Neue Ziele stecken
Der Sprung ins Leere

In unserem Alter müssen wir unsere Ziele höher stecken, sagte er. Ist ein Meter hoch genug?
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Eine Gruppe 70-Jährige hat eine Strategie, um dem Alter zu trotzen: Jedes Jahr ein neues Ziel setzen, und zwar eines, das ein bisschen Angst macht.
Foto: ullstein bild via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Eine Frau reflektiert über persönliche Ziele nach einem Gespräch auf einer Ranch
  • Ein Mann inspiriert sie mit einer Geschichte über mutige Lebensziele im Alter
  • 70-Jährige erklimmen Berge, während sie ihre Angst überwindet und springt
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Milena MoserSchriftstellerin

Was denn jetzt mein neues «Reach Goal» sei, fragte mich der Mann. Jetzt, wo ich gerade wieder einen Geburtstag gefeiert habe. Tatsächlich hab ich mir alle möglichen Gedanken zu meinem letzten und zum nächsten Lebensjahr gemacht, aber was zum Teufel ist ein «Reach Goal»?

«Ein Ziel, das nur mit ausserordentlichem Einsatz erreicht werden kann», erklärte der Mann, er hiess Eric. Wir kannten uns nicht, verbrachten aber ein paar Tage auf der Ranch gemeinsamer Freunde. Jetzt standen wir am sandigen Ufer eines kleinen Sees, die Füsse im Wasser, und unterhielten uns.

Dem Alter trotzen

Er erzählte mir, wie er vor ein paar Jahren auf einen sehr hohen Berg stieg – welchen, habe ich wieder vergessen. Als er oben ankam, fand er eine Gruppe 70-Jähriger vor, die bereits im Morgengrauen losgeklettert waren. Und die erklärten ihm ihre Strategie, um dem Alter zu trotzen: Jedes Jahr setzen sie sich ein neues Ziel, und zwar eines, das ihnen ein bisschen Angst macht.

Eric nahm sich das zu Herzen.

«Aber was ist, wenn einer von ihnen krank wird?», dachte ich. Wie Victor, der vor ein paar Monaten auf einem Roadtrip wehmütig den Mount Shasta fixierte, der unsere ganze Windschutzscheibe ausfüllte, minutenlang. Und immer noch schneebedeckt.

«Ich vermisse das Bergsteigen», seufzte er. Ich schwieg. Es kommt ganz selten vor, dass er seine Wehmut ausspricht. Wenn er vom vierstündigen Fussmarsch über die Brücke und die Hügel hinauf zu seinem früheren Atelier erzählt oder von den Kajaktouren auf dem Lake Tahoe mit seinen Freunden und der tragbaren Heimdialysemaschine, dann überwiegt die Freude daran, dass er das überhaupt einmal erlebt hat. Dem Schmerz darüber, dass das nicht mehr möglich ist, lässt er bewusst wenig Platz. Victors «Reach Goal» ist, die Treppe hochzukommen, ohne innezuhalten. Ein Bild zu malen, die nächste Installation in Angriff zu nehmen.

Und ich? Hab ich Ziele? Ich denke an die Hartnäckigkeit, mit der ich trotz jahrelanger Absagen das Schreiben verfolgte. Das war schon ein «ausserordentlicher Einsatz», aber nicht unbedingt ein bewusster. Es war auch kein Ziel, ein Buch zu veröffentlichen. Eher ein inniger Herzenswunsch.

Einfach leben

Und seither? Ich versuche, dem Tag unvoreingenommen zu begegnen. Auf das einzugehen, was er mir bringt, aufzuheben, was vor meinen Füssen liegt. Zu tun, was getan werden muss, und das möglichst anständig. Klingt bescheiden, aber an manchen Tagen ist das schon viel.

Jetzt sind unsere Freunde auch hier, sie rennen an uns vorbei ins Wasser, und bald schwimmen alle ans andere Ufer hinüber. Ich folge etwas langsamer, lege mich in der Mitte des Sees auf den Rücken, um zu verschnaufen und den Wolken zuzuschauen.

Als ich mich wieder umdrehe und weiterschwimme, sehe ich, wie die anderen auf einen Felsen klettern und der Reihe nach hinunterspringen. Das andere Ufer muss tiefer sein. Ich höre sie rufen und lachen und schwimme schneller.

Von hier aus sieht der Felsen nicht besonders hoch aus, nicht höher als das Einmeterbrett im Schwimmunterricht. Das hat Eric wohl nicht gemeint, als er sagte: «Wir müssen unsere Ziele höher stecken!»

Die anderen sind alle schon gesprungen, sie warten auf mich und feuern mich an. Es ist mir unangenehm, so unter allen Blicken ans Ufer und auf den glitschigen Felsen zu klettern, und ich stelle mich nicht besonders geschickt an.

Von hier aus sieht es höher aus.

«Ich habe Angst!», rufe ich.

«Das macht nichts. Du kannst Angst haben und trotzdem springen», ruft Eric zurück.

«Das Motto meines Lebens», denke ich. Schliesse die Augen und trete ins Leere.

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