene, die die Inhalte erstellen) auf gegenwärtig über 4,5 Millionen zugenommen. 

Lea Goldstein (29) begann ihre Onlyfans-Karriere 2021. Ein Job, bei dem sie nicht mehr so ortsgebunden ist und reisen kann, war eines der ausschlaggebenden Kriterien für sie. Und natürlich die Aussicht, mehr zu verdienen. «Ich bin ein offener und neugieriger Mensch, also probierte ich es einfach mal aus.» Es hat funktioniert. Mittlerweile ist Goldstein nicht mehr selbst als Creatorin tätig, sondern hilft mit ihrer Agentur Celeb Club Creatorinnen aus dem deutschsprachigen Raum dabei, ihre Onlyfans-Karriere voranzutreiben. 

Von der Creatorin zur Agenturchefin

Lea Goldstein (29) ist ausgebildete Physiotherapeutin und hat einen Bachelor in Marketing und Kommunikation. 2021 begann sie ihre Onlyfans-Karriere als Creatorin, 2023 gründete sie ihre Agentur Celeb Club, die Creatorinnen aus dem deutschsprachigen Raum betreut. Lea lebt in Süddeutschland.

Lea Goldstein ist eine der wenigen weiblichen Agentur-Inhaberinnen im Onlyfans-Geschäft.
Zvg

Lea Goldstein (29) ist ausgebildete Physiotherapeutin und hat einen Bachelor in Marketing und Kommunikation. 2021 begann sie ihre Onlyfans-Karriere als Creatorin, 2023 gründete sie ihre Agentur Celeb Club, die Creatorinnen aus dem deutschsprachigen Raum betreut. Lea lebt in Süddeutschland.

Blick: Frau Goldstein, wie lange ist es gegangen, bis Sie von Onlyfans leben konnten?
Lea Goldstein:
Geld verdient habe ich recht schnell. Bis ich davon leben konnte, dauerte es etwa ein halbes Jahr. 

Es gibt Millionen Creatorinnen auf Onlyfans, viele davon verdienen kaum Geld. Was haben Sie besser gemacht als andere?
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man authentisch ist, dabei aber auch seine Einzigartigkeit hervorhebt. Ich mache viel Sport, bin naturverbunden und nahbar – auch für Männer. Eine normale Frau ohne extrem hohe Ansprüche, mit der man sich auch mal unterhalten und austauschen kann, zieht viele Männer mehr an als klischeehafte Onlyfans-Girls mit perfekten Körpern. 

Welcher Typ Mann ist Onlyfans-Kunde?
Jeder Erwachsene über 18. Businessman, Student, Familienvater, Single. Einer ist einfach neugierig, ein anderer hat irgendeinen Fetisch, den er da vielleicht austesten kann. Es gibt für alle etwas.

Was hatten Sie so für Kunden?
Ebenfalls bunt gemischt. Vielleicht etwas sportlicher und sportinteressierter als der Durchschnitt und deshalb von einer sportlichen Frau angezogen. 

Nackte Haut gibts online haufenweise gratis, auf Onlyfans zahlen Millionen Männer viel Geld dafür. Warum?
Eben für dieses Nahbare. Pornografie ist oft perfekt und auf Hochglanz poliert, das ist für viele gar nicht so spannend, wie man denkt. Oft folgen Kunden bestimmten Creatorinnen bereits auf anderen Plattformen wie Instagram und haben auf Onlyfans die Chance, mehr von ihnen zu sehen und mit ihnen in den tieferen Austausch zu kommen. 

Wie beschreiben Sie das Verhältnis von Creatorinnen zu Kunden?
Respektvoll. Als Creatorin freut man sich über die Aufmerksamkeit. Es ist schon ein kleiner Ego-Push, wenn man weiss, dass einen viele Männer toll finden.

Haben Sie auch mal Mitleid mit Menschen, die Nähe und Sex online suchen, weil sie vielleicht im echten Leben nicht richtig kommunizieren können?
Nein. Ich sehe ja, dass die nicht alle total kommunikationsunfähig sind. Wir haben alle grosse Angst vor Ablehnung, viele Männer trauen sich kaum, eine Frau anzusprechen. Auf Onlyfans merken viele, dass es gar nicht so schwierig ist, sich mit einer Frau auszutauschen.

