Die Hoffnung lebt unter uns
Warum sich politisches Engagement immer lohnt

Wir könnten verzweifeln, aber wir tun es nicht. Hoffnung finden wir an den seltsamsten Orten, und am meisten beieinander.
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Die Weltlage macht hoffnungslos: Milena Moser beschreibt, wieso ihr Protestaktionen guttun.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Protestgruppen demonstrieren jeden Samstag vor einer Tesla-Niederlassung mit Tanzaktionen.
  • Eine Teilnehmerin opfert Freizeit und Familie, um Herzen zu verteilen.
  • Seit Februar 2025 finden wöchentliche Aktionen statt, mit festlicher Stimmung.
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Milena MoserSchriftstellerin

«Ich hab aber immer noch Hoffnung», sagt meine Freundin in einem beinahe trotzigen Ton. Wir stehen zu viert am Strassenrand vor dem Veranstaltungsort, früher hätten wir jetzt geraucht. Drinnen geht die Podiumsdiskussion weiter, aber wir haben genug gehört.

Die Veranstaltung wurde von einer kleinen Nachbarschaftsgruppe organisiert. Es ging um die Umwelt, und einer der Sprecher beendete seine Ansprache so: «Ich hör jetzt auf, bevor ich noch anfange zu heulen.» Nicht sehr ermutigend, dachte ich. Wir wechselten Blicke, verstanden uns ohne Worte und gingen beim nächsten Applaus hinaus.

Wir legten trotzdem Geld in die Sammelkasse, auch wenn die Veranstaltung uns eher deprimiert hatte. Dafür konnte die Organisation nichts, sie hatte die Realität ja nicht erschaffen. Wir standen eine Weile am Strassenrand, dann erwähnte jemand die Dumplingbude unten an der Ecke und an diesem Abend fanden wir Hoffnung in gefüllten Teigtaschen und im Zusammensein. Und dann verabredeten wir uns für den nächsten Anlass. Denn so schnell geben wir nicht auf.

Protestiert wird überall

Deshalb nehme ich seit einer Weile wieder regelmässig an Demonstrationen, Protestaktionen und allen möglichen politischen Veranstaltungen teil. Ich tue es in erster Linie, weil es mir hilft. Ob es etwas bewegt, weiss ich nicht. Als ich vor einigen Wochen von einer grossen Demonstration hier im Park berichtete, schrieb mir eine Leserin: «Das sollte es doch in anderen Städten auch geben!» Das gibt es natürlich. Protestiert wird überall und immer wieder. In grösserem und kleinerem Rahmen. Auch wenn (offenbar) nicht darüber berichtet wird.

Vor ein paar Wochen stiess ich eher zufällig auf eine Art Tanzparty auf der Strassenkreuzung vor der hiesigen Tesla-Niederlassung. Seit einem Jahr kommt hier jeden Samstag eine mal kleinere, mal grössere Gruppe zusammen, sie tragen Kostüme und Transparente, sie machen Lärm, sie tanzen auf der Kreuzung, bis die Ampel wieder umspringt. An diesem Samstag spielte eine Blaskappelle, auf dem Mittelstreifen tanzte ein kalifornischer Bär mit einer Freiheitsstatue, die etwas grün um die Nase wirkte, wer könnte es ihr verdenken. Automobilisten hupten zur Unterstützung, winkten, manche stiegen bei Rotlicht schnell aus, um ein paar Takte mit zu tanzen.

Keine Gewalt und Schokoriegel

Kein Chaos. Keine Panik. Und schon gar keine Gewalt. Zur Feier des einjährigen Jubiläums wurden Chipstüten und Schokoriegel verteilt, jemand hängte mir eine Kette aus Glitzerperlen um wie an einem Fastnachtsumzug. Die Stimmung war festlich, beinahe übermütig. Selbst einer der Autoverkäufer kam immer wieder mal raus, um uns zuzuwinken.

An einem Stand konnte man Nachrichten auf rosa Papierherzen schreiben, die dann an eine Wand gepinnt wurden. «Nachrichten an wen?», fragte ich. «An Amerika», sagte die freundliche Helferin. Sie ist eine von denen, die seit einem Jahr jeden einzelnen Samstagnachmittag hier verbringt, tausende von Herzen aus buntem Papier ausschneidet, weil das billiger ist, als sie zu kaufen. Sie hat Basketballspiele und Schulkonzerte ihrer Kinder verpasst, von gemütlichen Mittagessen mit Freundinnen ganz zu schweigen. «Meine Kinder sind stolz auf mich», sagt sie. «Manchmal kommen sie auch mit und helfen, die Herzen zu verteilen.»

«Warum Herzen?», frage ich und weiss im selben Moment die Antwort: Weil die erste Aktion vor einem Jahr eben auch am Valentinstag stattgefunden hat. Aber der eigentliche Grund geht tiefer. «All der Hass, all die Grausamkeit.... Was haben wir dem entgegenzuhalten?» Ich nicke, bevor sie den Satz beendet. «Die Liebe.» Die Hoffnung.

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