Ferien ohne Erwartungen
Nichts ist schwieriger, als nichts zu tun

Die Faulheit gehört (zu Unrecht?) zu den Todsünden. Dabei wissen die wenigsten von uns noch, wie man einfach mal nichts tut.
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Einfach mal nichts tun und die Seele baumeln lassen – das fällt uns im durchgeplanten Alltag oft erstaunlich schwer.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ferien werden oft mit Aktivitäten überfüllt, statt Entspannung zu bieten
  • Hausarbeit bleibt häufig an Frauen hängen, auch während Familienferien
  • Studien: 70 Prozent der Hausarbeit erledigen Frauen in der Schweiz
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Milena MoserSchriftstellerin

Vier Wochen lang, sagt sie mit etwas Wehmut in der Stimme, denn die Ferien sind zu Ende. Vier Wochen lang habe sie sozusagen gar nichts getan.

Verwunderung schwingt in ihrem Ton mit und vielleicht ein leiser Hauch von schlechtem Gewissen. Es gehört sich nun mal nicht, nichts zu tun. Selbst in den Ferien müssen wir uns ständig herausfordern und verbessern, neue Sprachen und Wassersportarten lernen, gesünder kochen als zu Hause oder Speisen bestellen, die wir nicht kennen. Wir müssen Abenteuer und einmalige Aussichten erleben, aber wichtiger noch, wir müssen sie fotografieren und teilen.

Der teuerste Nichtstun-Flex der Welt

«Was hast du gemacht?» «Ich? Nichts.»

Das wäre der grösste Flex, wie das Modewort heisst. Aber genau den will niemand für sich beanspruchen. Auch meine Freundin nicht. Und ich weiss auch, ohne dass sie das extra sagen muss, dass sie nicht wirklich «nichts» getan hat.

Eine bekannte und offenbar sehr wohlhabende amerikanische Journalistin veröffentlichte neulich einen offenen Brief an ihre Neffen und Nichten, die sich wohl in den gemeinsamen Ferien schlecht benommen hatten. Vieles in dem Brief ging an der Allgemeinbevölkerung direkt vorbei: «... das gilt für alle meine Häuser, egal ob auf Mallorca oder auf Martha's Vineyard ...», «... die Menschen, die für mich arbeiten ...», «das Ginger Ale, das ich extra einfliegen lasse ...»

Probleme reicher Leute, dachten wir beim Lesen, obwohl wir uns bestimmt auch schon über Teenager geärgert haben, die das Telefon nicht aus der Hand legen und der Kellnerin beim Bestellen nicht ins Gesicht sehen konnten. Doch ein Satz traf einen universellen Nerv. Den der Mütter. «Ich lade meine Schwestern nicht in die Ferien ein, um ihnen dann dabei zuzuschauen, wie sie euer Geschirr abwaschen», schrieb die Journalistin.

Alltag im Postkartenformat

Autsch. Da zuckte selbst ich zusammen, die ich schon lange keine Familienferien im klassischen Sinn mehr gemacht habe. Da ich an einem Touristenziel wohne, besucht mich meine Familie zu Hause. Aber darum geht es nicht, sondern darum, dass wir das alle kennen. Die Hausarbeit liegt eben immer noch meist in Frauenhand – ich sage meist, weil ich natürlich weiss, dass es überall löbliche Ausnahmen gibt, unter anderem in meiner eigenen Familie. Aber eben, es sind Ausnahmen. Und daran sind wir, die das Abwaschen im Zweifelsfall übernehmen, auch ein wenig mit schuld.

Wenn es sonst niemand macht, denken wir. Bevor der Stapel noch höher wächst. Und: Ist ja keine grosse Sache.

Das gilt auch für mich, und definitiv für meine noch viel jüngere und mitten im Familienleben stehende Freundin. «Familienferien sind einfach Alltag unter erschwerten Bedingungen», sagte einmal eine andere Freundin, die allerdings sehr hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Diese sollte man in den Ferien als Erstes ablegen, aber das ist leichter gesagt als getan. Wir erwarten so viel von uns, und von diesen wenigen, wertvollen Wochen! Sie müssen die Enttäuschungen des ganzen Jahres wettmachen und all unsere unerfüllten Sehnsüchte stillen. Das ist zu viel verlangt.

Die Kunst der radikalen Langeweile

Denn eigentlich wäre es genau das Gegenteil, das Nichts, das uns erlöste. Die totale Abwesenheit aller Vorstellungen und Ansprüche, aller Herausforderungen. Unser grösstes Abenteuer ever wäre das Nichtstun. Hier würden unsere gestressten Seelen Frieden finden. Theoretisch wissen wir das alle, wir bekommen es ja auch ständig vorgebetet, vom Buddha bis zu meiner verstorbenen Mutter. Sie sagte immer: «Erst, wenn wir uns langweilen, sind wir wirklich erholt.»

Wann habe ich mich zuletzt gelangweilt?

Wie lange muss ich nichts tun, um mich zu langweilen?

Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden ....

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