Also eine Starthilfe fürs Daten im echten Leben? Haben Ihnen Männer tatsächlich solche Geschichten erzählt?
Ja. Es gab zum Beispiel mal einen, der schon lange eine Arbeitskollegin toll fand und sich dann endlich traute, sie anzusprechen. 

Warum, glauben Sie, bekämpfen Männer Einsamkeit mit sexuellen Inhalten?
Ich glaube nicht, dass Einsamkeit der Hauptgrund ist, dass Männer auf Onlyfans sind.

Sondern?
Die meisten sind neugierig. Sie sehen etwas beziehungsweise jemanden, der ihnen gefällt, und wollen mehr von dieser Person, auf kommunikativer und auf sexueller Ebene. 

Warum gibt es eigentlich keine Männer, die Onlyfans für Frauen machen, und Frauen, die das so häufig konsumieren wie Männer?
Es gibt männliche Creators, aber die meisten machen wohl nicht unbedingt Inhalte für Frauen. Wir Frauen haben unsere Fantasien in unseren Köpfen. Ich persönlich schaue auch keine Pornos. Männer sind halt visueller, die brauchen was für die Optik. Deswegen funktioniert das viel besser für Männer. Zudem geht es in diesem Zusammenhang auch um Masturbation, was für Männer total salonfähig ist, für Frauen überhaupt nicht. 

Trotzdem ist die Nahbarkeit auf Onlyfans eine Illusion. Warum geben sich Männer dieser so bereitwillig hin?
lch glaube, es geht zu einem guten Teil genau darum. Die meisten sind sich der Illusion bewusst und suchen sie sogar. Was nicht echt ist, ist nicht verbindlich. Das ist für viele sehr angenehm.

Ist der Austausch mit einer Onlyfans-Creatorin Fremdgehen für Sie?
Nein. Pornokonsum auch nicht. 

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Pornos werden konsumiert, auf Onlyfans aber sucht man eine Verbindung – das ist schon etwas anderes.
Es gibt auch viele, die nur schauen und nicht in den Austausch gehen. Und bei den anderen bleibts ja auch beim Onlinekontakt. 

Der Onlinekontakt der Creatorinnen ist ja mit vielen Followern nicht persönlich, sondern wird von sogenannten Chattern betrieben. Warum machen die Männer das, wenn sie doch wissen, dass sie da irgendjemand anderes bei der Stange hält?
Wie gesagt, für viele ist die Illusion willkommen. Sie machen sich gar nicht gross Gedanken darüber, wer da in Wirklichkeit am anderen Ende der Verbindung ist. 

Je nachdem ist das ja nicht mal ein Mensch. Es gibt mittlerweile nicht nur Bots, die mit Kunden chatten, sondern auch KI-Creators. Ist das eine Gefahr für Ihr Business?
Aktuell glaube ich nicht. Die Illusion, der man folgt, ist ja die Interaktion, nicht die Person. Ausstrahlung, Persönlichkeit und tiefgründige Gespräche können nicht von KI ersetzt werden.

Warum haben Sie damit aufgehört, selbst Inhalte auf Onlyfans anzubieten?
Ich habe von Anfang an mit Agenturen zusammengearbeitet, in denen fast nur Männer tätig waren. Das war ein ausschlaggebender Grund, dass ich Celeb Club gegründet habe. Als Frau und ehemalige Creatorin kann ich Frauen ganz anders unterstützen als ein Mann. Zudem habe ich gemerkt, dass ich strategisch grosse Stärken habe und mir das auch Spass macht. Ich fokussiere mich ganz auf die Creatorinnen der Agentur.

Nach welchen Kriterien nehmen Sie jemanden in Ihre Agentur auf?
Am wichtigsten sind die Gründe, warum die Frau Onlyfans machen will. 

Sind die nicht alle gleich? Geld.
Das stimmt, aber es darf nicht der einzige Grund sein. Wer so schnell wie möglich seine Schulden decken will, sollte etwas anderes machen. Ich rate davon ab, aus Geldmangel Dinge zu tun, die man sonst nie machen würde. Man muss sich gerne zeigen und die ganze Sache auch spannend finden.

Vermissen Sie es, sich vor der Onlyfans-Kamera auszuziehen?
Manchmal schon. Aber ich mache die Bilder jetzt für meinen Freund, das ist noch besser. 

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